Schrank, Josef (Karl) (1838-1907), Mediziner

Schrank Josef (Karl), Mediziner. Geb. Wien, 31. 1. 1838; gest. ebenda, 15. 5. 1907. Bruder des Vorigen. Stud. nach Ablegung der Matura 1856–61 an der techn., 1859–61 auch an der kommerziellen Abt. des Polytechn. Inst. in Wien, wandte sich dann aber, obwohl er noch 1863 auf Ansuchen hin die Befähigung zur Eröffnung einer privaten Handelsschule bestätigt erhielt, der Med. zu, stud. ab 1862 an der Univ. und wurde 1868 zum Dr. med. prom. Vorübergehend am Wiedner Krankenhaus tätig, soll er dann als Ass. an der Med.-chirurg. Lehranstalt in Salzburg gewirkt haben, ließ sich aber schon 1869 als prakt. Arzt in Wien nieder. Daneben war S. ab 1873 als Armenarzt für den VIII. Gmd.Bez., ab 1879 als Polizeibez.Arzt tätig und avancierte 1889 zum Polizeioberbez.Arzt. Angeregt durch entsprechende Forschungen im übrigen dt. Sprachgebiet sowie in Frankreich, widmete er sich der Bakteriol., wurde als anerkannter Fachmann vom Allg. österr. Apotheker-Ver. anläßl. der Errichtung der bakteriolog. Untersuchungsanstalt 1891 zum Leiter des damit verbundenen Laboratoriums berufen und hielt ab 1893 auch Kurse über Bakteriol. für angehende Apotheker, Pharmazeuten usw. ab. Freiwillig ehrenamtl. tätig, konnte er die Anstalt aus bescheidenen Anfängen zu einem leistungsfähigen Inst. ausbauen. In zahlreichen Publ. beschäftigte er sich mit bakteriolog., allg. med., v. a. aber mit med.- sittenpolizeil. Themen. S., Präs. der Österr. Liga zur Bekämpfung des Mädchenhandels, machte sich speziell durch seine grundlegenden Untersuchungen über Prostitution und Mädchenhandel sowie um die Bekämpfung dieser beiden Phänomene verdient.

W.: Das Stotterübel, eine corticale Erkrankung des Großhirns, 1877; Die Prostitution in Wien in hist., administrativer und hygien. Beziehung, 2 Bde., 1886; Gesundheitspflege, gerichtl. Med. und Sanitätsgesetzgebung. Ueber die geplante Errichtung eines Reichs-Gesundheitsamtes in Oesterr., in: Med.-Chirurg. Central-Bl. 22, 1887; Über den von der Regierung dem Reichsrathe vorgelegten Entwurf eines Gesetzes zur Bekämpfung der Trunkenheit in Oesterr., ebenda, 22–23, 1887–88; Mikroskop. und bacteriolog. Untersuchung des Trinkwassers, in: Z. des allg. österr. Apotheker-Ver. 27, 1889; Der Nachweis der Tuberkelbacillen in der Milch, ebenda, 30, 1892; Die Regelung der Prostitution vom gewerbl.-nationalökonom. Standpunkte betrachtet, in: Allg. Wr. med. Ztg. 37, 1892; Das Wesen, der Nachweis und die Beseitigung der Bacterien, ebenda, 37, 1892; Jahresberr. des bakteriolog. Laboratoriums des allg. österr. Apotheker-Ver., in: Z. des allg. österr. Apotheker-Ver. 30–44, 1892–1906; Vorschläge, betreffend die Anzeigepflicht bei Diphtheritis, in: Allg. Wr. med. Ztg. 38, 1893; Anleitung zur Ausführung bacteriolog. Untersuchungen zum Gebrauche für Aerzte, Thierärzte, Nahrungsmittel-, Agricultur- und Gährungschemiker …, 1894; Der Mädchenhandel und seine Bekämpfung, 1904; Ueber einige mit Erfolg angewendete Sera und Bakterienpräparate, in: Z. des allg. österr. Apotheker-Ver. 44, 1906; usw.
L.: N. Fr. Pr., 17. 5. 1907; Eisenberg, 1893, Bd. 2; Jb. der Sanitätspersonen in Wien, 1869–1906; Z. des allg. österr. Apotheker-Ver. 45, 1907, S. 303; Pharmazeut. Post 40, 1907, S. 386; Allg. Wr. med. Ztg. 52, 1907, S. 242; Archiv der Techn. Univ. Wien.
(O. Nowotny)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 11 (Lfg. 52, 1997), S. 176
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