Schreier, Theodor (1873-[nach dem 21.5.] 1943), Architekt

Schreier Theodor, Architekt. Geb. Wien, 8. (9.) 12. 1873; gest. KZ Theresienstadt (?) (Terezín, Tschechien), nach dem 21. 5. 1943. Sohn des Kaufmanns Moriz S., Vater von Otto S. (s. d.); mos. S. stud. nach dem Besuch der Oberrealschule 1891–96 an der Techn. Hochschule in Wien Hochbau (1894–96 erhielt er das Bgm.Stipendium) und schloß 1897 mit Ausz. ab. 1898 wurde er der Militär-Bauabt. Krakau zur 6monatigen Probedienstleistung zugeteilt, 1899 zum Militär-Bauing.Ass. ernannt, Ende 1899 in der Res. bei der Militär-Bauabt. in Sarajewo. Ab ca. 1899 bis 1906 war S. Gesellschafter des Ateliers Ernst Lindner & Th. S. in Wien. In dieser Zeit beteiligte er sich mit seinem Partner an mehreren Ausschreibungen, so u. a. für eine Realschule in Teplitz-Schönau (Teplice), für ein Anstaltsgebäude der mähr.-schles. wechselseitigen Versicherungsanstalt in Brünn (Brno) und insbes. für den Bau einer Synagoge in Triest (Trieste). Der von Lindner und S. dafür eingereichte Plan erhielt einen der beiden zweiten Preise, welche an Stelle des nicht verteilten ersten Preises verliehen wurden. S., der von ca. 1907 bis 1933 in Wien ein eigenes Architekturbüro besaß, wurde 1911 zur Teilnahme an der Ausschreibung für den Bau der Synagoge in St. Pölten eingeladen. Sein 1912 eingereichter Entwurf wurde nach einigen Änderungen von der Kultusgmd. akzeptiert, 1913 wurde die Synagoge, die er gem. mit Viktor Postelberg errichtet hatte, eröffnet. Der Bau verbindet vom Klassizismus geprägte Fassadengestaltung mit einer neobarocken Zentralkuppel und gehört wohl zu den bedeutendsten Synagogenbauten Österr. 1897 wurde S. Mitgl. des Österr. Ing.- und Architekten-Ver. und war später Vorstand des techn. Büros der Österr. Creditanstalt für Handel und Gewerbe.

W. (tw. gem. mit E. Lindner): Cholera-Notspital, 1899 (Kraków); Villa, 1903 (Wien XIX.); Wohnhaus des Korpskmdt., 1904 (Sibiu); Amts- und Wohngebäude der israelit. Kultusgmd., 1905 (Bielsko-Biała); Landhaus, 1907 (Hadersdorf-Weidlingau, Wien XIV.); Volks- und Bürgerschule (Skoczów); usw.
L.: Der Bautechniker 23, 1903, S. 1f., 25, 1905, S. 341, 29, 1909, S. 933; Wr. Bauind.-Ztg. 22, 1904, S. 71ff., 23, 1905, S. 99f.; K. Gutkas, St. Pölten in alten Fotografien.Die Zeit vor 1914, 1979, S. 48; K. M. Kisler, in: NÖ Kulturberr., September 1981, S. 10f.; K. Gutkas, ebenda, Mai 1984, S. 11; W. Kitlitschka, Historismus und Jugendstil in NÖ, 1984, S. 74f.; ders., in: Kult und Kultur des österr. Judentums, St. Pölten 1984, S. 14 (Kat.); K. Gutkas, ebenda, S. 8ff.; P. Genée, Synagogen in Österr., 1992, S. 75; IKG, KA, Archiv der Techn. Univ., WStLA, alle Wien; Stadtarchiv St. Pölten, NÖ; Mitt. Georg Wacha, Linz, OÖ.
(Ch. Gruber)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 11 (Lfg. 52, 1997), S. 203
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