Schütz, Gustav (1865-1939), Industrieller und Kunstmäzen

Schütz Gustav, Industrieller und Kunstmäzen. Geb. Prag, Böhmen (Praha, Tschechien), 23. 7. 1865; gest. Wien, 13. 3. 1939. Sohn von Ignatz Zacharias S. (s. d.), Bruder von Karl, Julius und Ludwig S. (alle s. u. Ignatz Z. S.), Vater von Friedrich, Otto Heinrich und Paul J. S. (alle s. u.), verehel. mit Bertha, geb. Mautner (geb. 27. 2. 1866; gest. 3. 9. 1948); bis 1916 mos., dann evang. AB. S. trat 1890 als Gesellschafter in das Familienunternehmen ein, eine von seinen Vorfahren gegründete Rauhwarenhandlung, die nach dem Tod seines Vaters von seinen Brüdern weitergeführt worden war, und war selbst bis 1938 an der Firmenleitung maßgebl. beteiligt. Er besaß allerdings auch ausgeprägte künstler. Interessen und trat bes. als Kunstsammler und Kunstmäzen hervor: Er sammelte v. a. got. Plastiken und verhinderte damit den Abverkauf wertvoller Stücke ins Ausland; er überließ auch einen Tl. seiner Smlg. der Galerie der Wr. Akad. der bildenden Künste (1928 deren Ehrenmitgl.), weitere Plastiken dem Dom- und Diözesanmus. und dem Kunsthist. Mus. in Wien. Durch direkte finanzielle Zuwendungen förderte er das Schaffen von bildenden Künstlern. Selbst künstler. produktiv, war S. passionierter Cellist und trat daneben auch als Bildhauer hervor. So porträtierte er den Dirigenten Arturo Toscanini und den Cellisten Pablo Casals, die ihm beide persönl. nahestanden. Auch S.’ Söhne vereinigten z. Tl. geschäftl. und künstler. Interessen: Friedrich S. (geb. Prag, 21. 9. 1894; gest. Wien, 10. 8. 1985), Schiedsrichter der Wr. Warenbörse, Pianist und Komponist, Kommerzialrat Otto Heinrich S. (geb. Wien, 22. 7. 1901; gest. ebenda, 19. 10. 1981) und bes. Kommerzialrat Paul J. S. (geb. Prag, 18. 1. 1891; gest. Wien, 1. 3. 1955), Dir. der Ersten österr. Spar-Casse und unter dem Ps. Konrad Paulis als Lyriker bekannt. Er war mit Blanca, geb. Lohner (geb. 15. 12. 1892; gest. 20. 2. 1988), verehel., einer Tochter des Automobilfabrikanten Ludwig Lohner, die 1938 gleichfalls in die Fa. eintrat.

W.: Denkmal Rudolf Pöch, 1932 (Arkadenhof der Univ. Wien); usw.
L. (tw. auch zu den Söhnen): Giebisch–Gugitz (zu Paul J. S.); J. Z. Schütz. Die Geschichte des Hauses, 1929, S. 4f. (mit Bildern von Gustav S. und seinen Söhnen); Wer ist wer, hrsg. von P. Emődi, 1937; F. Kieslinger, Mittelalterl. Skulpturen einer Wr. Smlg., (1937); Österreicher der Gegenwart, bearb. von R. Teichl, 1951 (zu Paul J. S.); Wer ist Wer in Österreich, 1951 (zu Friedrich, Otto H. und Paul J. S.); Wer ist Wer in Österr., 1953 (zu Friedrich, Otto H. und Paul J. S.); M. Poch-Kalous, in: Wr. Geschichtsbll. 4, 1967, S. 237f.; W. Wagner, Die Geschichte der Akad. der bildenden Künste in Wien (= Veröff. der Akad. der bildenden Künste in Wien, NF 1), 1967, S. 299, 446; H. Hutter, in: Akad. der bildenden Künste, (1989), S. 153; H. Haupt, Jahre der Gefährdung. Das Kunsthist. Mus. 1938–45, 1995, S. 222; Handelsgericht, IKG, MA 61, WStLA, alle Wien; Mitt. Elfriede Körner, geb. Schütz, und Klaus Rott, beide Wien.
(J. Mentschl)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 11 (Lfg. 53, 1998), S. 302f.
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