Schumacher, Johann Nep. (Joseph) (1806-1852), Buchdrucker, Buchhändler und Verleger

Schumacher Johann Nep. (Joseph), Buchdrucker, Buchhändler und Verleger. Geb. Innsbruck (Tirol), 20. 3. 1806; gest. ebenda, 24. 4. 1852. Sohn aus erster Ehe von Casimir Carl S. (s. d.), Halbbruder von Karl S. (s. u. Franz S.), Vater von Anton, Großvater von Eckart und von Siegmund S. v. Marienfrid (alle s. d.), ab 1835 verehel. mit Juliane v. Egger zu Marienfrid. Nach Besuch des Gymn. begann S. die phil. Stud., mußte sie jedoch wegen des Todes seines Vaters 1824 abbrechen und erlernte den Buchhandel und die Buchdruckerei, zuerst im Familienbetrieb, dann in Frankfurt (1825–26), Paris (1826–27) – hier beteiligte er sich u. a. auch an den Versuchen zur Gründung einer dt. Ztg. – und Mailand (1827–28). Nach Innsbruck zurückgekehrt, übernahm er 1828 die nach dem Tod Casimir S.s von Johann Teutsch für die Erben weitergeführte Buchhandlung und die Wagner’sche Univ.-Buchdruckerei, die er in der Folge wesentl. erweiterte und modernisierte. So verstand es S., die neuesten mechan. Erfindungen für seine Druckerei zu nutzen, etwa, als er sich von dem Mechaniker Leo Müller (s. d.) Anfang der 30er Jahre eine Schnellpresse, die erste in Österr., bauen ließ, die, gem. mit der schon früher erworbenen Stanhopepresse, eine weitere Geschäftsausdehnung ermöglichte. Der Buchdruckerei wurden ferner eine Schriftgießerei sowie eine lithograph. Anstalt angefügt, letztere allerdings mußte nach einigen Jahren wieder aufgegeben werden. Aber auch dem verleger. Zweig des Unternehmens widmete S. größte Sorgfalt. Nachdem er schon früher die „Katholischen Blätter aus Tirol“ gegründet hatte, wandelte er nach der Einführung der Pressefreiheit 1848 den „Tiroler Boten“ sukzessive in eine Tagesztg. um. Auch die Gründung der „Tiroler Schützenzeitung“ wurde geistig von S. vorbereitet. Das Verlagsprogramm umfaßte weiters Werke wiss., populären und belletrist. Charakters, etwa die drucktechn. hervorzuhebenden „Innsbrucker meteorologischen Beobachtungen“ von Franz Zallinger zum Thurn, Schriften von Beda Weber und Flir (s. d.) oder die Ged. von Johann Ch. Senn, aber auch Periodika usw. Gegenüber den literar. Bestrebungen im Tirol des Vormärz aufgeschlossen, gehörte S. der „Dienstagsrunde“ um Ruf (s. d.) an. In seinen letzten Lebensjahren erwarb er den Verlag „Phönix“. Nach S.s Tod wurde das Unternehmen, das sicherl. nicht zuletzt durch seine Tüchtigkeit im 19. Jh. zu einem der bedeutendsten dieser Branche im dt.sprachigen Gebiet geworden war, zuerst von seiner Gattin und dann von Eberhard Hausschild (unter seiner Geschäftsführung erfolgte die Gründung der „Innsbrucker Nachrichten“) bis zur Übernahme durch Anton S. v. Marienfrid weitergeführt. S. war aber nicht nur als Unternehmer erfolgreich, sondern engagierte sich auch – wie schon sein Vater und nach ihm sein Sohn Anton – in der Innsbrucker Kommunalpolitik; so wurde er 1830 in den großen Gmd.Ausschuß gewählt, ab 1834 bis zu seinem Lebensende war er als Magistratsrat tätig. 1848 war S. Lt. der Nationalgarde.

W.: Red.: Bothe für Tirol und Vbg., 1848–52.
L.: Bothe für Tirol und Vbg., 1. 7. 1852; E. v. Schumacher, in: Verlags-Kat. der Wagner’schen Univ.-Buchhandlung in Innsbruck, 1904, S. XVff.; Beitrr. zur Familiengeschichte, hrsg. von E. Schumacher v. Marienfrid, 1924, S. 53ff. (mit Bildern); R. Granichstaedten-Czerva, Beitrr. zur Familiengeschichte Tirols (= Schlern-Schriften 131), 1954, s. Reg.; Ch. Schwaighofer, Literar. Gruppen in Tirol, phil. Diss. Innsbruck, 1983, s. Reg; A. Durstmüller d. J. ( – N. Frank), 500 Jahre Druck in Österr. 1–2, (1982–86), s. Reg.
(E. Lebensaft – W. Meixner)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 11 (Lfg. 54, 1999), S. 361f.
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