Schrader, Clemens (1820-1875), Theologe

Schrader Clemens, SJ, Theologe. Geb. Itzum, Hannover (Deutschland), 22. 11. 1820; gest. Poitiers (Frankreich), 23. 2. 1875. Nach Absolv. des Gymn. in Hildesheim (1839) war S. 1840–48 in Rom Zögling des Collegium Germanicum-Hungaricum und stud. gleichzeitig an der Jesuitenhochschule Gregoriana Phil. und Theol., 1846 Priesterweihe. Während dieser Jahre war er nicht nur Mitstudent einer Reihe später prominenter Theologen – u. a. Johann Bapt. Franzelin, Ignaz von Senestréy und Andreas Steinhuber – und des Kirchenhistorikers Joseph Hergenröther, sondern wurde auch von Lehrern wie Giovanni Perrone SJ und bes. Carlo Passaglia SJ entscheidend geprägt. Unter dem Einfluß des letzteren trat S. 1848 in England, wohin viele röm. Jesuiten wegen der Revolution geflüchtet waren, in den Jesuitenorden ein, lehrte 1849 gem. mit Passaglia in Löwen (Leuven) Dogmatik und kehrte 1850 nach Rom zurück, wo er bis 1857 an der Gregoriana Einleitung in die Hl. Schrift und Dogmatik las. In dieser Zeit entstand die sog. Röm. Schule, eine theolog. Richtung, die durch Perrone, Passaglia, Franzelin und S. repräsentiert wurde. Vertrautester Freund und Mitarbeiter Passaglias, wurde S. von diesem als Mitverfasser seiner Werke „De Ecclesia Christi“, 2 Bde., 1853–56, und „De Immaculato Deiparae semper Virginis Conceptu Commentarius“, 1854, – beide Autoren waren seit 1853 Mitgl. der päpstl. Komm., die die Definition des Dogmas von der Unbefleckten Empfängnis Mariens vorbereiten sollte – genannt, mit Namen scheint S. als Mitautor Passaglias bei der Neuausg. des „Opus de theologicis Dogmatibus“, 1857, von Dionysius Petavius auf. Zu ihren Schülern zählten u. a. auch die späteren Innsbrucker Theologen Ferdinand Stentrup SJ, Hugo v. Hurter (s. Hurter-Ammann) und Nilles (s. d.) sowie Matthias Joseph Scheeben. 1857 wurde S. auf Wunsch von Kardinal Rauscher (s. d.) als Prof. der Dogmatik an die Univ. Wien berufen, was zur Entfremdung mit Passaglia führte. In Wien erlangte S. kirchenpolit. großen Einfluß bes. auf die ultramontane Aristokratie sowie an der theolog. Fak., wo er „die scholastische Theologie zum Siege … führte“ (Schulte). 1858 gründete er die Marian. (Männer-)Kongregation und leitete sie bis 1867. In dieser Zeit erschienen seine Werke „De Unitate Romana Commentarius“, 2 Bde., 1862–66, worin er die Lehre von der Kirche „mit besonderer Rücksicht auf ihren einheitlichen Organismus und dessen Mittelpunkt im römischen Papsttum“ (Scheeben) behandelte, und „De Triplici Ordine … Commentarius“, 1864. 1867 wurde S. zum Konsultor für das geplante Vatikan. Konzil ernannt und der theolog.-dogmat. Komm. zugeteilt. Er war Hauptverfasser des vorbereitenden Konzilsschemas „De Ecclesia Christi“, in dem er diese als „mystischen Leib Christi“ herausstellte, und trat entschieden für die Definition der Unfehlbarkeit des Papstes ein. 1870 wegen seiner Ablehnung der Dezemberverfassung von 1867 seiner Wr. Professur enthoben, nahm er die Lehrtätigkeit an der Gregoriana wieder auf und wurde 1872 an das Priesterseminar in Poitiers berufen.

W. (s. u. Sommervogel, Schauf und Lachner): Theses Theologicae quas in Vindobonensi Acad. … tradidit, 1861, Ser. 2–8, 1863–74; De Theologia generatim Commentarius, 1874; De Theologico Testium Fonte deque edito Fidei Testimonio seu Traditione Commentarius, 1878; usw.
L.: J. F. v. Schulte, in: ADB; Jesuitenlex.; LThK, 2. Aufl.; Sommervogel; Wetzer–Welte; Wurzbach; M. J. Scheeben, in: Literar. Handweiser 82, 1869, S. 331ff.; A. Steinhuber SJ, Geschichte des Kollegium Germanikum Hungarikum in Rom 2, 2. Aufl. 1906, s. Reg.; 1858–1908. FS zur Feier des 50jährigen Jubiläums der Marian. Herrenkongregation … in Wien, 1908, passim, bes. S. 94f.; Dictionnaire de théologie catholique …, hrsg. von A. Vacant, E. Mangenot und É. Amann, 14/2, 1939; H. Schauf, Die Einwohnung des Hl. Geistes (= Freiburger theolog. Stud. 59), 1941, s. Reg.; De Corpore Christi Mystico sive De Ecclesia Christi Theses. Die Ekklesiol. des Konzilstheologen C. S. S.J. …, zusammengestellt, hrsg. und kommentiert … von H. Schauf, 1959; W. Kasper, Die Lehre von der Tradition in der Röm. Schule (= Die Überlieferung in der neuen Theol. 5), 1962, s. Reg.; F. van der Horst OFMCap, Das Schema über die Kirche auf dem I. Vatikan. Konzil (= Konfessionskundl. und kontroverstheolog. Stud. 7), (1963), s. Reg.; H. Schauf, in: Kath. Theologen Deutschlands im 19. Jh., hrsg. von H. Fries und G. Schwaiger, 2, (1975), S. 368ff. (mit Werks- und Literaturverzeichnis); Theologenlex., hrsg. von W. Härle und H. Wagner, 2. Aufl. (1994); R. Lachner, in: Biograph.-Bibliograph. Kirchenlex., hrsg. von F. W. Bautz, fortgeführt von T. Bautz, 9, (1995) (mit Werks- und Literaturverzeichnis); UA Wien.
(H. Reitterer)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 11 (Lfg. 52, 1997), S. 156f.
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