Schramm, Johann Heinrich (1810-1865), Maler

Schramm Johann Heinrich, Maler. Geb. Teschen, österr. Schlesien (Cieszyn, Polen/Český Těšín, Tschechien), 21. 5. 1810; gest. Wien, 7. 3. 1865. Sohn eines Tischlermeisters. Nach dem Besuch der Hauptschule stud. S. 1825–27 am Polytechn. Inst. in Wien u. a. Blumen- und architekton. Zeichnen, 1831–32 an der Akad. der bildenden Künste Historienzeichnung. Von der ihn zunächst beschäftigenden Blumenmalerei ging er als Autodidakt zum Porträtieren über, wobei er mit bes. Geschick in Aquarellfarben arbeitete. So stellte er u. a. Bildnisse des Opernsängers Josef Pöck und der Opernsängerin Sophie Löwe (s. d.) 1832 und 1834 bei St. Anna in Wien aus. Ab 1837 lebte S. in Prag, dann in Dresden, wo er von den Mitgl. des Herrscherhauses u. a. den späteren Kg. und Danteübersetzer Johann v. Sachsen malte. 1841 begleitete er den Bildhauer Bertel Thorvaldsen, mit dem er befreundet war, auf dessen Fahrt durch Deutschland. Im Frühjahr 1842 wurde S. Prof. an der Kunstschule in Weimar, wo er auch als großhgl. Hofmaler wirkte. Sein Bildnis des Großhg. Karl Friedrich von Weimar diente dem Hofkupferstecher Carl August Schwerdgeburth als Vorlage für einen Stich. 1844 porträtierte S. Kg. Wilhelm II. der Niederlande in Gouache und wurde dafür mit dem niederländ. Eichenkronen-Orden ausgez., 1845 Dr. h. c. der Univ. Jena als Dank für die Stiftung von 16 in Bleistift ausgeführten Bildnissen Jenaer Prof. 1848 weilte er noch einmal in seinem Geburtsort, wo er ein Aquarellbildnis seines Bruders und seiner Schwägerin schuf. Für ein geplantes „Deutsches Album berühmter Zeitgenossen“ porträtierte er teils in Bleistift, teils in Aquarell u. a. Josef Frh. v. Eichendorff, Friedrich Rückert, Karl Gutzkow, Friedrich Dahlmann, Fürst Metternich und Karl Lipiński (s. d.). Freundschaftl. Beziehungen verbanden S. angebl. auch mit Franz Liszt (s. d.), mit Fürst Hermann v. Pückler-Muskau und mit Ferdinand Freiligrath, den er gleichfalls porträtierte. Anfang 1865 übersiedelte S. schließl. nach Wien. Als Porträtist bewährte er sich ebenso als treffsicherer Zeichner wie als gewandt die Aquarelltechnik nutzender Bildnismaler, dessen Miniaturen ebenfalls sehr geschätzt wurden.

W.: Selbstbildnis, 1836; Eva Nesemann, 1838 (Aquarell); Alexander v. Humboldt, Peter v. Cornelius, Jacob Grimm, Ludwig Tieck (alle Bleistift); usw.
L.: ADB; Bénézit; Fuchs, 19. Jh.; Thieme–Becker; Toman; Wurzbach; F. v. Boetticher, Malerwerke des 19. Jh. 2/2, 1898 (s. S. Johannes H.); O. Wenzelides, Das Altvater-Beskidenland und seine geistige Leistung für das dt. Volk, 1941, S. 44; E. Scheyer, Schles. Malerei der Biedermeierzeit (= Bau- und Kunstdenkmäler des dt. Ostens, R. C, Bd. 2), 1965, S. 167, 183; A. Peter, Heimatkde. des Herzogthums Schlesien, 1880, Reprint 1969, S. 103; H. Fuchs, Die österr. Bildnisminiatur von den Anfängen bis zur Gegenwart 2, 1982; Archiv der Techn. Univ. Wien, Archiv der Akad. der bildenden Künste, beide Wien.
(G. Ludwig)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 11 (Lfg. 52, 1997), S. 169
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