Schücker, Karl (1836-1917), Politiker und Advokat

Schücker Karl, Politiker und Advokat. Geb. Pilsen, Böhmen (Plzeň, Tschechien), 27. 12. 1836; gest. Reichenberg, Böhmen (Liberec, Tschechien), 15. 12. 1917. Sohn eines Kreiskoär., Bruder des Folgenden. Nach Besuch des Gymn. in Saaz (Žatec) und Prag absolv. er die jurid. Stud. in Prag (1859 Dr. jur.), verbrachte die ersten Berufsjahre im Staatsdienst u. a. am Prager Landesgericht sowie an Gerichten in Innerböhmen und Eger (Cheb) und wirkte seit 1869 in Reichenberg als Landesadvokat. Gem. mit Heinrich Prade (s. d.) war er der wichtigste Exponent der „jüngeren“ deutschnationalen Richtung in Reichenberg, in zahlreichen deutschliberalen Ver. aktiv, war 1882 Mitbegründer des „Deutschnationalen Vereins für Reichenberg“ und 1885 an der Gründung der Reichenberger „Deutschen Volkszeitung“ beteiligt. 1872–75 Mitgl. der Stadtvertretung, wurde er 1885 zum stellv. und 1886 zum Bgm. von Reichenberg gewählt. In seine Amtszeit fallen u. a. Beschluß und Planung für das neue Rathaus sowie die Ausrüstung der Polizei nach preuß. Vorbild. Die Verschärfung des Konflikts zwischen Dt.-Liberalen und Dt.-Völkischen gab der Statthalterei im Oktober 1892 die Möglichkeit, S. und die ganze Selbstverwaltung der Stadt wegen Eigenmächtigkeiten beim amtl. Sprachengebrauch und wegen antitschech. Maßnahmen des Amtes zu entheben und eine Wiederwahl zu verhindern. Trotzdem fungierte er 1894–97 wieder als Stadtrat und 1896 als Rechtsvertreter der Stadt. Ab 1886 im böhm. Landtag für die Stadt Reichenberg, gehörte S. der Dt. Nationalpartei an, spaltete sich aber gem. mit anderen 1895 ab und formierte mit diesen die radikaler eingestellte Dt. Volkspartei, als deren Obmannstellv. er fungierte. Während der Badeni-Krise zählte er zu den führenden deutschsprachigen Politikern und nahm zeitweise an den böhm. Ausgleichsverhh. teil. Seit dessen Gründung 1894 Obmann (ab 1909 Ehrenobmann) des Bundes der Dt. in Böhmen, zog er sich 1912/13 aus Beruf und Politik zurück.

L.: Bohemia (Abendausg.), 18. 12. 1917; Dt. Volksztg., Reichenberger Ztg, 19. 12. 1917; Egerländer Biograf. Lex.; Almanach sněmu království Českého (1895–1901), hrsg. von M. Navrátil, 1896 (mit Bild); Reichenberg in der Zeit der Selbstverwaltung vom Jahre 1850–1900, 1902, S. 59ff., 78; A. F. Ressel, Heimatskde. des Reichenberger Bez. 1, 1903–04, S. 569, 572, 651; Bundes-Kal. für … 1907 (1917), hrsg. vom Bund der Dt. in Böhmen, zusammengestellt von H. R. Kreibich, 12, 1907, S. 96f., 22, 1917, S. 107f. (jeweils mit Bild); G. Kolmer, Parlament und Verfassung in Österreich 6–8, 1910–14, s. Reg.; Mitt. des Ver. für Heimatkde. des Jeschken-Isergaues 12, 1918, S. 32; V. Lug, Heimatkde. des Kr. Reichenberg (= Sudetenland 4), 1938–40, S. 234f.; Pilsen. Heimatstadt seiner dt. Bewohner …, bearb. von A. Herzig, 1978, S. 101; L. Bílková u. a., Liberecká radnice, 1993, S. 93 (mit Bild); L. Höbelt, Kornblume und Kaiseradler. Die deutschfreiheitl. Parteien Altösterr. 1882–1918, 1993, s. Reg.; M. Lišková, Slovník představitelů zemské samosprávy v Čechách 1861–1913, 1994; Collegium Carolinum, München, Deutschland.
(R. Luft)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 11 (Lfg. 53, 1998), S. 287f.
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