Schumacher von Marienfrid, Siegmund (1872-1944), Histologe und Embryologe

Schumacher von Marienfrid Siegmund, Histologe und Embryologe. Geb. Innsbruck (Tirol), 26. 1. 1872; gest. Natters (Tirol), 31. 5. 1944. Urenkel von Casimir Carl, Enkel von Johann Nep. S. (beide s. d.), Sohn des Anton, Bruder des Eckart S. v. M. (beide s. d.). Nach Absolv. des Gymn. (1892) stud. S. bis 1893 Med. in seiner Heimatstadt, anschließend in München (1894) und Wien, wo er 1898 zum Dr. med. prom. wurde. 1897–98 war er als Demonstrator am Histolog. Inst. der Univ. Wien unter dessen Vorstand V. v. Ebner-Rofenstein (s. d.) tätig. 1898–1900 Ass. am Physiolog. Inst. unter S. v. Exner-Ewarten (s. d.) und 1900–10 Ass. an der II. Anatom. Lehrkanzel der Univ. Wien, habil. sich S. 1904 mit der Abh. „Die Herznerven der Säugethiere und des Menschen“ für Anatomie an der Univ. Wien. 1908 wurde er dort ao. Prof. für Anatomie und 1912 ao. Prof. für Histol. und Embryol. an der Wr. Tierärztl. Hochschule. 1913 wechselte S. in gleicher Eigenschaft als Nachfolger von H. Rabl (s. d.) an die Univ. Innsbruck, wo seine Antrittsvorlesung über die „Individualität der Zelle“ (1914) große Beachtung fand. 1916 o. Prof., fungierte S. im folgenden Jahr als Supplent an der vakanten Lehrkanzel für Anatomie. Im Stud.Jahr 1918/19 war er Dekan der Med. Fak. und von 1921–24 Senator der Univ. Innsbruck, 1937 erfolgte S.s vorzeitige Pensionierung. 1933 korr., 1941 w. Mitgl. der Akad. der Wiss. in Wien. S. arbeitete v. a. auf dem Gebiet der vergleichenden Histol., Histogenese und mikroskop. Anatomie. Seine Beobachtungen an tier. Untersuchungsobjekten wurden durch seine Tätigkeit an der Tierärztl. Hochschule sehr gefördert. Über Österr. hinaus bekannt geworden ist S. mit dem gem. mit Wilhelm Ellenberger verf. „Grundriß der vergleichenden Histologie der Haussäugetiere“ (4. Aufl. 1914) und mit seinem „Grundriß der Histologie des Menschen“ (1934, 10. Aufl. 1966). Die darin enthaltenen Abbildungen sind großteils Verkleinerungen von Unterrichtstafeln, die S., der hervorragende zeichner. Fähigkeiten besaß, selbst entworfen hatte. 1939 veröff. S., ein leidenschaftl. Jäger, das vielgelesene Buch „Jagd und Biologie. Ein Grundriß der Wildkunde“ (2. Aufl. 1956). Gem. mit Carl Toldt, dem Sohn des gleichnamigen Anatomen, erneuerte S. die zoolog. Smlg. des Tiroler Landesmus. Ferdinandeum, wofür er zu dessen Ehrenmitgl. ernannt wurde.

W.: s. u. bei Stober.
L.: Fischer; Kürschner, Gel.Kal., 1926–1940/41; Lesky, S. 519; Beitrr. zur Familiengeschichte, hrsg. von E. Schumacher v. Marienfrid, 1924, s. Reg.; Wer ist Wer, hrsg. von P. Emődi, 1937; V. Patzelt, in: Forschungen und Fortschritte. Nachrichtenbl. der dt. Wiss. und Technik 18, 1942, S. 42f.; F. Hochstetter, in: Almanach Wien 95, 1947, S. 324ff. (mit Bild); G. Sauser, in: Wr. klin. Ws. 61, 1949, S. 44f.; Die Lehrkanzelvorstände der Med. Fak. der Univ. Innsbruck 1647–1949, 1950, S. 11; R. Granichstaedten-Czerva, Beitrr. zur Familiengeschichte Tirols (= Schlern-Schriften 131), 1954, S. 137; 200 Jahre Tierärztl. Hochschule in Wien, 1968, S. 362; Hundert Jahre Med. Fak. Innsbruck 1869 bis 1969, 2, hrsg. von F. Huter, 1969, S. 214f.; M. Stober, Personalbibliographien der Prof. und Doz. der Anatomie an der Med. Fak der Univ. Wien … 1845–1969, med. Diss. Erlangen, 1971, S. 106ff.; G. Pfaundler, Tirol Lex., 1983; UA Innsbruck, Tirol; AVA, UA, beide Wien; Mitt. Peter Goller, Innsbruck, Tirol.
(G. Oberkofler)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 11 (Lfg. 54, 1999), S. 365f.
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