Schretter, Josef (1856-1909), Maler

Schretter Josef, Maler. Geb. Inzing (Tirol), 18. 3. 1856; gest. Innsbruck (Tirol), 18. 3. 1909. Sohn eines Lehrers und Organisten. S. begann 1867 eine Schnitzlehre in Thaur und wechselte 1868 an die Kunstgewerbeschule nach Innsbruck, die mit einer Oberrealschule verbunden war, wo er bis 1872 stud. 1873/74 arbeitete er als Gehilfe beim Historienund Kirchenmaler F. Plattner (s. d.). Im selben Jahr ging er nach Wien an die Akad. der bildenden Künste, wo er, zunächst als Gasthörer, bis 1878 bei K. Mayer, Griepenkerl und A. Eisenmenger (alle s. d.) Allg. Malerschule, Porträt bei K. v. Blaas (s. d.) stud.; 1878–79 frequentierte er die Spezialschule für Historienmalerei bei Leopold Karl Müller (s. d.). 1881 unternahm S., gem. mit Müller, eine Stud.Reise an den Gardasee, nach Mailand und 1882 nach Florenz, 1883 Aufenthalt in Rom und Neapel, 1884/85 auf Capri, anschließend besuchte er Tunis. 1886–90 war S. in München v. a. als Porträtist tätig, ab 1891 in Innsbruck ansässig; 1898/99 hielt er sich für Porträtaufträge in Schwerin, Berlin und Düsseldorf auf. In Anerkennung seiner Leistungen wurde ihm 1899 der Großhgl. Mecklenburg-Schwerinsche Prof.-Titel verliehen. 1907 übernahm S. das Felsburgsche Atelier des Innsbrucker Malers Edmund v. Wörndle. Zu seinen Hauptwerken zählen Porträts vornehml. aus der fürstl. und bürgerl. Gesellschaft (in Öl und später in Pastell), die von den Licht- und Farbeindrücken der Italienund Tunisreisen geprägt sind. Seine Genremotive von Bauernstubeninterieurs zeigen einen maler. Realismus.

W. (z. Tl. Österr. Galerie, Wien; Tiroler Landesmus. Ferdinandeum, Innsbruck; Privatbesitz, Innsbruck; Staatl. Mus. Schwerin): Motive aus Italien (Anacapri) und Tunis, 1883–85; Bauernstube im Kühtai, 1893; Porträts der Innsbrucker Bgm. Falk, 1894, und Wilhelm Greil, 1908; Kronprinzessin Caecilia v. Mecklenburg-Schwerin, 1895; Großhg. Friedrich Franz III. v. Mecklenburg-Schwerin, 1896; Selbstbildnis, 1897; Adolf Pichler, 1900; usw.
L.: Innsbrucker Nachrichten, 24. 3. 1909; Bénézit; Fuchs, 19. Jh.; Thieme–Becker; H. Klein, in: Tiroler Heimatbll. 6, 1928, S. 145ff.; K. Fischnaler, Innsbrucker Chronik 5, 1934; H. Hochenegg, in: Tiroler Heimatbll. 54, 1979, S. 115ff.; G. Pfaundler, Tirol Lex., 1983; G. Ammann, Kat. der Gedächtnisausst. J. S. …, Inzing 1984; ders., in: Franz v. Defregger und sein Kreis, Lienz – Innsbruck 1987, S. 189ff. (Kat.); J. Schärmer, Prof. J. S. (1856–1909). Leben – Werk – Stellung in seiner Zeit, phil. Diss. Innsbruck, 1991 (mit Bild und Werksverzeichnis).
(G. Ammann)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 11 (Lfg. 52, 1997), S. 219
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