Schreiber, David (1874-1942), Politiker und Rechtsanwalt

Schreiber David, Politiker und Rechtsanwalt. Geb. Lemberg, Galizien (L’viv, Ukraine), 8. 1. 1874; gest. ebenda, 1942 (ermordet). Mos. S. entstammte einer orthodoxen jüd. Familie, die eine Reihe von Talmudgelehrten hervorbrachte, und war ab 1911 mit der Vorsitzenden des jüd. Frauenver. in Lemberg, Henryka S., geb. Horowitz, verehel. S., der sich schon im Gymn. an der Gründung einer zionist. Studentengruppe beteiligt hatte, stud. angebl. an der Univ. Wien vorerst Phil., dann Jus (nicht nachweisbar) und besuchte daneben das Wr. Rabb.Seminar. Sein Jusstud. schloß er an der Univ. Lemberg ab. In seiner Hochschulzeit war er Vorsitzender mehrerer zionist. Studentenverbindungen in Wien („Gamal“) und Lemberg („Ognisko“), später verschiedener zionist. Vereinigungen, z. B. „Sjon“ in Lemberg oder des Hebr. Schulver. in Galizien, und gehörte zu den Mitbegründern der galiz. zionist. Bewegung. Ab dem Ende des 19. Jh. war er auch Mitarbeiter bei diversen zionist. Ztg. Galiziens („Przyszłość“, „Wschód“, „Chwila“, „Nowy Dziennik“, „Nasz Przegląd“, „Togblat“) und Polens („Hajnt“, „Moment“), zuweilen auch als Chefred. („Morgen“). Im Ersten Weltkrieg diente er in der österr. Armee, zuletzt als Oblt. Danach übernahm er 1918 den Vorsitz des Jüd. Nationalrates in Lemberg. Hatte S. noch 1907 vergebl. bei den Wahlen zum österr. Reichsrat kandidiert, so wurde er 1922 als zionist. Abg. in den poln. Sejm gewählt, gehörte dort zum Jüd. Klub und wurde in verschiedene Komm., etwa die Verfassungs- oder die Budgetkomm., berufen. Ab 1928 im poln. Senat, befaßte er sich dort bes. mit Fragen des öff. Haushalts. S., der bis 1941 eine Anwaltskanzlei in Lemberg führte, gehörte ab 1928 dem jüd. Gmd.Rat an und wurde 1934 Stadtrat. Er zählte zu den Mitbegründern des Ver. für jüd. Volks- und Mittelschulen in Lemberg und war einige Jahre lang Vors. der Palästinakomm. 1942 wurde S. durch Angehörige der dt. Besatzungsmacht ermordet.

L.: Enc. Jud. (s. u. Lvov); PSB; Kto był kim w Drugiej Rzeczypospolitej, red. von J. M. Majchrowski u. a., 1994, S. 546 (mit Bild); New Enc. of Zionism and Israel, hrsg. von G. Wigoder, 2, 1994; UA Wien.
(A. L. Staudacher)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 11 (Lfg. 52, 1997), S. 188f.
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