Schultz, Theodor d. Ä. (1815-1869), Industrieller und Techniker

Schultz d. Ä., — Theodor, Industrieller und Techniker. Geb. Berlin, Preußen (Dtld.), 5. 4. 1815; gest. Wien, 30. 7. 1869. Sohn eines Bergrats, Vater von Theodor S. d. J. (s. u.); evang. AB. S., der bereits als Zentraldir. der Fürstl. Salmschen Eisenwerke in Blansko der Entwicklung der Dampfmaschine bes. Beachtung geschenkt hatte, ließ als Teilhaber der Maschinenfabrik von Bollinger & Co. in Wien (1850–56) seine ersten Dampfmaschinenkonstruktionen zur Ausführung bringen. 1856 errichtete er in Wien-Wieden einen eigenen Betrieb, in dem er sich hauptsächl. auf den Bau von Spezialmaschinen für die Berg-, Hütten-, Eisen- und Stahlind. konzentrierte. Wie die von ihm ab 1857 erworbenen Privilegien zeigen, galt sein bes. Augenmerk der Verbesserung und Vervollkommnung von Dampfhämmern und Dampfmaschinen. Nach S.’ Tod wurde das Unternehmen, das wegen der hochwertigen Qualität seiner Produkte eine hervorragende Auftragslage aufwies, von seinem Sohn Theodor S. d. J. (geb. Klepatschow, Böhmen/Klepačov, Tschechien, 1845; gest. Wien, 11. 6. 1911), evang. AB, sowie von seinem Schwiegersohn Ing. Leon Goebel (geb. Krakau, Galizien/Kraków, Polen, 18. 2. 1838; gest. 5. 6. 1910), der ab 1867 eine zeitlang die Stelle eines Chefing. in der Fa. bekleidet hatte, unter der Bezeichnung „K. k. priv. Maschinenfarik Th. Schultz & L. Goebel“ weitergeführt. Während Goebel neben den kaufmänn. Belangen die Abt. für Dampfkessel-, Pumpen-, Dampfmaschinen- und Transmissionsbau leitete, wurde Ing. Theodor S. d. J., Absolvent der Techn. Hochschule in Hannover, der drei Jahre in Sheffield im Werkzeugmaschinenbau praktiziert hatte, Leiter der Werkzeugmaschinenabt., die vorwiegend für Kunden aus der Eisen- und Stahlind. produzierte. Auch er war, wie der Vater, fortlaufend auf Neuerungen bedacht und erwarb ab 1867 eine große Zahl von Patenten. Für den Ruf des Unternehmens, das auch auf internationalen Ausst. vertreten war (so bereits 1867 in Paris), spricht u. a. die Tatsache, daß der renommierte Maschinenkonstrukteur Collmann (s. d.) seine 1878 patentierte Ventildampfmaschinensteuerung zuerst bei Schultz & Goebel ausführen ließ. In der zweiten Hälfte der 80er Jahre wandte sich die Fabrik einem zusätzl. neuen Produktionszweig, dem Bau von Rohrpostapparaten, zu und rüstete u. a. die Rohrpoststationen in Wien, Prag und Karlsbad (Karlovy Vary) aus. Als Mitte der 90er Jahre der Dampfmaschinenbau infolge übermächtiger Konkurrenz für die Fa. immer mehr an Bedeutung verlor, wurde die Produktion von Spezialwerkzeugmaschinen, bes. Preßmaschinen, forciert. Anfang Juni 1911, nur wenige Tage vor seinem Tod, verkauften S. und seine Schwester, Maria Goebel, die Fa. an Franz Pauker und Otto Karl Engländer.

L. (auch für Theodor S. d. J.): J. Rossiwall, Die Eisen-Ind. des Herzogtums Ktn. im Jahre 1855 (= Mitth. aus dem Gebiet der Statistik 5/3), 1856, S. 4f.; Die hundertjährige Geschichte der Ersten Brünner Maschinen-Fabriks-Ges. in Brünn von 1821 bis 1921, 1921, s. Reg. (mit Bildern von Theodor S. d. Ä. und d. J.); M. Kreps, Dějiny blanenských železáren 1: do roku 1897, 1978, s. Reg.; MA 61, WStLA, beide Wien.
(H. Janetschek – E. Lebensaft – Ch. Mentschl)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 11 (Lfg. 54, 1999), S. 352
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