Schuler, Hans; eigentl. Johann (1839-1917), Plastiker, Geograph und Lehrer

Schuler Hans, eigentl. Johann, Schulmann, Geograph und Geoplastiker. Geb. Innsbruck (Tirol), 15. 4. 1839; gest. ebenda, 26. 2. 1917. Sohn eines Maurergesellen. Nach Absolv. des Innsbrucker Gymn. stud. er 1858–63 an der dortigen Univ. klass. Philol., Germanistik und Geschichte. Er lehrte dann ab 1863 in Zengg (Senj), ab 1868 am Obergymn. Feldkirch, avancierte zum Prof. und wurde 1872 an das Staatsobergymn. Innsbruck versetzt. Bez.Schulinsp. für Innsbruck-Land, 1875 auch für Schwaz sowie 1884 für den Gerichtsbez. Hall (i. Tirol) und 1899 zum Schulrat ernannt, trat er im selben Jahr i. R. S., verdient um die Ordnung der Schulbibl. in Zengg und Feldkirch sowie um die Anlage eines botan. Gartens am Feldkircher Gymn., gab 1875–78 das „Tiroler Schulblatt“ heraus, gehörte ab 1878 durch drei Jahre dem Gmd.Rat von Innsbruck an und legte eine derzeit im Tiroler Landesmus. Ferdinandeum verwahrte Schmetterlingssmlg. mit individuellen Lokalangaben an. 1878 begann er im Garten des Neubaues der Innsbrucker Lehrerbildungsanstalt mit der Anlage einer Reliefkarte von Alt-Tirol und Vbg., die er in der Folge laufend ausgestaltete und bei Bedarf restaurierte. Er bildete die Landschaftsformen in allen Einzelheiten nach, verwendete für die Gebirge originale Gesteinsarten, versah das Gelände mit entsprechender Vegetation und machte die Haupttäler sogar begehbar. Ursprüngl. nur als geograph., geognost. und botan. Schullehrmittel gedacht, wurde sein Werk bald auch anderweitig genutzt, so z. B. seitens des Militärs bei der Erstellung von Manöverplänen; als damals weltweit größtes Relief entwickelte es sich zu einer auch in Reiseführern erwähnten Touristenattraktion in Innsbruck. Ende der 1950er Jahre wurde das – bis 1942 vorbildl. gepflegte – in sehr schlechtem Zustand befindl. „größte Lehrmittel“ aus Platzgründen entfernt und in Einzelteilen gelagert. Trotz verschiedener Bemühungen ist es bisher zu keiner Wiederaufstellung gekommen. Mit seinem Werk, das er selbst als „Steinerne Landkarte“ bezeichnete, schuf S. eine international bekannt gewordene Sehenswürdigkeit.

W.: Relief von Alt Tirol und Vbg., 550 m², größte Ost-West-Ausdehnung 39 m, größte Nord-Süd-Ausdehnung 33 m, vertikal 1:2.200, horizontal 1:7.500, 1878ff. – Publ.: Ueber die Stellung der Naturwiss. zur Philol. am Gymn., in: 25. Programm des k. k. Staats-Gymn. zu Innsbruck … 1874, 1874; Relief-Karte von Tirol und Vbg., in: Tiroler Schulfreund 1, 1880, S. 22f.; Das Innsbrucker Gestein-Relief der Tiroler Alpen, in: Mitth. des Dt. und Oesterr. Alpenver., 1889; usw.
L.: Neue Tiroler Stimmen, 22. 1. 1881 und 27. 2. 1917 (Abendausg.); Tages-Post (Linz), 24. 11. 1886; Innsbrucker Nachrichten, 8., 19., 21. 7. 1888, 29. 7. 1908, 27.–28. 2. 1917, 9. 7. 1924; Münchner-Augsburger Abendztg., 22. 7. 1923; Tiroler Tagesztg., 14. 7. 1954, 12. 11. 1955, 29. 5., 25. 6., 23. 7. 1956 und 10. 10. 1959; Tiroler Nachrichten, 23. 4. 1955, 4. 3. 1957, 2. 9. 1959; Dolomiten, 22. 6. und 27. 12. 1956, 15. 3. 1957; Aus allen Weltteilen. Illustriertes Familienbl. für Länderund Völkerkde. 9, 1878, S. 158; C. Peuker, in: Mitth. des Dt. und Oesterr. Alpenver., 1889, S. 74f., 87ff., 99ff.; Reliefkarte von Tirol und Vbg., 1900; A. Mayr, in: 68. Programm des k. k. Staats-Gymn. in Innsbruck … 1916/17, 1917, S. 17f.; A. Zemann, Reliefbau in Österr., phil. DA Wien, 1986, bes. S. 59; AVA, Wien.
(C. Sporer-Heis)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 11 (Lfg. 53, 1998), S. 317f.
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