Schrantz, Johann (1830-1902), Fabrikant

Schrantz Johann, Fabrikant. Geb. Pápa, Kom. Veszprém (Ungarn), 15. 1. 1830; gest. Wien, 1. 4. 1902. Vater des Vorigen sowie von Otto und Wilhelm S. (beide s. u. dem Vorigen); evang. AB. S., der sich als Altgeselle bei dem seit 1824 in Wien selbständigen Siebmacher Michael Hutter (geb. Pest/Budapest, Ungarn, 1799; gest. Wien, 17. 11. 1878) verdungen hatte, heiratete dessen Tochter Stefanie und erhielt im Ehevertrag 1853 als Aussteuer Maschinen und Siebmacherwerkzeuge sowie die Siebmacher-Gerechtigkeit übertragen, wonach das damals noch bescheidene Unternehmen als „Hutter & Schrantz“ firmierte. Nach Hutters Tod war S. alleiniger Inhaber. Durch seinen Einsatz und seine Initiative vollzog sich die Entwicklung vom Handwerksbetrieb zur Fabrik, von der Werkstätte mit etwa zehn Gesellen und Lehrlingen zum Großunternehmen, wobei er auch um die Ausbildung der nötigen Facharbeiter bemüht war. S. verstand es, nicht nur den Bauboom der Gründerjahre, sondern auch den steigenden Papierbedarf, der durch die Entwicklung des Ztg.Wesens und der Verpackungsind. hervorgerufen wurde, zu nützen. So ermöglichte einerseits der Einsatz von Drahtwebstühlen neben den bisher verwendeten einfachen Flechtmaschinen im neugebauten Werk in Wien-Mariahilf nicht nur die Belieferung von Haushalten und Baustellen, sondern auch Spezialanfertigungen für Steinbrüche, Bergwerke und andere Ind.Betriebe, andererseits spezialisierte S. das Erzeugungsprogramm auch auf den Bedarf von Papierfabriken, indem er Papiermaschinensiebe (Metalltücher) und eine bes. Art von Filztüchern sowie Bespannungsmaterial für Papier- und Zellulosemaschinen herstellte. Ab den 80er Jahren konnte an weitere Expansion gedacht werden: 1884 erwarb S. von der Ersten Belg.-Österr. Filztuchfabrik deren defizitären Betrieb Wasenbruck (Mannersdorf a. Leithagebirge), den er vergrößern und mit Turbinen ausstatten ließ und bald in die Gewinnzone führen konnte, zwei Jahre später kaufte er eine Fabrik in Prag-Bubna zur besseren Versorgung des böhm. Marktes mit Gittern und Sieben. 1890 wurde die Drahtgewebeherstellung durch den Bau eines Werks in Wien-Favoriten vergrößert. Die Vollendung des notwendig gewordenen neuen Zentralgebäudes für Verwaltung, Lager und Verkauf in Wien-Mariahilf, des ersten Betonskelettbaus der Hauptstadt, erlebte S. jedoch nicht mehr.

L.: N. Fr. Pr., 3. 4. 1902; 125 Jahre Hutter & S. AG. Siebwaren und Filztuch-Fabriken, (1949) (mit Bild); J. Mentschl, Österr. Wirtschaftspioniere, (1959), S. 87ff.; J. Mentschl – G. Otruba, Österr. Industrielle und Bankiers (= Österr.-R. 279–281), (1965), 150ff.; 150 Jahre Hutter & S. AG, 1974; E. Feiner, Entwicklung des Managements und der Organisation einer österr. AG, dargestellt am Beispiel der Fa. Hutter & S., DA, Hochschule für Welthandel, Wien, 1974, S. 2; F. Mathis, Big Business in Österr. 1, 1987, s. Reg.; WStLA Wien.
(J. Mentschl)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 11 (Lfg. 52, 1997), S. 178
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