Schrenzel, Moses (1838-1912), Gutsbesitzer und Publizist

Schrenzel Moses, Gutsbesitzer und Publizist. Geb. Lemberg, Galizien (L’viv, Ukraine), 1838; gest. ebenda, 18. 3. 1912. Mos. S., der aus einer orthodoxen jüd. Familie stammte, befaßte sich in den 70er Jahren des 19. Jh. publizist. zunächst mit wirtschaftl. Fragen. Polit. stand er in dieser Zeit dem liberalen Ver. „Schomer Israel“ nahe, der in Lemberg und später in Wien die Ztg. „Der Israelit“ hrsg. Die Pogrome in Rußland zu Beginn der 80er Jahre bewirkten bei S. – bis dahin Anhänger des Emanzipationsprozesses – ein Umdenken, das 1881 in seiner program-mat. Schrift „Die Lösung der Judenfrage“ und in einem im selben Jahr dazu erschienenen Nachtrag zum Ausdruck kam. Diese beiden Schriften, in denen er sich für ein autonomes jüd. Gemeinwesen in Nordamerika einsetzte, riefen sowohl bei den Assimilatoren als auch bei den Zionisten Widerspruch hervor. Später revidierte er seine Ansichten und gründete in Lemberg einen „Kreuzerverein“, dessen Mitgl. sich mit tägl. zurückgelegten Kreuzern den Ankauf von Land in Palästina, das gemeinschaftl. bewirtschaftet werden sollte, zum Ziel gesetzt hatten. Allerdings konnte dieser Ver. sein Vorhaben nie umsetzen. Sein beachtl. Vermögen von 25.000 Kronen stiftete S. zur Unterstützung unbemittelter Mädchen.

W.: Beitr. zur Lösung der Bankfrage mit Berücksichtigung der gegenwärtigen volkswirtschaftl. Verhältnisse der österr.-ung. Monarchie, 1876; Die Lösung der Judenfrage. Allen Angehörigen des jüd. Stammes zur Beherzigung, 1881; Nachtrag zur Broschüre „Die Lösung der Judenfrage“, 1881; Die Valutaregulirung vor dem Reichsrathe, 1892.
L.: Enc. Jud.; N. M. Gelber, Toledot ha-tenua ha-tsionit be-Galitsiya – History of the Zionist Movement in Galicia 1875–1918, 1–2, 1958–75, s. Reg.
(A. L. Staudacher)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 11 (Lfg. 52, 1997), S. 217f.
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