Schrott, Christian (1853-1936), Politiker und Priester

Schrott Christian, Politiker und Priester. Geb. Freins, Tirol (Fraina, Italien), 12. 12. 1853; gest. Lagundo/Algund (Italien), 18. 10. 1936. Sohn eines Bauern. S. besuchte das Gymn. in Brixen (Bressanone/Brixen) und absolv. das Theol.Stud. in Trient (Trento), wo er 1876 zum Priester geweiht wurde. Danach zunächst Stud.Präfekt am Knabenkonvikt „Joanneum“ in Bozen (Bolzano/Bozen), besuchte S. 1879 für kurze Zeit das höhere Priester-Bildungsinst. zum Hl. Augustin in Wien, mußte seine Stud. dort jedoch krankheitshalber abbrechen. Danach war er ab 1880 in Villanders (Villandro/Villanders), ab 1886 in Klausen (Chiusa/Klausen) und ab 1888 in Schlanders (Silandro/Schlanders) als Kooperator tätig. Ab 1891 Stadtpfarrkooperator in Bozen, kam er 1894 nach Tramin (Termeno sulla Strada del Vino/Tramin an der Weinstraße), wo er bis 1914 als Dekan die Pfarre leitete und sich bes. Verdienste um den Bau der neuen, 1911 eingeweihten Pfarrkirche erwarb. Daneben war er eifrig bemüht, den wirtschaftl. Aufschwung Tramins zu fördern: 1898 gründete er eine Kellergenossenschaft, daneben war auch die Errichtung einer Raiffeisenkasse und eines Konsumver. seiner Tatkraft zu verdanken. Als Vertreter der Kath.-Konservativen 1901 in den Reichsrat gewählt, gehörte S., der sein bes. Augenmerk den Anliegen der Weinbauern zuwandte, dort dem Zoll- und Weinkulturausschuß an. So gilt er als einer der Schöpfer des 1907 erlassenen Weingesetzes und sprach sich 1908 als Vorstandsmitgl. des im selben Jahr konstituierten Weinbauernbundes für Dt.-Tirol in Bozen vehement gegen die zu dieser Zeit umstrittene Erhöhung der Weinbrandsteuer aus. Polit. in heftigem Widerstreit mit den Christlichsozialen stehend, wurde er bes. von Schraffl (s. d.) immer wieder angegriffen. Beide lieferten sich zahlreiche polit. Auseinandersetzungen, die Spuren in der Tiroler Parteipresse hinterließen. S. wurde etwa von der liberalen „Bozner Zeitung“ und von christlichsozialen Kreisen vorgeworfen, Politik und Seelsorge zu vermengen. Nach Einführung des allg. Wahlrechts 1907 waren die konservativen Tiroler Politiker um eine Verständigung mit den Christlichsozialen bemüht; eine diesbezügl. Aussprache, an der auch S. teilnahm, führte aber trotz Einschaltung des Brixener Fürstbischofs Altenweisel (s. d.) zu keiner Einigung. In der Folge scheiterte S. sowohl bei den Reichsratswahlen 1907 als auch bei den Landtagswahlen 1908. S., ein beliebter Prediger, wurde 1911 vom Trienter Fürstbischof Endrici (s. d.) zum Geistl. Rat ernannt und 1914 mit dem Ritterkreuz des Franz-Joseph-Ordens ausgez. 1914 trat er als Traminer Dekan i. R., fungierte dort noch kurze Zeit als Kooperator, wirkte bis 1924 als Spitalskaplan in Schlanders und danach bis zu seinem Tod als Kaplan im Dominikanerinnenkloster Maria Steinach in Algund.

W.: Die Agitation der Christlichsozialen in Tirol. Separatdruck aus dem „Tiroler Volksblatt“ vom Jahre 1904, 1904; Antwort auf das offene Schreiben des Herrn Abg. von Leys, in: Tiroler Volksbl., n. 68, 1912; usw.
L.: Der Tiroler, 28. 5. 1908; Dolomiten, 19. und 27., Innsbrucker Nachrichten, 20., Tiroler Volksbote, Wr. Ztg., 22. 10. 1936; W. Goldenits, Das höhere Priester-Bildungsinst. für Weltpriester zum Hl. Augustin in Wien …, kath.-theolog. Diss. Wien, 1969, S. 370; R. Schober, in: Tiroler Heimat 38, 1974, bes. S. 161; R. Zwerger, Beitrr. zur Geschichte Tramins, phil. Diss. Innsbruck, 1985, S. 211, 250; J. Fontana, Vom Neubau bis zum Untergang der Habsburgermonarchie … (= Geschichte des Landes Tirol 3), (1987), s. Reg.; Th. Frh. v. Kathrein, hrsg. von R. Schober (= Veröff. des Tiroler LA 7), 1992, s. Reg. und S. 629; F. Kerschbaumer, in: Gmd. Buch Lajen. Raum und Mensch im Wandel der Zeit, 1993, S. 278f. (mit Bild).
(R. Vigl)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 11 (Lfg. 53, 1998), S. 258f.
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