Schunda, Vencel József (Wenzel Josef) (1845-1923), Instrumentenbauer

Schunda Vencel József (Wenzel Josef), Instrumentenbauer. Geb. Dubeč, Böhmen (Tschechien), 19. 5. 1845; gest. Budapest (Ungarn), 26. 1. 1923. Bruder des József S., Vater des Károly S. (beide s. u.). Zunächst Lehrling bei seinem Bruder József in Pest (Budapest), 1863 Geselle bei einem Holzblasinstrumentenbauer, 1867, nach Ausbildungsreisen im Ausland, Geselle für Musikinstrumentenbau, ab 1869 Miteigentümer, ab 1871 alleiniger Eigentümer der Fa. „Schunda Vencel József hangszergyára“, die er ständig vergrößerte, bis sie zu Ende des 19. Jh. mit 45 Beschäftigten Holz- und Blechblasinstrumente sowie Saiten-, Zupf- und Schlaginstrumente erzeugte und sowohl Musikinstitutionen der Monarchie als auch das Ausland belieferte. Der Schwerpunkt der Produktion lag dabei im Bau des Cimbalom. S. modifizierte und verbesserte dieses Instrument (1874 Pedalcimbalom) und machte es der Kunstmusik zugängl. 1872–1906 erzeugte er 10.000 Stück, insgesamt wurden bis zum Ende des Bestehens der Fa. (1931) 30.000 Exemplare produziert. Auch das alte, für die ung. Musik charakterist. Holzblasinstrument Tárogató wurde von S. rekonstruiert und verbessert (Patent 1897). Weitere Patente erwarb S. 1877 für ein Volksharmonium, 1880 für eine Verbesserung der Zither (unter dem Namen „Aerozither“), 1887 für ein Kindercimbalom mit Stahlplatten. S.s Erzeugnisse wurden bei nationalen und internationalen Ausst. (u. a. Wr. Weltausst. 1873) prämiert, er selbst wurde u. a. 1889 Ritter des Franz-Joseph-Ordens. Er bekleidete auch öff. Funktionen, u. a. war er (ab 1892) Vorstand der Abt. Fabrikswesen der Gewerbekammer sowie Vorsteher der Musikinstrumentenmacher-Genossenschaft in Budapest. S.s Bruder József (Josef) S. (geb. Sibřin, Böhmen/Sibřina, Tschechien, 1818; gest. Gran/Esztergom, Ungarn, 1893) erlernte das Handwerk in Prag bei Jan Horák, übernahm 1844 in Pest das Geschäft des Instrumentenbauers Keresztély Juul und führte es ab 1848 unter eigenem Namen. Er belieferte 1848–49 die ung. Honvéd mit Blechblasinstrumenten und Trommeln, ab 1850 auch verschiedene Musikinstitutionen. József S. produzierte Holzund Blechblasinstrumente, 1858 erhielt er auch eine Befugnis für Geigenbau. Der Sohn von Vencel J. S., Károly (Karl) S. (geb. Budapest, 1879; gest. 1940), übernahm 1923, nach dem Tod seines Vaters, die Leitung der Fa. und modernisierte den Betrieb, wobei der Schwerpunkt weiterhin in der Herstellung des Cimbalom lag. Sein Versuch (1927), die Produktion auch auf Klaviere und Pianinos auszubauen, endete 1931 jedoch mit dem Bankrott der Fa.

W.: A cimbalom multja, jelene és jövője (Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Cimbalom), 1884; A cimbalom története (Geschichte des Cimbalom), 1906; usw.
L.: Das geistige Ungarn; M. Életr. Lex.; Pallas; Révai; Zenei Lex. II; Neue Musikal. Presse 5, 1896, n. 39 (mit Bild); The New Grove Dictionary of Musical Instruments, hrsg. von S. Sadie, (1984) (s. u. Cimbalom bzw. Tárogató); Lex. Confectorum Instrumentorum Regionis Ciscarpatianae/Musikinstrumentenbauer …/Hangszerkészítök …/Výrobcovia hudobných nástrojóv … 1500–1918, im Druck; Biograph. Materialien, Magyar Nemzeti Múz., Budapest, Ungarn, und Materialensmlg. ÖBL.
(E. Duka-Zólyomi)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 11 (Lfg. 54, 1999), S. 371
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