Schulz, Paul (1860-1919), Beamter

Schulz — Paul, Beamter. Geb. Wien, 1. 7. 1860; gest. Kreuzlingen, Kt. Thurgau (Schweiz), 1. 2. 1919 (Selbstmord). Sohn von Benedict S. (s. d.); bis 1905 mos., später röm.-kath. Durch die Tätigkeit seines Vaters als Burgtheaterarzt kam er früh mit Künstlern und Kreisen der Wr. Ges. in Berührung. S. stud. Jus an der Univ. Leipzig, danach 1879–81 an der Univ. Wien, tat sich dabei als gewandter Redner und Obmann des dt.-österr. Lesever. der Wr. Hochschulen hervor und begann seine Beamtenlaufbahn 1883 bei der nö. Finanzprokuratur. 1887 trat er als Ministerialkonzipist in das Handelsmin. ein. 1891 Ministerialvizesekretär und 1896 Ministerialsekretär, wechselte S. 1898 in das Patentamt über – das sich gerade im Neuaufbau befand und an dessen Strukturierung er wesentl. mitwirkte –, bekleidete dort den Posten des stellv. Präs. und hatte bes. an der Formulierung des österr. Patentgesetzes großen Anteil. 1904 zum Min.Rat ernannt, übernahm S. 1905 die Stelle als Sektionschef beim Obersten Rechnungshof, rückte 1911 zu dessen Vizepräs. auf und wurde im selben Jahr Geh. Rat. 1915 war er während der Abwesenheit des damaligen Präs. Konrad Prinz zu Hohenlohe-Schillingsfürst (s. d.) einige Monate für die Leitung des Amtes verantwortl., wurde mit dem Großkreuz des Franz-Joseph-Ordens ausgez. und Ende 1917 ins Herrenhaus berufen. S. galt als eine der bekanntesten Beamtenpersönlichkeiten der Monarchie und verfügte über ausgez. Beziehungen zur Prominenz der Wr. Ges., etwa zu K. Schratt oder Conrad von Hötzendorf (beide s. d.), die ihm auch im Verlauf seiner Karriere zugute kamen. Schon längere Zeit kränkelnd, schied S. während eines Sanatoriumaufenthalts in der Schweiz freiwillig aus dem Leben.

W.: Die österr. Handels- und Gewerbekammern (= Separatabdruck aus E. Mayrhofer’s Handbuch für den polit. Verwaltungsdienst, 5. Aufl.), 1895; usw. – Hrsg.: Der Schutz der Erfindungen, Marken und Muster in Österr. (= Manzsche Taschenausg. der österr. Gesetze 1/2), 1899, 2. Aufl., gem. mit E. Adler, 1906. – Red.: Oesterr. Patentbl. 1–7, 1899–1905.
L.: N. Fr. Pr., 20. 11. 1917, 1. 2. 1919 (Abendausg.); Fremden-Bl., NWT, 1. 2. 1919 (beide Abendausg.); Werist’s? 4, 1909; Österr. Patentbl. 21, 1919, Tl. 1, n. 3/4, S. 25; Erinnerungen und Gedanken des Botschafters A. Gf. Monts, hrsg. von K. F. Nowak und F. Thimme, 1932, s. Reg; G. Gfn. Conrad v. Hötzendorf, Mein Leben mit Conrad v. Hötzendorf, (1935), S. 41ff.; H. Benedikt, Damals im alten Österr., 1979, bes. S. 90ff.; Unterhändler des Vertrauens, hrsg. von J. Nautz (= Stud. und Quellen zur österr. Zeitgeschichte 9), 1990, s. Reg.; Meine liebe, gute Freundin! Die Briefe K. Franz Josephs an K. Schratt …, hrsg. von B. Hamann, (1992), Taschenbuchausg. 1996, s. Reg.; WStLA Wien; Mitt. Bernhard Ganzel, New York, N.Y., USA.
(Ch. Mentschl)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 11 (Lfg. 54, 1999), S. 351
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