Schulte, Julius (1881-1928), Architekt

Schulte Julius, Architekt. Geb. Steyrermühl (OÖ), 14. 5. 1881; gest. Linz (OÖ), 11. 8. 1928. Sohn von Hermann S., Dir. der Papierfabrik in Steyrermühl; evang. AB. S. besuchte die Volks- und Mittelschule in Wien und stud. 1899–1904 an der Bauschule, 1904/05 als ao. Hörer Hochbau an der Techn. Hochschule in Wien. 1905–08 arbeitete er als Ass. im Atelier von Ohmann (s. d.), der auf seine Arbeiten bestimmenden Einfluß nahm. 1908 erhielt S. das Ghega-Reisestipendium und bereiste Dtld., Belgien und Holland, ab 1909 arbeitete er als Architekt im Stadtbauamt Linz, wo er bes. mit der Errichtung von Schulbauten befaßt war; so gehörten u. a. Körnerschule (1910/11), Raimundschule (1912) und Weberschule (1913) zu seinen Werken; 1911–13 gestaltete S. das Rathaus von Urfahr (Linz). Aber auch im Bereich der Siedlerbewegung (Villenkolonie in der Greilstraße, 1912/13, gem. mit Alfred Rodler) und der Fabriksbauten (Saccharinfabrik Zizlau, 1919, Knochenverwertungs- und Kunstdüngerfabrik, Linz, 1920–22) war S. erfolgreich tätig. 1921 gab er seine Stellung als Stadtbaurat auf und wirkte ab diesem Zeitpunkt als freier Architekt in Linz. Er errichtete weitere Siedlungen, plante die Umgestaltung der Donaubrücke und des Brückenkopfs Linz-Urfahr; als eines seiner Hauptwerke gilt die Zeremonienhalle mit Versenkungsmaschinerie im Zentrum der turmartigen Feuerhalle des neu angelegten Urnenhains in Urfahr (1928/29), bei der Anklänge an das Wr. Krematorium von Clemens Holzmeister erkennbar sind; der Bau wurde von seinen Schülern Hans Arndt und Paul Theer vollendet. 1926 wurde S. als o. Prof. an die Lehrkanzel für Baukunst an der Techn. Hochschule in Graz berufen; 1923 Mitgl. der Genossenschaft der bildenden Künstler Wiens (Künstlerhaus). S., dessen Tätigkeit die Wende vom Historismus zur Neuen Sachlichkeit markiert, wurde in einem Wandgrab des damals noch nicht allg. benützbaren Krematoriums in Urfahr beigesetzt.

W.: Evang. Kirche, 1909–12 (St. Veit a. d. Glan); Wasserturm der Brauerei, 1925 (Gmunden); Hauptschule, 1927 (Ebensee); Feuerlöschgerätefabrik Rosenbauer, 1928 (Leonding); usw.
L.: Tages-Post (Linz), 14. und 15. 8., N. Fr. Pr., 31. 8. 1928; Krackowizer; Thieme–Becker; Bergland 9, 1927, n. 1, S. 44; Die Bau- und Werkkunst 7, 1930, S. 35ff.; J. S. und seine Schüler, hrsg. von H. Arndt und P. Theer, 1933 (mit Bild und Werksverzeichnis); R. Schmidt, Das Wr. Künstlerhaus …, 1951, S. 230, 247; E. Telesko – H. Werthgarner, in: christl. kunstbll. 106, 1968, S. 51; A. Wied, in: Kunstjb. der Stadt Linz 1971, (1972), S. 51ff.; Die profanen Bau- und Kunstdenkmäler der Stadt Linz 1, bearb. von A. Wied (= Österr. Kunsttopographie 42), (1977), s. Reg.; E. Oberlik, in: Lebendiges Linz 5, 1982, n. 25, S. 22 (mit Bild); F. Achleitner, Österr. Architektur im 20. Jh. 2, (1983), s. Reg.; ders.,Österr. Architektur im 20. Jh. 1, 3. Aufl. 1986, s. Reg.; Die profanen Bau- und Kunstdenkmäler der Stadt Linz 2, bearb. von H. Thaler und U. Steiner (= Österr. Kunsttopographie 50), (1986), s. Reg.; E. Zacherl, in: Wohnen in Linz, hrsg. von B. Kepplinger (= Kulturstud. Bibl. der Kulturgeschichte, Sonderbd. 5), 1989, S. 209ff.; H. Lackner – G. A. Stadler, Fabriken in der Stadt (= Linzer Forschungen 2), 1990, s. Reg. und S. 556, 651, 658; G. Wacha, in: Oberösterreicher 7, red. von G. Marckhgott und H. Slapnicka, 1991, S. 51ff. (mit Bild); Architektur im 20. Jh. Österr., hrsg. von A. Becker, D. Steiner und W. Wang, Frankfurt a. Main – Wien 1995, s. Reg. (Kat.); G. Wacha, in: Hist. Jb. der Stadt Linz 1996, 1997, S. 397; Archiv der Techn. Univ. Wien, Wien.
(G. Wacha)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 11 (Lfg. 54, 1999), S. 337f.
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