Schulz, Hugo (1870-1933), Journalist

Schulz — Hugo, Journalist. Geb. Wien, 20. 4. 1870; gest. ebenda, 27. 5. 1933. S. besuchte das Gymn. in Wien, schloß es jedoch nicht ab, sondern bildete sich im Selbststud. weiter. 1891 bestand er die Prüfung für den Einjährig-Freiwilligendienst, verlor dieses Recht aber aufgrund seines Engagements für die Arbeiterbewegung und mußte strafweise bis 1894 an der montenegrin. Grenze nachdienen. In dieser Zeit erwarb er sich jene grundlegenden militärwiss. Kenntnisse, die ihn später zum Fachmann auf diesem Gebiet machten. Nach seinem Ausscheiden aus dem Militärdienst wurde S. von Victor Adler (s. d.) 1895 in die Red. der „Arbeiter-Zeitung“ geholt, wo er als Lokal- und Gerichtssaalreporter tätig war und zahlreiche Feuilletons, Erz. und Reiseberr. veröff. Ab 1902 verf. er Beitrr. für den Österr. Arbeiterkal. und ab 1907 auch Artikel für den „Kampf“, das theoret. Organ der Sozialdemokrat. Partei. Kurzfristig hatte er 1913 auch die Red. des satir. Bl. „Glühlichter“ inne, für das er u. a. den Nachruf auf Schuhmeier (s. d.) verf. 1905 erschien „Blut und Eisen“, eine populärwiss. hist. Abh. über die Entwicklung des Militarismus. In den Balkankriegen 1912/13 war er ebenso Kriegsberichterstatter wie er im Ersten Weltkrieg von seiner Ztg. ins Kriegspressequartier entsandt wurde und von dort auch für den Berliner „Vorwärts“ berichtete. Aus dieser Zeit datiert auch seine Freundschaft mit dem Schriftsteller Leo Perutz. S., der als Militärexperte nachdrückl. das Milizsystem und die Demokratisierung des Heeres propagierte, wurde aufgrund seiner Kenntnisse auch von den Militärs fachl. respektiert. Nach dem Untergang der Monarchie wurde er 1918 von der Sozialdemokrat. Partei als Zivilkoär. ins Staatsamt für Heerwesen entsandt, wobei die Anregung zur Einrichtung dieser Stellen, durch welche die Vertreter der drei Parlamentsparteien eine demokrat. Kontrolle über das Heer ausüben sollten, von ihm selbst stammen soll. Ab 1920 ging er für vier Jahre nach Berlin, wo er als Presseattaché an der österr. Gesandtschaft arbeitete. Wieder nach Wien zurückgekehrt, trat er erneut in die Red. der Arbeiter-Ztg. (1925–26 Verantwortl. Red.) ein und verblieb dort bis zu seiner Pensionierung 1931.

W. (s. auch Tagbl.Archiv): Die Indianer (= Die junge Welt 4), 1911; Einleitung zu: Der österr.-ung. Krieg in Feldpostbriefen, hrsg. von M. Winter, 1, 1915; Großkampftage der Revolution 1848/49, 1928; zahlreiche Beitrr. in Arbeiter-Ztg., Der Kampf, Österr. Arbeiterkal., usw.
L.: Neues Acht-Uhr-Bl., 11. 6. 1920; Arbeiter-Ztg., 1. 1. 1920, 1. 1. 1925 (beide autobiograph.), 26. 4. 1930, 29., 30. (mit Bild) und 31., N. Fr. Pr., NWT (Abendausg.), 30. 5., Österr. Wehrztg., 2. 6. 1933; Bourdet; L. Jedlicka, Ein Heer im Schatten der Parteien, 1955, s. Reg.; A. Magaziner, Die Vorkämpfer, (1979), S. 150ff. (mit Bild); ders., in: Rentner und Pensionist, 1979, H. 3, S. 17 (mit Bild); K. Haas, H. S., Seminararbeit, Inst. für Zeitgeschichte, Univ. Wien, o. J.; Archiv des Ver. für Geschichte der Arbeiterbewegung, KA, AdR, Tagbl.Archiv, alle Wien; Mitt. Eckart Früh, Fritz Hausjell, Robert Veinfurter, alle Wien.
(Ch. Mentschl)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 11 (Lfg. 54, 1999), S. 346
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