Schreiber, Alfred (1838-1910), Schauspieler, Sänger, Theaterdirektor und Bildhauer

Schreiber Alfred, Schauspieler, Sänger, Theaterdirektor und Bildhauer. Geb.Wien, 12. 10. 1838; gest. Baden (NÖ), 9. 9. 1910. Sohn eines Theateragenten. S., der ursprüngl. Bildhauer werden wollte, stud. 1854–58 bei Franz Bauer und Karl Radnitzky (beide s. d.) an der Wr. Akad. der bildenden Künste, an der er auch ausstellte, entschied sich 1865 jedoch für den Schauspielerberuf. Nach Debüt in Marienbad (Márianské Lázně) war er an verschiedenen Bühnen der Österr.-ung. Monarchie engagiert, bis er 1871 von Friedrich Strampfer an dessen neueröffnetes Theater nach Wien geholt wurde. 1872–75 war S. Ensemblemitgl. des Theaters a. d. Wien, wo er vorwiegend in Operette, Volksstück und Posse eingesetzt wurde. Kom. Rollen in Operetten Jacques Offenbachs (Menelaus in „Die schöne Helena“) und Karl Millöckers (Ollendorf in „Der Bettelstudent“) gehörten ebenso zu S.s Repertoire wie Raimund- und Nestroyfiguren, aber auch der Leonhardt in der Erstauff. von „Der G’wissenswurm“ von Anzengruber (s. d.), mit dem ihn persönl. Freundschaft verband. Neben anderen Straußrollen („Carneval in Rom“, „Cagliostro in Wien“) kreierte S. den Frosch in „Die Fledermaus“, 1874, der eine seiner Lieblingsrollen wurde. Ab Oktober 1875 als Dir. des Badener Stadttheaters, an dem er bes. das Genre der Operette pflegte, erfolgreich, war er daneben 1878–84 auch Dir. des Stadttheaters in Wr. Neustadt. Nach fünfjähriger Tätigkeit an den Vereinigten Theatern in Graz (1886–91) kehrte S. wieder nach Baden zurück, wo er die Dion. von Theater und Arena bis 1903, dann wieder 1904–08 innehatte. Daneben leitete er auch zeitweise die Bühnen in Ödenburg (Sopron) und Berndorf, spielte selbst und wirkte auch als Regisseur. Nachlaßbestände befinden sich im Rollettmusuem in Baden.

L.: N. Fr. Pr., 8. 4. 1874 und 10. 9. 1914; Badener Bote, 10. und 31. 8. 1895, 17. 9. 1910; Badener Bez.-Bl., 13. 7. 1895; Badener Ztg., 14. 9. 1910; Bénézit; Eisenberg, Bühnenlex.; Kosch, Theaterlex.; Nagl–Zeidler–Castle 3–4, s. Reg.; Thieme–Becker; Ulrich (Theater, Tanz und Musik); Wurzbach (s. u. Schreiber Simon); H. Rollett – P. Tausig, Zur Geschichte des Badener Theaters, 1909, S. 11f.; A. Kobl, Beitrr. zur Chronik des Theaters in Baden (= Badener Bücherei 18), 1928, passim (mit Bildern); F. Hadamowsky – H. Ott, Die Wr. Operette (= Klassiker der Wr. Kultur 2), (1947), S. 144f. (mit Rollenbild); H. Kindermann, Theatergeschichte Europas 7, (1965), S. 208; F. Tomandl, Die Operetten von J. Strauß …, phil. Diss. Wien, 1985, S. 221, 223f., 230f., 233; G. Winkler, Theater in NÖ, Wien o. J., passim (Kat.); Archiv der Akad. der bildenden Künste, Wien.
(E. Fleissner-Moebius)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 11 (Lfg. 52, 1997), S. 186f.
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