Schram, Robert Gustav (1850-1923), Astronom und Geodät

Schram Robert Gustav, Astronom und Geodät. Geb. Lemberg, Galizien (L’viv, Ukraine), 18. 1. 1850; gest. Wien, 23. 12. 1923. Sohn des Juristen Adolf S., zuletzt Oberstaatsanwalt in Biala (Bielsko-Biała); röm.-kath., später evang. AB. Besuchte die erste Gymn.Kl. in Krakau (Kraków), nach vier Jahren Privatunterricht das Gymn. in Teschen (Cieszyn/Český Těšín) und stud. ab 1869 an der Univ. Wien, wo er Physik, Mathematik, Psychol., Phil., alte Geschichte hörte, v. a. aber Astronomie, u. a. bei Oppolzer (s. d.). 1884 Dr. phil., habil. er sich noch im selben Jahr für Astronom. Chronol. Schon 1872, nach dem Absolutorium Astronome adjoint an der Sternwarte in Genf, kam er nach Bestellung Oppolzers zum Leiter des Österr. Gradmessungs-Bureaus als Ass. an diese Dienststelle, avancierte 1874 zum Observator und schließl. nach Oppolzers Tod 1887 zu dessen Nachfolger als Leiter des Österr. Gradmessungs-Bureaus. Kurz davor noch zum HR befördert, trat er 1917 i. R. 1873–84 betätigte sich S. prakt. bei zehn im Rahmen des Österr. Gradmessungs-Bureaus vorgenommenen Längenbestimmungen, u. a. Krakau-Wien, Wien-Greenwich, Lemberg-Czernowitz (Černivci), bewährte sich auch bei der Einschulung des dabei mitwirkenden rumän. Beobachters und lieferte eine ausführl. Darstellung der von seiner Institution angewandten Reduktionsmethoden sowie der dabei gemachten Beobachtungen. 1885 begann S. eine zeitweise sehr rege Lehrtätigkeit als Priv.Doz., in der er nicht nur Vorlesungen über Chronol., sondern auch über die Theorie der Sonnen- und Mondfinsternisse, sphär. Astronomie, Geschichte der Astronomie sowie über Interpolationsrechnung und numer. Integration anbot. In seinen letzten Lebensjahren beschränkte er sich allerdings auf ein bis 1922 regelmäßig wiederholtes Kalendariographiekolleg und war dann krankheitshalber an weiterer Lehrtätigkeit gehindert. S. entfaltete ein reiches wiss. und publizist. Wirken und erzielte v. a. durch seine Hilfstafeln für Chronol. sowie deren Überarb. als Kalendariograph. und chronolog. Tafeln und seine Arbeiten zur Theorie und Berechnung der Sonnenfinsternisse bes. Resonanz. S., 1882 Mitgl., 1898–1922 Ausschußmitgl. des Wiss. Club in Wien, fand nationale und internationale Anerkennung, erhielt mehrere Ausz. und war Mitgl. mehrerer gel. Ges., so der k. Leopoldin.-Carolin. Dt. Akad. der Naturforscher in Halle und Ehrenmitgl. der American Metrological Society in New York. Bes. Verdienste erwarb er sich 1885–93 durch seinen lebhaften publizist. Einsatz für die Durchsetzung der Zonenzeit.

W.: Hilfstafeln für Chronol., in: Denkschriften Wien, math.-nat. Kl. 45, 1882, selbständig 1883; Darlegung der in den „Hilfstafeln“ zur Tabulirung der jüd. Zeitrechnung angewandten Methode, in: Sbb. Wien, math.-nat.Kl. 88, Abt. 2, 1883, auch selbständig; Über die christl. Festrechnung …, in: Denkschriften Wien, math.-nat. Kl. 48, 1884, selbständig 1883; Ueber die Weltzeit, in: Monatsbll. des Wiss. Club in Wien 6, 1885; Tafeln zur Berechnung der näheren Umstände der Sonnenfinsternisse, in: Denkschriften Wien, math.-nat. Kl. 51, 1886, selbständig 1887; Reductionstafeln für den Oppolzer’schen Finsterniss-Canon, ebenda, 56, 1889, auch selbständig; Die Beobachtungen und Reductionsmethoden des k. k. österr. Gradmessungs-Bureau als Einleitung zu den Längenbestimmungen, in: Publ. des k. k. österr. Gradmessungs-Bureau 1, 1889, selbständig o. J.; Adria-Zeit, 1889, italien.: La zona oraria dell’Adriatico, 1890; Ueber das Stundenzonen-System der amerikan. Eisenbahnen, in: Monatsbll. des Wiss. Club in Wien 11, 1890; Zur Einführung der mitteleurop. Zeit in Wien, 1892; Zur Frage der 24 Stundenzählung, in: Oesterr. Eisenbahn-Ztg. 18, 1895; Geschichte und Aufgaben der Gradmessung, in: Monatsbll. des Wiss. Club in Wien 18, 1897; Kalendariograph. und Chronolog. Tafeln, 1908; usw. Hrsg.: Astronom. Arbeiten des k. k. Gradmessungs-Bureau, gem. mit E. Weiss, 1ff., 1890ff.
L.: Eisenberg, 1893, Bd. 2; Poggendorff 4, 6; Wer ist’s, hrsg. von H. A. L. Degener, 7. Aufl. 1914; J. Hepperger, in: Inauguration Univ. Wien 1924/25, 1924, S. 20f.; UA Wien.
(A. Schwarcz)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 11 (Lfg. 52, 1997), S. 162f.
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