Schrödl, Norbert (1842-1912), Maler

Schrödl Norbert, Maler. Geb. Wien, 16. 7. 1842; gest. Kronberg i. Taunus, Hessen-Nassau (Deutschland), 26. 2. 1912. Sohn von Norbert Michael, Bruder von Leopold, Neffe von Anton S. (alle s. d.). S. hielt sich bereits in frühester Jugend, bedingt durch die Reisen seines Vaters, in verschiedenen Städten Europas, so u. a. in Dresden, Karlsbad (Karlovy Vary), Warschau und Moskau auf. Seine ersten künstler. Anleitungen erhielt er 1852 in St. Petersburg durch den russ. Hofmaler Michael v. Zichy. Weitere Reisen mit seinem Vater führten ihn über Dresden und London nach Paris, wo er 1854/55 die Vorbereitungskl. der Kunstakad. besuchte. Aber schon kurz darauf übersiedelte sein Vater nach Frankfurt a. Main, wo S. 1855–58 am dortigen Städel’schen Kunstinst. seine weitere Ausbildung erhielt. Auf späteren Reisen besuchte er Wien (1858–62), Dresden und Köln, wo er seinen ersten Porträtauftrag (Bilder der Familie des Dichters Wolfgang Müller v. Königswinter) ausführte. 1863 zog er zur Vervollkommnung seiner künstler. Techniken in die Kunstmetropole Paris. Nach anfängl. Schwierigkeiten konnte er durch Vermittlung und Protektion des Duc Charles Tascher de la Pagerie viele Aufträge bekommen. 1868 verließ er Paris, nachdem er sich in der Zwischenzeit durch das Stud. der Meisterwerke in belg. und holländ. Galerien künstler. weiterentwickelt hatte, und übersiedelte nach Berlin, wo er bis 1874 blieb. Die polit. Umwälzungen der Jahre 1870/71 wirkten sich positiv für den Künstler aus: Die Neugründung des Dt. Reiches, der Ausbau Berlins zur Hauptstadt eines neuen großen Reiches und damit verbunden der Beginn der „Gründerzeit“, führten zu vielen lukrativen Porträtaufträgen. 1874–76 unternahm er eine ausgedehnte Italienreise und wurde nach seiner Rückkehr derart mit Aufträgen überhäuft, daß er in dieser Zeit gleichzeitig Ateliers in Berlin, Baden-Baden und Frankfurt a. Main unterhielt. 1882 beauftragte ihn K. Wilhelm I. mit einem Porträt der Kn. Augusta. Da dieser Auftrag zur Zufriedenheit ausfiel, ließ sich der K. 1884 gem. mit seiner Gattin in Bad Ems von S. malen. 1887 übersiedelte S. nach Kronberg i. Taunus; in den darauffolgenden Jahren wandte er sich auch den Naturund Tierstud. zu. Bedingt durch die enge Freundschaft mit der in Kronberg ihre Sommeraufenthalte verbringenden K.-Witwe Victoria erhielt S. viele Aufträge aus dem europ. Hochadel. 1894 Prof., 1894–95 Vorsitzender der Frankfurter Künstlergenossenschaft.

W.: zahlreiche Porträts in Privatbesitz des dt. Hochadels, des Städel’schen Kunstinst. (so Adolf Schreyer, Anton Burger, Selbstbildnis mit zwei Hunden) und des Hist. Mus. in Frankfurt a. Main (so Hermann Passavant, Max v. Guaita); Genre-, Landschafts-, Historienbilder und Stilleben.
L.: Fuchs, 19. Jh.; Thieme–Becker; F. v. Boetticher, Malerwerke des 19. Jh. 2/2, 1898; Kunst und Künstler in Frankfurt a. Main im 19. Jh., bearb. von H. Weizsäcker und A. Dessoff, 2, 1909, S. 138; N. S. Ein Künstlerleben im Sonnenschein, zusammengestellt von E. Schrödl (= Frankfurter Lebensbilder 5), 1922 (mit Bild); A. Gehart, A. S., ein Schwechater Künstler, Schwechat 1981, S. 3 (Kat.); Mitt. des Kulturreferats des Magistrats der Stadt Kronberg i. Taunus, und des Magistrats der Stadt Frankfurt a. Main, beide Deutschland.
(A. Gehart)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 11 (Lfg. 53, 1998), S. 236f.
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