Schreiber, Josef d. J. (1835-1907), Glasfabrikant

Schreiber Josef d. J., Glasfabrikant. Geb. Charwath, Mähren (Charváty, Tschechien), 8. 3. 1835; gest. Großullersdorf, Mähren (Velké Losiny, Tschechien), 17. 11. 1907. Sohn eines Tischlers, Neffe des Vorigen, Cousin von Eduard (s. d.) und Max Göpfert. S. trat 1847 nach Absolv. der Volksschule in die Glashandlung seines Onkels in Wien als Lehrling ein. Ab 1852 wurde er auf Einkaufsreisen in die böhm. Glasmacherbez. geschickt und erwarb sich hier – speziell im Betrieb seines späteren Schwiegervaters Franz Gerhardt – techn. Kenntnisse in der Erzeugung und Veredelung von Hohlglas. Diese sollten ihm insbes. bei der ihm von seinem Onkel 1857 übertragenen Leitung der fürstl. Liechtenstein. Glasfabrik in Großullersdorf zugute kommen. Während S. hier die Erzeugung von Tafel- und Hohlglas forcierte, das man bald auch nach England und Amerika exportieren konnte, wurde in den zwei Jahre später gepachteten Glashütten im mähr.-slowak. Grenzgebiet mit der Herstellung von Lampenzylindern sowie Füßen und Schirmen für Petroleumlampen begonnen, die sich bald auf dem Weltmarkt durchsetzten. In den folgenden Jahrzehnten wurde die 1865 von S. gem. mit seinen Cousins übernommene Fa. „J. Schreiber & Neffen“ (mit Hauptsitz in Wien) durch Errichtung bzw. Kauf oder Pachtung weiterer Hütten in Böhmen, Mähren und der Slowakei, aber auch im Dt. Reich ständig vergrößert und durch den Ankauf von Braunkohlengruben zur Sicherung des Brennstoffbedarfs zu einem Konzern erweitert, der hochwertiges Farbglas, Kristall- und Beleuchtungsglas produzierte, auf internationale Märkte exportierte und bei sämtl. Großausst. präsent war. S. war ständig um techn. Innovationen bemüht, so führte er 1883 in Österr. die Herstellung von Preßglas ein und verwendete 1893, ebenfalls als erster, einen Pantographen zur Verzierung von Gläsern. 1890 erwarb S. eine Adelsherrschaft in Lednické Rovne (Lednicróna), die er in ein landwirtschaftl. Mustergut umwandelte. Auf einem Tl. des Grundstücks errichtete er 1892 eine weitere Glasfabrik mit Wohnungen und vorbildl. Sozialleistungen für die dort Beschäftigten. 1897 wurde das Unternehmen, das inzwischen zu den bedeutendsten der österr. Glasind. gehörte, in eine AG, die „Glashüttenwerke vorm. Schreiber & Neffen“, umgewandelt, der S. bis an sein Lebensende als Präs. vorstand.

L.: N. Fr. Pr., 19., Fremden-Bl., 20. 11. 1902; H. Heller, Mährens Männer der Gegenwart 4, 1890; Central-Bl. für Glas-Ind. und Keramik … 17, 1902, S. 942f., 947; Slowak. Glashüttenwerke vormals J. S. & Neffen AG. Lednické Rovne, Slowakei, 1892–1942, (1942), passim (mit Bild); WStLA Wien; Mitt. Rupert Schreiber, Schönaich, Baden-Württemberg, Deutschland.
(J. Mikoletzky)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 11 (Lfg. 52, 1997), S. 195
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