Schreiner, Em(m)erich von (1867-1937), Advokat und Funktionär

Schreiner Em(m)erich von, Advokat und Funktionär. Geb. Graz (Stmk.), 21. 7. 1867; gest. ebenda, 4. 9. 1937. Enkel des Gustav Franz Xav. v., Sohn des Moriz v. S. (beide s. d.), Bruder des Friedrich Karl Gustav v. S. (s. u.), Neffe des Adolf v. und des Gustav Frh. v. S. (beide s. d.). Stud. 1887–90 an der Grazer Univ. Jus, 1892 Dr. jur. 1900 Advokat, übernahm er im selben Jahr die Kanzlei seines Vaters und bekleidete bald Funktionen in der Stmk. Advokatenkammer: 1907 Ausschußmitgl., 1909 Mitgl. des Disziplinarrats, 1922 Anwaltsrichter, 1923 Vizepräs.; 1934–35 war er auf lange Zeit der letzte gewählte Präs. der stmk. Rechtsanwaltskammer. S. war als Standesvertreter wie als Jurist hoch angesehen und galt insbes. auf dem Gebiet des Versicherungswesens als Berater ersten Ranges, u. a. fungierte er ab 1906 (als Nachfolger seines Vaters) als Rechtskonsulent der Wechselseitigen Brandschadens-Versicherungsanstalt in Graz. Auch auf dem Gebiet des Verkehrswesens und des Eisenbahnrechts war S. verdienstvoll tätig, u. a. ab 1918 nach seinem Vater als Präs. des Verwaltungsrats der Grazer Tramway-Ges. Weiters war er (ebenfalls als Nachfolger seines Vaters) ab 1911 Präs. der Brüder Reininghaus AG; ab 1933 fungierte er als Verwaltungsrat, ab 1935 als Präs. der Druckerei- und Verlags-AG „Leykam“. S. war auch eine wichtige Persönlichkeit des Musiklebens in der Stmk. Theoret. – er war Schüler Mayer-Remys (s. Mayer Wilhelm) und F. v. Hauseggers (s. d.) – und prakt. vorzügl. geschult, war er ab 1896 Konzertreferent, 1913–23 2. Vizepräs., dann bis zu seinem Tod Präs. des Musikver. für Stmk. Sein Bruder Friedrich (Fritz) Karl Gustav v. S. (geb. Graz, 22. 7. 1863; gest. Dresden, Sachsen/Deutschland, 9. 3. 1910) stud. zwei Jahre an der Grazer Univ. Jus, spielte aber, musikal. hochbegabt, schon seit seinem 16. Lebensjahr im Orchester des Landestheaters, an dem er 1885–86 als 3. Kapellmeister und Korrepetitor angestellt war. Von seinem engen Freund Ernst v. Schuch 1886 als Korrepetitor ans Dresdner Hoftheater berufen, übernahm S. zunächst auch kleinere Dirigieraufgaben, ab 1893 leitete er den Chor als Musikdir. Er leitete v. a. die Auff. der Spieloper, wurde aber oft auch als Einspringer für die Große Oper eingesetzt. Seine musikal. Präzision, seine Verläßlichkeit und sein beispielhafter Arbeitseifer machten ihn für den tägl. Opernbetrieb unentbehrl. Ab 1887 lehrte er auch am Dresdner Musikkonservatorium.

L.: Tagespost (Graz), 5. und 7. (Abendausg.) 9. 1937; Suppan; Oesterr. Anwalts-Ztg. 14, 1937, S. 331f.; Nachrichtenbl. der österr. Rechtsanwaltschaft … 10, 1937, S. 55; H. Kaufmann, Eine bürgerl. Musikges., (1965), S. 169; S. Pöschl, Für Ehre und Ansehen. Geschichte der Stmk. Rechtsanwaltskammer, 1990, S. 23, Manuskript, Ausschuß der Stmk. Rechtsanwaltskammer, Graz, Stmk.; UA Graz, Stmk. – Friedrich K. G. v. S.: Grazer Tagbl., 10. und 11., Tagespost (Graz), 10. (Abendausg.)–12. 3. 1910; Suppan (s. u. Schreiner Emerich v.); A. Kohut, Das Dresdner Hoftheater in der Gegenwart, 1888, S. 399; H. v. Brescius, Die Kgl. Sächs. musikal. Kapelle … (1826–98), 1898, S. 64; B. Wildberg, Das Dresdner Hoftheater in der Gegenwart, 1902, S. 221; Neuer Theater-Almanach 22, 1911, S. 170; P. Adolph, Vom Hofzum Staatstheater, 1932, S. 46, 139; UA Graz, Stmk.
(H. Reitterer)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 11 (Lfg. 52, 1997), S. 205f.
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