Schuster, Heinrich (1857-1931), Schriftsteller und Lehrer

Schuster Heinrich, Schriftsteller und Lehrer. Geb. Alzen/Alcina, Siebenbürgen (Alţina, Rumänien), 29. 7. 1857; gest. Sibiu/Hermannstadt (Rumänien), 17. 2. 1931. Sohn eines aus einer Schulmeisterund Predigerfamilie stammenden Dorfnotärs und einer Bauerntochter, die eine kleine Landwirtschaft betrieb; evang. AB. Nach Besuch des Gymn. in Hermannstadt/Nagyszeben (Sibiu) stud. S., dessen Vater inzwischen gestorben war, unter schwierigen materiellen Bedingungen 1877–79 klass. Philol. an der Univ. Wien, ab 1878 auch evang. Theol. 1881 in seine Heimat zurückgekehrt, war er 1882–86 Rektor an der Volksschule in Reußmarkt/Szerdahely (Miercurea Sibiului), 1886–1904 Gymn.Lehrer für Latein, Dt. und Religion, zeitweise auch für Geschichte, Geographie und Turnen in Sächs.-Reen/Szászrégen (Reghin). Aus dieser Periode, in der er sich – wie auch bereits in Reußmarkt – verstärkt im Ver.-Leben engagierte, stammen wiss. und publizist. Arbeiten zu Schulfragen, hauptsächl. veröff. in den Gymnasialprogrammen seines Gymn., sowie Erz., die v. a. in der Ztg. „Siebenbürgisch-Deutsches Tageblatt“ und in Kal. erschienen. 1904–09 war er Pfarrer in Alzen, trat hier als Förderer des Ver.- und Genossenschaftslebens hervor und veröff. 1905 seinen einzigen Roman, „Martin Alzner“. 1909 kehrte er jedoch wieder in den Lehrberuf zurück und war bis 1927 Rektor des Gymn. in Mühlbach/Szászsebes (Sebeş). In dieser Zeit beschäftigte sich S. vorwiegend mit pädagog. und sozialen Fragen. Danach lebte er i. R. in Hermannstadt; 1927 erschien noch eine letzte Erz., „Michel“. Als Schriftsteller vertritt S. ähnl. wie Michael Albert und Johann Plattner (beide s. d.) den Dorfrealismus. Da sein Werk in der Zeit der in Siebenbürgen aufkommenden Moderne erschien, fand es allerdings nur wenig Beachtung. Sowohl in seinen Dichtungen als auch in seinen journalist.-publizist. Arbeiten analysiert S. die ökonom. Realitäten im siebenbürg. Dorf des ausgehenden 19. Jh. und äußert sich als Befürworter des Fortschritts, den er in seinem Roman mit den bewahrenden Kräften zusammenprallen läßt. Familiengeschichte wird zum Ges.-Fresko in bester realist. Tradition, ohne daß das Dorfleben idealisiert oder das städt. Leben herabgemindert wird.

W.: Gymn. oder Bürgerschule. Ein Beitr. zur Beleuchtung unseres Schulwesens, in: FS zur Feier der Einweihung des neuen Gymnasialgebäudes in Sächs.-Reen …, 1893; Der Dorflump, in: Kronstädter Kal. …, 1902; Aus der Dorfstraße, in: Siebenbürg.-Dt. Tagebl., 3. 3. – 1. 4. 1903; Martin Alzner, ebenda, 2. 1. – 1. 4. 1905, selbständig 1905, Neuausg., hrsg. von M. Markel (= Kriterion-Bücherei 11), 1976 (mit Bildern, Nachwort und Lebenschronik inkl. Werksverzeichnis); Unsere Auswanderung, in: Siebenbürg.-Dt. Tagebl., 3. – 9. 7. 1907; Unsere Lehrlingsfrage, ebenda, 10. – 15. 11. 1911; Die Mühlbacher Schulen … 1783–88, in: Archiv des Ver. für siebenbürg. Landeskde., NF 40, 1921, H. 3; Michel, in: Siebenbürg.-Dt. Tagebl., 27. 11. – 15. 12. 1927; usw.
L.: Siebenbürg.-Dt. Tagebl., 19. 8. 1927 und 19. 2. 1931; M. Markel, in: Hermannstädter Ztg., 19. 2. 1971; Brümmer; Kosch, 3. Aufl.; Trausch, s. Reg.; M. Markel, in: Transsylvanica I. Stud. zur dt. Literatur aus Siebenbürgen, hrsg. von demselben, 1971, S. 11ff. (mit Schriftenverzeichnis); ders., in: H. S., Martin Alzner, hrsg. von M. Markel (= Kriterion-Bücherei 11), 1976, S. 345ff.; Die Literatur der Siebenbürger Sachsen in den Jahren 1849–1918, red. von C. Göllner und J. Wittstock, 1979, s. Reg. (mit Bild); Lex. der Siebenbürger Sachsen, hrsg. von W. Myß, 1993; UA Wien.
(B. Tontsch)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 11 (Lfg. 54, 1999), S. 387
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