Schustala, Ignaz d. J. (1862-1914), Fabrikant

Schustala Ignaz d. J., Fabrikant. Geb. Nesselsdorf (?), Mähren (Kopřivnice, Tschechien), 3. 3. 1862; gest. Nesselsdorf, 27. 9. 1914. Sohn von Ignaz S. d. Ä. (s. d.), Bruder von Adolf S. (s. u. Ignaz S. d. Ä.). S. ging nach Abschluß seiner Stud. nach Paris, um bei einer Pferdewagenbaufa. zu praktizieren, und arbeitete dann als Leiter des Equipagenbaus in der väterl. Wagenfabrik „Schustala & Comp.“ in Nesselsdorf, zu deren Prosperität er wesentl. beitrug. Da er jedoch die nach Umwandlung der Fa. in eine AG verfolgte neue Unternehmenspolitik nicht mittragen konnte bzw. wollte, schied er – wie seine Brüder – Mitte der 90er Jahre aus dem Betrieb aus. 1905 kaufte er die Nesselsdorfer Tonwarenfabrik, die bis 1899 seinem Schwager, Adolf Raschka d. J. – dessen Vater Adolf Raschka d. Ä. war Mitbegründer der Fa. Schustala & Comp. – gehört hatte. S., nunmehr wieder Eigentümer-Unternehmer, konnte der wenig florierenden Tonwarenfabrik das nötige Kapital zuführen, wodurch die Einrichtung einer neuen Hafnerwerkstätte, die Verbesserung der Ofenherstellung und der Einsatz neuer Maschinen mögl. gemacht wurden. 1909 wurde neben der Kachel- die Wandfliesenerzeugung aufgenommen, schließl. ein neues Gebäude mit zwei Brennöfen errichtet. Die Produkte der Fa. wurden innerhalb der Österr.-ung. Monarchie und nach Rumänien abgesetzt, jedoch brachten die Balkankriege und insbes. der Erste Weltkrieg dem Unternehmen beträchtl. Einbußen und einen Geschäftsrückgang. Nach S.s frühem Tod ging die Leitung der Fa. an seinen Bruder Adolf S., den Vormund seiner beiden Töchter, und an Adolf Raschka d. J., nach Adolf S.s Tod an diesen allein über, nach Ausscheiden Raschkas an den Schwiegersohn S.s, Ernst Richter, der die Tonwarenfabrik bis 1945 führte.

L.: Dt. Volksztg. für den Neutitscheiner Kr., 29., 30. 9. 1914; Mähr.-schles. Correspondent, 30. 9. 1914; G(ertrud) S(chustala), in: Das Kuhländchen, Geschichts- und Kulturbilder aus alter und neuer Zeit 10, 1929, S. 154; H. Seper, in: Bll. für Technikgeschichte, H. 23, 1961, S. 43; G. Schustala, in: Kuhländer Heimatkal., 1964, S. 104; Das Kuhländchen. Die Geschichte und Geschichten einer dt. Landschaft 29, 1986, S. 34f.
(J. Mentschl)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 11 (Lfg. 54, 1999), S. 383
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