Schreiner, Johann Nep. (1766-1826), Brauereiunternehmer

Schreiner Johann Nep., Brauereiunternehmer. Geb. Regen-Schollenried, Bayern (Deutschland), 13. 5. 1766 (Taufdatum); gest. Salzburg (Sbg.), 23. 6. 1826. Bauernsohn, Vater des Folgenden. 1798 fand S. in der sbg. Hofbrauerei zu Kaltenhausen (Hallein) zunächst eine Anstellung als Kupferschmied, wurde jedoch dann im Bereich des Brauwesens eingesetzt, das er in der Mälzerei, im Sudhaus und in der Kellerei von Grund auf erlernte und worin er es bis 1802 zum Braumeister brachte. Ab 1804 war S. als Malzmeister mit der Leitung der im Schloß Rif untergebrachten und zum Hofbräuhaus Kaltenhausen gehörigen Malzdarre betraut. Anläßl. des Verkaufs der Brauerei Kaltenhausen an Maria Leopoldine v. Bayern wurde S. 1815 nach 18 Dienstjahren frühzeitig als kgl.-bayer. Hofbraumeister in Pension versetzt, führte jedoch seine 1804 erlangte Konzession für Bier-, Branntwein- und Weinausschank im Schloß Rif, die 1807 um ein Auskochungsrecht erweitert worden war, als Privater bis 1818 fort. Schließl. erwarb er 1819 die zuvor von ihm gepachtete Stieglbrauerei in der Gstättengasse in Salzburg und begann sogleich mit der Modernisierung dieser seit 1492 bestehenden Privatbrauerei, u. a. durch Vergrößerung der Sudpfanne. Dem vermehrten Bierausstoß trug er durch die Einrichtung von Bierlagerkellern in einem angekauften Haus in der Festungsgasse Rechnung. Während der Sommermonate schenkte S. in dem dazugehörigen Garten Kellerbier aus und legte damit den Grundstein für den als „Stiegl-Keller“ heute noch bestehenden Gastwirtschaftsbetrieb. Nicht zuletzt gestaltete er das Bräugasthaus in der Gstättengasse zu einem angesehenen Gast- und Beherbergungsunternehmen um. S. war ab 1806 mit Katharina, geb. Geißler, ab 1819 mit Anna, geb. Holzegger, verehel. Nach S.s Tod wurde der Betrieb von seiner Witwe, Anna S., weitergeführt, die 1833 den Braumeister Franz Haindl heiratete und gem. mit diesem weitere baul. Ausgestaltungen vornahm.

L.: Sbg. Nachrichten, 22. 2. 1992; J. Eder, in: Stieglkeller Salzburg. Wiedereröffnung … 17. 5. 1926, (1926), S. 6ff.; ders., in: Alpenländ. Automobilztg. 3, 1929, H. 7; W. Schobersberger, Wirtschaftsgeschichtl. Stud. der Entwicklung der Stieglbrauerei im Rahmen einer kurzen Geschichte des Brauwesens in Österr., DA Innsbruck, 1948, S. 17ff.; H. Waitzbauer, in: 500 Jahre Salzburger Stiegl-Bier 1492–1992, S. 37 (Bild von Anna S.), 69ff., 140 (mit Literaturverzeichnis); Die Geschichte der Stiegl-Brauerei in Salzburg 1404–1901, o. J.; Konsistorialarchiv, Sbg. LA, beide Salzburg, Pfarramt Grödig, alle Sbg.; Archiv des Bistums Passau, Passau, Deutschland.
(U. Engelsberger)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 11 (Lfg. 52, 1997), S. 209f.
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