Schuster von Bonnott, Rudolf Frh. (1855-1930), Beamter, Bankier und Minister

Schuster von Bonnott Rudolf Frh., Beamter, Bankier und Minister. Geb. Pest (Budapest, Ungarn), 12. 4. 1855; gest. Wien, 31. 5. 1930. Sohn von Ferdinand S. v. B. (s. u. Maximilian S. v. B.), Bruder von Maximilian (s. d.) und Gustav S. v. B. (s. u. Maximilian S. v. B.), verehel. mit Johanna, geb. Wittek, der Schwester des Handels- und Eisenbahnmin. Heinrich Ritter v. Wittek. S. absolv. das Schottengymn. in Wien und stud. bis 1877 Jus an der Univ. Wien, 1878 Dr. jur. Schon 1877 trat er als Konzipient bei der Finanzprokuratur in den Staatsdienst und war ab 1882 in der Abt. für administrative Rechtsangelegenheiten im Handelsmin. tätig, der er ab 1896 als Abt.Leiter vorstand. Daneben war er jurist. Vertreter des Handelsmin. und ständiger Referent des Patentgerichtshofs. 1900 Reg.Rat, übernahm er 1901 die Leitung der administrativen Abt. für den Wasserstraßenbau, organisierte die Wasserstraßenbaudion. und war u. a. für die Planung des Donau-Oder-Kanals verantwortl.; 1903 Sektionschef. 1905 wechselte S., der zuvor schon dem Beirat für Postsparkassa-Angelegenheiten angehört hatte, zur Österr. Postsparkasse und wurde dort zunächst zum Dir. bestellt, 1910 erhielt er den Titel Gouverneur. Unter seiner Leitung entwickelte sich die Postsparkasse zu einem Inst. ersten Ranges, das durch die Einführung des internationalen Überweisungsverkehrs auch im Ausland als solches anerkannt war und infolge umfangreicher Transaktionen mit Staatsanleihen eine bes. Stellung im österr. Finanzwesen einnahm. 1912 wurde S. zum Handelsmin. im Kabinett Stürgkh berufen, kehrte jedoch 1915 in die Postsparkasse zurück und blieb dort bis zu seiner Demissionierung 1926, die vom Postsparkassenskandal, bei dem das Inst. aufgrund von Fehlspekulationen riesige Verluste erlitten hatte, überschattet war. S. galt als ausgez. Jurist mit umfassendem theoret. Wissen und treffendem Urteil. Auch der Kunst aufgeschlossen, gehörte er zu den Gründungsmitgl. der Wr. Konzerthausges. (1908). 1911 Geh. Rat, wurde S. 1915 anläßl. seines Ausscheidens aus dem Min.Amt in den Frh.Stand erhoben.

W.: Commentar zum Gesetze über das Verfahren ausser Streitsachen, 4. Aufl. 1894. – Hrsg.: Die Rechtsurkunden der österr. Eisenbahnen. Smlg. der die österr. Eisenbahnen betreffenden Specialgesetze, Concessions- und sonstigen Rechtsurkunden, gem. mit. A. Weeber, 3 Bde., 1892–98; usw.
L.: Neues Wr. Journal, 11. 9. 1920; N. Fr. Pr., Wr. Neueste Nachrichten, 23. 9. 1926; N. Fr. Pr., RP, 1. 6. 1930; W. G. Wieser, in: 100 Jahre im Dienste der Wirtschaft 1, 1961, S. 432f. (mit Bild); M. Wagner – P. Tomanek, Bankiers und Beamte. 100 Jahre Österr. Postsparkasse, 1983, S. 28, 31, 34, 36, 38f., 46; G. Wagner – M. Wagner, in: Stillstand ist Rückschritt, hrsg. von R. Löffler und M. Wagner, 1986, S. 9ff.; P. Eigner u. a., Gesicherte Tagfertigkeit. Arbeitsproduktivität und Technikeinsatz in der Österr. Postsparkasse 1883–1988, 1989, s. Reg.; Großdt. Parteiachiv im AdR, UA, beide Wien.
(M. Wagner-Pinter)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 11 (Lfg. 54, 1999), S. 399f.
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