Schürer von Waldheim, Anton (Heinrich Ludwig Peter); später nur von Waldheim (1830-1899), Apotheker

Schürer von Waldheim Anton (Heinrich Ludwig Peter), nannte sich später nur „von Waldheim“, Apotheker. Geb. Wien, 24. 2. 1830; gest. ebenda, 13. 8. 1899. Sohn des Apothekers Karl S. v. W., Bruder des Rudolf S. v. W. (s. d.), Vater von Anton (Johann Ferdinand) S. v. W. (s. u. Max S. v. W.), Fritz und Max S. v. W. (beide s. d.) sowie der Helena S. v. W. (s. u.), Schwager F. v. Hebras (s. d.). Begann nach Absolv. des Akadem. Gymn. 1846 die Lehre in der väterl. Apotheke, besuchte daneben aber die phil. Jgg. an der Univ. Wien, stud. nach Ablegung der sog. Tirocinalprüfung vor dem Wr. Apotheker-Hauptgremium ab 1853 Pharmazie an der Univ. Wien und wurde 1855 Mag. pharm. Anschließend praktizierte er in Dresden, Paris sowie London und übernahm 1856 die väterl. Apotheke „Zur Goldenen Krone“, die er bis zu seinem Tod führte. Zudem stets um die Belange des Apothekerstandes bemüht, setzte er sich für dessen wirtschaftl., soziale und wiss. Interessen in den verschiedenen Fachvertretungen ein. Im Rahmen des Allg. österr. Apotheker-Ver. fungierte er ab 1867 als Kassier, ab 1870 als Oberdir.Stellv., 1892–98 als Oberdir., beim Wr. Apotheker-Hauptgremium, 1869–97 als Vorsteher und damit auch als Vorsitzender der Tirocinalprüfungskomm. 1867 vertrat er das Wr. Gremium bei der Enquetekomm. zur Regelung des Militärapothekenwesens und gehörte 1868/69 bzw. 1888/89 der Komm. zur Ausarbeitung der 6. und 7. Aufl. der österr. Pharmakopöe an. 1885 legte er dem Internationalen Pharmazeut. Kongreß in Brüssel einen von ihm verf. Entwurf zur Vereinheitlichung der pharmazeut. Nomenklatur sowie der Beschaffenheit starkwirkender Medikamente vor. Zur allg. Einführung einer internationalen Pharmakopöe kam es zwar nicht, aber seine Vorschläge fanden bald Eingang in die Pharmakopöen einiger europ. Länder. Ab 1889 vertrat er die Apotheker als ao. Mitgl. im Obersten Sanitätsrat und stand auch den Sozialinstitutionen vor, wie dem Apotheker-Unterstützungsver. Hygiea, dem Pharmazeut. Krankeninst. Hygiea sowie dem Pharmazeut. Pensionsinst., zu deren Gründung er maßgebl. beigetragen hatte. Ferner fungierte er als Gastprüfer bei den pharmazeut. Rigorosen und machte sich u. a. um Laboratorium sowie Gründung und Ausgestaltung der Nahrungsmitteluntersuchungsanstalt des Ver. verdient. S. hinterließ fünf Kinder, von denen ein Sohn Mediziner, zwei ebenfalls Pharmazeuten waren, während die beiden Töchter Pharmazeuten geheiratet hatten. Die Apotheke ging 1912 in fremden Besitz über. Für seine Verdienste im In- und Ausland ausgez., wurde er Ehrenmitgl. zahlreicher pharmazeut. Vereinigungen Europas sowie der nordamerikan. Apothekerges. und nach seinem Rücktritt im Apotheker-Hauptgremium sowie im Allg. österr. Apothekerver. Ehrenpräs. bzw. -dir. dieser Vereinigungen. S. verkörperte eine der hervorragendsten Persönlichkeiten des österr. Apothekerstandes, der die Geschicke dieses Berufszweiges in der zweiten Hälfte des 19. Jh. wesentl. mitbestimmte. Seine Tochter Helena S. v. W., (geb. Unterdöbling, NÖ/Wien, 27. 8. 1859; gest. ebenda, 30. 9. 1908) war mit dem St. Petersburger Apotheker Alexander Forsmann verehel., kehrte nach dessen Tod nach Wien zurück und beteiligte sich an der Führung der Familienapotheke. Sie erwarb sich auch als Vors. des 1903 gegründeten „Neuen Frauenklubs“, dem sozial engagierte bürgerl. Frauen Wiens angehörten, bedeutende Verdienste um die Frauenbewegung. Daneben gründete sie, ihren musikal. Neigungen entsprechend, einen nach ihr benannten Chor.

W.: Denkschrift gegen die Freigebung der Pharmacie …, gem. mit R. Schiffner, 1871; Project einer internationalen Pharmacopoe, in: Pharmazeut. Post 18, 1885; Project der Internationalen Pharmacopöe, in: Z. des allg. österr. Apotheker-Ver. 23, 1885 (Beilage); Das Unterstützungswesen der Apotheker in Oesterr., ebenda, 24, 1886; usw.
L.: Biograph. Jb. 4, 1900, Sp. 180 (Totenliste); Eisenberg, 1893, Bd. 2 (s. Waldheim A. S. v.); Z. des allg. österr. Apotheker-Ver. 24, 1886, S. 461ff., 37, 1899, S. 565ff.; Pharmazeut. Post 19, 1886, S. 688f., 22, 1889, S. 390f. (mit Bild), 28, 1895, S. 93, 29, 1896, S. 494f., 32, 1899, S. 455ff. (mit Bild); L. Hochberger – J. Noggler, Geschichte der Apotheken und des Apothekerwesens in Wien … 2, 1919, S. 21f.; K. R. Fischer, Die S. v. W., 1924; G. Ganzinger, in: Österr. Apotheker-Ztg. 22, 1968, S. 379f.; Dt. Apotheker-Biographie, hrsg. von W.-H. Hein und H.-D. Schwarz, 2 (= Veröff. der Internationalen Ges. für Geschichte der Pharmazie, NF 46/2), 1978. – Helena S. v. W.: N. Fr. Pr., 1. 10. 1908; Der Bund. Zentralbl. des Bundes österr. Frauenver. 3, 1908, n. 6, S. 1f.; G. Urban, in: Frauenbewegung, Frauenbildung und Frauenarbeit in Österr., hrsg. von M. S. Braun u. a., 1930, S. 46.
(K. Ganzinger – H. Meißner)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 11 (Lfg. 53, 1998), S. 292f.
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