Schuster, Joseph (1812-1890), Maler

Schuster Joseph, Maler. Geb. Grätz, Schlesien (Hradec, Tschechien), 17. 6. 1812; gest. Wien, 15. 3. 1890. Sohn eines Zuckerbäckers, Neffe des Schauspielers Ignaz S. (s. d.). S. sollte nach dem Besuch der Realschule und den zwei ersten Gymnasialkl. den Beruf seines Vaters, der damals Zuckerbäcker beim Fürsten Johann Liechtenstein war, ergreifen. Mössmer (s. d.), der der Tochter des Fürsten Zeichenunterricht gab, erkannte aber S.s Talent und bewirkte, daß dieser 1827–29 unter Sebastian Wegmayer und ihm selbst die Landschaftsschule an der Wr. Akad. der bildenden Künste besuchen konnte. Anschließend arbeitete S. bis 1836 bei dem Fürsten Liechtenstein, bis 1848 bei dessen Witwe. Erst dann scheint sich S. ausschließl. der Malerei gewidmet zu haben. Bei einem Kuraufenthalt in Gastein (Bad Gastein) lernte er Erzhg. Johann (s. d.) kennen, der ihn in der Folge mit Aufträgen zur Darstellung der Alpenflora – welche fortan das Hauptthema in S.s Arbeit wurde – betraute. Zum ersten Mal stellte er 1834 auf der Jahresausst. der Akad. zu St. Anna aus, ab 1852 regelmäßig im Österr. Kunstver., auf den Wr. Internationalen Kunstausst. sowie auf der Wr. Weltausst. (1873); 1862 Mitgl. der Genossenschaft der bildenden Künstler Wiens (Künstlerhaus). Laut Wurzbach hat S. bis zur Mitte der 60er Jahre 315 Bilder geschaffen; die Bilder seien so begehrt gewesen, daß Besteller zwei bis drei Jahre Wartezeit in Kauf nehmen mußten. S. schuf neben den Blumenbildern, die in unmittelbarer Nachfolge Franz Xav. Petters (s. d.) zu sehen sind, Arrangements von Alpenblumen meist im landschaftl. Kontext – nicht unähnl. Th. Petter (s. d.) – aber auch Stilleben, einzelne Landschaften und Tierdarstellungen, wobei seine Malweise von größter Genauigkeit des Details gekennzeichnet ist. S.s Tochter Adele, verehel. Glinkiewicz, erhielt Malunterricht bei ihrem Vater und war in der Folge ebenfalls als Blumenmalerin tätig; ab 1865 war sie auf Ausst. mit Darstellungen von Alpenblumen vertreten.

W.: Alpenblumen (Österr. Galerie, Wien); Alpenblumen (Nö. Landesmus., St. Pölten); Rebhuhn (Oö. Landesmus., Linz, Smlg. Kastner); usw.
L.: N. Fr. Pr. und Wr. Ztg., 15. (beide Abendausg.), NWT, 16. 3. 1890; Bénézit; Fuchs, 19. Jh.; Thieme– Becker; Wurzbach; F. v. Boetticher, Malerwerke des 19. Jh. 2/2, 1898; R. Schmidt, Das Wr. Künstlerhaus …, 1951, S. 37; Die Smlg. Kastner 2: Die Kunst des 19. Jh., bearb. von L. Schultes (= Kat. des Oö. Landesmus. 113), Linz 1997, S. 372; Archiv der Akad. der bildenden Künste, Wien.
(G. Frodl)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 11 (Lfg. 54, 1999), S. 392f.
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