Schröter (Schrötter), Mori(t)z (1813-1867), Techniker

Schröter (Schrötter) Mori(t)z, Techniker. Geb. Bielitz, Schlesien (Bielsko-Biała, Polen), 22. 12. 1813; gest. Zürich (Schweiz), 22. 9. 1867. Sohn eines Kaufmanns, Vater von Moritz d. J. und Carl Josef S., Großvater von Ernst Manfred S. (alle s. u.). Nach dem Besuch der Realschule in Lemberg (L’viv) stud. S. 1831–34 Baukunst und Maschinenlehre an der Techn. Abt. des Polytechn. Inst. in Wien und beschäftigte sich danach mehr als zwei Jahre in der Wr. Werkstätte Simon Bollingers mit prakt. Mechanik. 1837–40 war er Ass. bei Adam Frh. v. Burg (s. d.) am Polytechn. Inst. Schon zu dieser Zeit hielt S. Vorträge über Darstellende Geometrie und trug durch seine prakt. Erfahrungen wesentl. zur Schaffung neuer Modelle für das Kabinett der Maschinenlehre am Polytechn. Inst. bei. Er begleitete Burg auch auf dessen techn.- wiss. Stud.Reisen durch Mittel- und Westeuropa, wobei er die für Burgs Reiseberichte und für den Unterricht vorgesehenen Maschinenzeichnungen der besuchten Fabriken verfertigte. 1840–45 war S. Konstrukteur und zuletzt Dir. des Zeichenbüros der Maschinenfabrik Escher & Wyß in Zürich und betrieb ab 1845 als Ass. bei seinem Freund F. Redtenbacher (s. d.) theoret. Stud. an der Polytechn. Schule in Karlsruhe. Danach war er als Leiter des Zeichenbüros, später als techn. Leiter der Lokomotivfabrik von Emil Keßler in Karlsruhe und in der Folge als Obering. in der Keßlerschen Maschinenfabrik in Esslingen tätig. Schließl. wandte sich S. wieder der Lehre zu, unterrichtete 1863–65 als Hauptlehrer für Maschinenkonstruktionen und Entwerfen von Fabriksanlagen an der Polytechn. Schule in Stuttgart und war gleichzeitig Vorstand der Fachschule für Maschinenbau. Ab 1865 lehrte er als Prof. für Zeichnen an der mechan.-techn. Abt. der Eidgenöss. Polytechn. Schule in Zürich als Nachfolger von Franz Reuleaux. S., ein gewinnender Lehrer, vereinigte seiner Bildungslaufbahn gemäß Theorie und Praxis in jener optimalen Weise, die ihn für den Unterricht im Maschinenbau bes. prädestinierte. Auch seine Nachkommen blieben den Naturwiss. verbunden. So war sein Sohn Moritz S. d. J. (1851–1925) Prof. für Theoret. Maschinenlehre an der Techn. Hochschule München, dessen Bruder Carl Josef S. (1855–1939) begründete als Prof. für Botanik an der Eidgenöss. Techn. Hochschule in Zürich die „Zürcher Schule der Pflanzengeographie“, während sich sein Enkel, der Philosoph Ernst Manfred S. (1880–1973), der in München lehrte, bes. der kulturellen Deutung der Technik annahm.

W.: Zeichnungen für Technolog. Enc. oder alphabet. Hdb. der Technol., techn. Chemie und des Maschinenbaus 9, hrsg. von J. J. Prechtl, 1838; usw. – Carl Josef S.: Taschenflora des Alpenwanderers, 19. Aufl. 1926; usw.
L.: W. Oechsli, Geschichte der Gründung des eidg. Polytechnikums mit einer Übersicht seiner Entwicklung 1855–1905. FS zur Feier des 50jährigen Bestehens des eidg. Polytechnikums 1, 1905, s. Reg.; G. Eichelberg – H. Quiby, in: Eidgenöss. Techn. Hochschule 1855–1955, 1955, s. Reg.; Eidgenöss. Techn. Hochschule 1955– 1980. FS zum 125jährigen Bestehen, (1980), S. 615; A. Lechner, in: Das Zeitalter K. Franz Josephs, Schloß Grafenegg 1984, Tl. 1, S. 183 (Kat.); G. Zweckbronner, Ing.Ausbildung im Kg.Reich Württemberg (= Schriften des Landesmus. für Technik und Arbeit 2), 1987, S. 152ff., 248, 261; Archiv der Techn. Univ. Wien.
(A. Lechner)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 11 (Lfg. 53, 1998), S. 243f.
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