Schüler, Friedrich Julius (1832-1894), Eisenbahnexperte und Fremdenverkehrspionier

Schüler Friedrich Julius, Eisenbahnexperte und Fremdenverkehrspionier. Geb. Buchsweiler, Elsaß (Bouxwiller, Frankreich), 27. 2. 1832; gest. Mödling (NÖ), 29. 5. 1894. Nach Stud. in Paris und Heidelberg (nicht nachweisbar) war S. zunächst in der elsäß. Wirtschaft tätig, übersiedelte jedoch 1855 im Zuge der Anstellung von französ. Staatsbürgern durch die neugegründete Staatseisenbahnges. nach Wien. Zunächst dort als Generalinsp. des kommerziellen Betriebes tätig, trat er 1861 als Generalinsp. zur Südbahnges. über. 1865 Vorstand, wurde er 1869 Dir. der kommerziellen Abt. und übernahm 1871 als Betriebsdir. auch die Leitung des Verkehrsdienstes, wobei er bes. als Tarifexperte hervortrat. Ab 1877 stellv., ab 1878 Generaldir., bemühte er sich um die Sanierung und Konsolidierung dieser zum damaligen Zeitpunkt in finanziellen Schwierigkeiten befindl. größten österr. Bahnges.; so gelang es ihm u. a. die Tarifkonflikte mit anderen Bahnges. beizulegen. Um die stark vom Personenverkehr abhängige Südbahnstrecke attraktiver zu gestalten, förderte er den aufkommenden Fremdenverkehr, indem er den Bau moderner Hotels in Toblach und am Semmering, den er den Wienern als Luftkurort zugängl. machen wollte, initiierte. Bes. Verdienste erwarb sich S. – neben Leopold Schrötter v. Kristelli und Billroth (beide s. d.) – um den Ausbau des Dorfes Abbazia (Opatija) zum mondänen Kurort. Ab 1883 ließ die Südbahn-Ges. dort mehrere Hotels und Villen errichten, deren Gartenanlagen vom Dir. der Wr. Gartenbauges., Carl Schubert, angelegt wurden. Unter S.s Leitung trat die Südbahnges. nicht nur als Impulsgeberin für den Fremdenverkehr hervor, sondern sie setzte auch neue Akzente im Lokalbahnwesen. So erkannte S., der seinen Wohnsitz in Mödling hatte, die Möglichkeiten, die sich durch die Erweiterung der Stadt unter Bgm. Schöffel (s. d.) ergaben und setzte sich für die Errichtung der ersten permanent betriebenen elektr. Bahn Europas, die von Mödling in die Hinterbrühl führte und deren erstes Teilstück 1883 eröffnet wurde (Fertigstellung 1886), ein. Die von ihm postulierte Erg. der Hauptlinien durch die Anlage von Lokalbahnen (etwa Spielfeld-Radkersburg oder Liesing-Kaltenleutgeben) erwies sich jedoch später als Fehlkalkulation, ebenso wie es ihm nur unzureichend gelang, das Unternehmen auf eine bessere wirtschaftl. Basis zu stellen. 1884 nahm S. die österr. Staatsbürgerschaft an, wurde als lebenslängl. Mitgl. ins Herrenhaus berufen und schloß sich dort der Mittelpartei an. In Abbazia wurde ihm postum ein Denkmal errichtet.

W.: Abh. über die Organisirung des Eisenbahn-Stationsdienstes und des Prämiensystems, 1862; Über die Erbauung von Local-Bahnen in Oesterr., 1867; Die Tarife in ihrer Beziehung zum Konzessionswesen der Eisenbahnen in Österr.-Ungarn, 1870; Die Südbahn im Jahre 1880; usw.
L.: N. Fr. Pr., 29. (Abendausg.) und 30. 5., Mödlinger Bez.-Bote, 3. 6. 1894; Wr. Ztg., 6. 6. 1954; Hahn, 1885, 1891; Die Actie 4, 1873, n. 148, S. 1435 (mit Bild); Mitth. des Dt. und Oesterr. Alpenver. 20, 1894, S. 138; Oesterr. Eisenbahn-Ztg. 17, 1894, S. 193; Z. für Eisenbahnen und Dampfschiffahrt 7, 1894, H. 23, S. 361f.; Beschreibender Kat. des K. k. hist. Mus. der österr. Eisenbahnen, 1902, S. 343ff.; M. Hohn – D. Stanfel – H. Figlhuber, Mödling-Hinterbrühl. Die erste elektr. Bahn Europas für Dauerbetrieb, 1983, S. 19, 22; G. M. Dienes, in: Die Südbahn, (1987), S. 265, 267; W. Kos, Das Panhans. Aus dem Leben eines großen Hotels, (1988), S. 34; Die Eroberung der Landschaft, hrsg. von W. Kos, Schloss Gloggnitz 1992, bes. S. 310f. (Kat.); A. Pozdena-Tomberger, Die Kurorte und Seebäder an der österr. Riviera, phil. DA Wien, 1992, S. 72, 74ff., 78, 86; H. Dietrich, Die Südbahn und ihre Vorläufer, (1994), S. 52; MA 61, AVA, beide Wien.
(P. Mechtler)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 11 (Lfg. 53, 1998), S. 289f.
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