Schowanek, Johann (1868-1934), Industrieller

Schowanek Johann, Industrieller. Geb. Pasek, Böhmen (Paseky nad Jizerou, Tschechien), 24. 4. (oder 18. 5.) 1868; gest. Georgenthal (Jiřetín, Tschechien), 24. 11. 1934. Sohn eines Landwirts und Müllermeisters, Bruder von Karl S. (geb. Pasek, 19. 4. 1876; gest. Aufham, Deutschland, 17. 7. 1953), Vater von Johann Karl Andreas S. (s. u.). S. trat 14jährig in das kaufmänn. Büro der großväterl. Holzwarenerzeugung Anton Pohl in Pasek ein, in der vorwiegend Garnspulen für Spinnereien und Webereien hergestellt wurden. Sein Interesse für das Drechseln, das in der Pohlschen Fa. noch mit sehr einfachen Methoden erfolgte, veranlaßte S., selbst leistungsfähigere Werkzeuge und Spezialmaschinen zu konstruieren. Da er sich im Familienunternehmen damit nicht durchsetzen konnte, pachtete er 1896 in Dessendorf (Desná) die „Schmiedmühle“ und errichtete dort eine mechan. Drechslerei, deren Produkte sich durch bes. Präzision auszeichneten. Nach einem Brand pachtete S. aus Raummangel 1899 eine stillgelegte Fabrik in Dessendorf, in der er bereits 50 Betriebsangehörige beschäftigen konnte. Die kaufmänn. Leitung übertrug er seinem Bruder Karl S., der dem Werk bis 1941 als Prokurist und Betriebsdir. verbunden blieb und als solcher zum internationalen Aufstieg des Unternehmens mit beitrug. Exporte der erzeugten Waren gingen unter der Firmierung „Johann Schowanek, Textilholzwarenund Spulenfabrik, Dessendorf in Böhmen“ nach Deutschland, Rußland, England, Frankreich, Italien und der Schweiz. Ab 1905 wurde auf Anregung von Gablonzer Exporthäusern auch mit der Erzeugung von Perlen, hauptsächl. aus Holz, aber auch aus Kunststoff, begonnen, die als Schmuck bis nach Afrika exportiert wurden. Allein dieser Produktionszweig nahm in der Folge einen solchen Aufschwung, daß der 1908 in Georgenthal zur „fabriksmäßigen Erzeugung von Holzwaren“ neueröffnete Betrieb angesichts eines stetig wachsenden Mitarbeiterstandes 1912 und 1914 räuml. ausgebaut werden mußte. Nach dem Ersten Weltkrieg ging die steile Aufwärtsentwicklung des Unternehmens zum Branchenführer kontinuierl. weiter (1922 abermals Erweiterung der Betriebsgebäude) und setzte sich auch unter der Leitung von S.s Sohn, Johann Karl Andreas (Hans) S. (geb. Dessendorf, 8. 12. 1905; gest. Piding, Deutschland, 27. 9. 1964), fort. Dieser war 1921 in das Unternehmen eingetreten, hatte 1924 die Prokura erhalten und war seit 1928 Gesellschafter. Er erfand die hauptsächl. für Bijouteriewaren verwendeten emaillierten Holzperlen (die daraus hergestellten Perltaschen etwa wurden v. a. nach Amerika exportiert), für die er – ebenso wie für seine ab 1927 entwickelten Holzspielwaren – in- und ausländ. Patente erhielt. Nach der staatl. Enteignung 1945 versuchte er, vorerst in Salzburg Fuß zu fassen, 1949 kam es in Piding zur Neugründung der Fa., die nach seinem Tod und wechselnden Besitzern 1984 gewerbeamtl. abgemeldet wurde.

L. (auch zu Johann Karl Andreas S.): K. Zenkner, in: Beitrr. zur Geschichte der Isergebirgler und ihrer Ind. (= Gablonzer Bücher 43), 1984, S. 69ff. (mit Bildern); ders., in: Jeschken-Iser-Jb. 28, 1984, S. 94ff. (mit Bild); Gedenkschrift zur Feier des 40jährigen Bestandes der Fa. J. S. … 1896–1936, Gablonzer Archiv und Mus., Kaufbeuren-Neugablonz, Deutschland. – Johann Karl Andreas S.: Köpfe der Politik, Wirtschaft, Kunst und Wiss. in Europa. Tschechoslowak. Republik, 1936 (mit Bild); Isergebirgs-Rundschau, 10. 11. 1964 (mit Bild).
(E. Marschner)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 11 (Lfg. 52, 1997), S. 155f.
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