Schulz, Josef (1840-1917), Architekt

Schulz — Josef, Architekt. Geb. Prag, Böhmen (Praha, Tschechien), 11. 4. 1840; gest. Spindelmühle, Böhmen (Špindlerův Mlýn, Tschechien), 15. 7. 1917. S. stud. 1857–61 am Polytechn. Inst. in Prag, anschließend bis 1865 an der Wr. Akad. der bildenden Künste bei August Sicard v. Sicardsburg und van der Nüll (s. d.). Während seiner Ausbildung erlernte er das Maurerhandwerk und arbeitete bei dem Architekten L. Förster (s. d.) am Bau des Wr. Arsenals mit. Auch einige Wohnhäuser in Wien sollen nach seinen Entwürfen entstanden sein. 1864–68 holte ihn Josef Zítek, mit dem er befreundet war, als Ass. an das Prager Polytechn. Inst. S. unternahm, tw. gem. mit Zítek, zahlreiche Stud.Reisen u. a. nach Italien (1868–70), Dtld., Schweiz, Frankreich und Belgien. 1872–76 arbeitete er als Red. und Mitarbeiter bei der Z. „Zprávy spolku architektů a inženýrů v Čechách“, ab 1872 bei den „Mittheilungen des Architekten- und Ingenieur-Vereines für Böhmen“. 1874 unterrichtete S. an der Fachschule für Goldschmiede. Nach dem Tod von Josef Niklas wurde er 1877 Supplent, 1878 o. Prof. an der Tschech. Techn. Hochschule; 1911 i. R. Gem. mit Zítek arbeitete er am Projekt und der Realisierung des Prager Rudolfinums, eines Mehrzweckgebäudes für Musik und bildende Kunst (1874–85), und wurde in der Folge mit dem Wiederaufbau und der Fertigstellung des von Zítek fast vollendeten, aber abgebrannten tschech. Nationaltheaters betraut. Der wichtigste von ihm ausgeführte Bau ist das Prager Tschech. Nationalmus. (1884–93) mit einem bemerkenswert großzügigen Treppenhaus und einer prachtvollen Ehrenhalle. Das Mus. für Kunst und Ind. (1892–1901) konnte dagegen mit seinen französ. Neurenaissance-Elementen nicht mehr so recht überzeugen. S. blieb in seinen Arbeiten den Neurenaissanceformen verpflichtet und lehnte, anders als z. B. sein Stud.Kollege Otto Wagner, die modernen Strömungen in der Architektur ab. In der Gegenwart erfährt sein Werk mit der Neubewertung des Historismus eine neue Wertschätzung. S. war Mitgl. zahlreicher Vereinigungen, darunter der Böhm. Akad. der Wiss. (1890), der künstler. Komm. des Min. für Kultus und Unterricht (1902) und Ehrenmitgl. des Cercle artistique et littéraire in Brüssel. Für seine Leistungen wurde er mehrfach geehrt, so u. a. Ritter des Franz-Joseph-Ordens (1884), Reg.Rat (1885), HR (1910), Orden der Eisernen Krone III. Kl. (1911).

W.: Wohnhäuser, Inneneinrichtung der Villa Groebe, Rathaus von Smíchov, Haus der Maurergmd. (alle Prag); Kirche (Horní Maršov); Gruft mit Kapelle (Nové Hrady); Schule und Krankenhaus (Rumburk); Schule (Český Brod); Villa (Mělník); Villa (Podmokly); usw. – Publ.: Sacristei von Sct. Lorenzo in Florenz, in: Mitth. des Architekten- und Ing.-Ver. für Böhmen 7, 1872, tschech. in: Zprávy spolku architektů a inženýrů v Čechách 7, 1872; Ueber Wert und Einfluss der Farbe in der Architektur, in: Mitth. des Architekten- und Ing.-Ver. für Böhmen 7, 1872; Das neue Opernhaus in Paris, ebenda, 10, 1875; usw.
L.: Wr. Ztg., 19. 7. 1917; Otto; Otto, Erg.Bd. V/2; Thieme–Becker; Toman; Wurzbach (s. u. Schulz v. Strassnitzki Leopold Ludwig); Illustriertes Österr.-ung. Ehren-Buch. Almanach der Mitgl. des k.-österr. Franz-Joseph-Ordens, (1909); K. B. Mádl, in: Almanach české akad. císaře Františka Josefa pro vědy, slovesnost a umění 28, 1918, S. 114ff. (mit Bild); Příruční slovník naučný 4, 1967; O. Vogel, Prager Techniker, 2. Aufl., Wien 1976 (Manuskript); V. Lomič, Vznik, vývoj a současnost českého vysokého učení technického v Praze, 1982, S. 72; P. Wittlich, Česká secese, (1982), S. 24f., 252; Á. Moravánszky, Die Architektur der Donaumonarchie, (1988), s. Reg.; A. Šlechtová – J. Levora, Členové Česke akad. věd a uměni 1890–1952 (= Práce z dějin československé akad. věd 3/B), 1989, S. 362f.; J. S. 1840–1917, Praha 1992 (Kat.); Lex. der Kunst, hrsg. von H. Olbrich u. a., 6, 1996; J. E. Svoboda – Z. Lukeš – E. Havlová, Praha 1891–1918, 1997, s. Reg.
(D. Klein)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 11 (Lfg. 54, 1999), S. 347f.
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