Schubert, (Johann) Joseph (1754-1833), Violinist, Bratschist und Komponist

Schubert (Johann) Joseph, Violinist, Bratschist und Komponist. Geb. Warnsdorf, Böhmen (Varnsdorf, Tschechien), 20. 12. 1754 (Taufdatum); gest. Dresden, Sachsen (Deutschland), 28. 7. 1833. Sohn des Kantors, Schulmeisters und, ab 1760, Gerichtsschreibers Johann Joseph S. S. kam nach erster musikal. Ausbildung bei seinem Vater 1768 nach Prag und erhielt hier Gymn.Unterricht, gleichzeitig Unterweisung in Kontrapunkt und Klavier bei dem auch als Komponisten und Pianisten wirkenden Hofkaplan des Gf. Ludwig Johann (?) Hartig, Paul Fischer. 1778 nahm er noch Unterricht in Berlin bei dem Violinvirtuosen und kgl. preuß. Kammermusiker August Kohn. Wohl durch dessen Vermittlung erhielt S. 1779 eine Stelle als 1. Violinist in der Kapelle des Markgf. Heinrich Friedrich v. Schwedt. Aus unbekannten Gründen verließ er diesen Dienst 1784 und lebte mit seiner zahlreichen Familie vier Jahre ohne sichere Stelle in Dresden. 1788 wurde S. als Bratschist in die Dresdner kgl. Hofkapelle aufgenommen, in der er bis zu seiner Pensionierung 1824 verblieb. 1803 und 1810 hielt er sich längere Zeit in Prag auf, wo er Bekanntschaft mit Dlabacž (s. Dlabacz) schloß und ihm für sein Lex. Informationen zu Biographien von aus den böhm. Ländern stammenden Musikern am Dresdner Hof lieferte. Die Vielzahl der vorliegenden Manuskripte weisen S. als überaus fruchtbaren Komponisten aus, dessen geistl. Werke insbes. der Dresdner kath. Hofkirchenmusik zuzuordnen sind. Stilist. steht er der Wr. Klassik sehr nahe, mehrere viersätzige große Symphonien nach der Art J. Haydns fanden die Anerkennung seiner Zeitgenossen.

W.: Konzert C-Dur für Viola und Orchester, Erstdruck, hrsg. von K. Schultz-Hauser, 1967. – Meist Manuskripte: ca. 22 Messen; Rosalie, uraufgef. Berlin 1777 (Oper); Der italien. Garkoch zu Genua, uraufgef. Berlin 1777 (Oper); Die Landplage, uraufgef. Schwedt 1781 (Oper); Die Entzauberung, uraufgef. Schwedt 1781 (Oper); Die beiden Galeerensklaven, uraufgef. Dresden 1823 (Melodram); Symphonien; 12 dt. Tänze für Orchester; Parthien für 11 Blasinstrumente; Harmonie-Suiten für 9 Instrumente; zahlreiche Konzerte für Violine, Viola, Violoncello, Flöte, Oboe, Klarinette, Fagott, Horn; 2 Doppelkonzerte für Flöte und Violine bzw. 2 Flöten; Duos für Flöte und Violine; Sonaten für Klavier und Violine; Sonaten für Klavier; usw.
L.: ADB; Bernsdorf–Schladebach; Eitner; Grove, 1980; Wurzbach; G. J. Dlabacž, Allg. hist. Künstler-Lex. für Böhmen … 3, 1815; E. L. Gerber, Hist.-biograph. Lex. der Tonkünstler und Neues hist.-biograph. Lex. der Tonkünstler, hrsg. von O. Wessely, 3, 1966, 2, 1977; K. Schultz-Hauser, Vorwort, in: J. S., Konzert C-Dur für Viola und Orchester, Erstdruck 1967; F. Stieger, Opernlex. 2/3, 1978; Répertoire Internationale des Sources Musicales, R. A/I, 8, 1980, S. 2258ff.; Z. Pilková, in: Hudební věda 32, 1995, S. 364ff.; Mitt. Vlasta Reittererová, Praha, Tschechien.
(T. Fuchs – Z. Pilková)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 11 (Lfg. 53, 1998), S. 275
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