Schustermann, Adolf (1861-1935), Verleger

Schustermann Adolf, Verleger. Geb. Wieliczka, Galizien (Polen), 28. 12. 1861; gest. Strausberg, Dt. Reich (Dtld.), 11. 6. 1935. Bruder von Josef S. (s. u.), verehel. mit Flora S., geb. Ettisch (geb. 6. 10. 1869; gest. KZ Theresienstadt, Protektorat Böhmen und Mähren/Terezín, Tschechien, 16. 10. 1942); mos. S. eröffnete 1893 in Berlin einen „Adressen-Verlag und Zeitungs-Nachrichten-Bureau“. Das Unternehmen entwickelte sich sehr erfolgreich und nahm bald einen solchen Aufschwung, daß es etwa 1.902 Kat. über 8.000 Branchen mit Adressen „aus allen Teilen der Welt“ anbieten und für seine Nachrichtenvermittlung auf Verbindungen mit gleichartigen Inst. in Wien, Budapest, Paris, London, Genf und New York hinweisen konnte. Nach der Jh.Wende trat S.s Bruder, Josef S. (geb. 26. 2. 1875; 1942 nach Trawniki, Generalgouvernement/heute Polen, deportiert und ermordet), als Mitinhaber in die Fa. ein, machte sich jedoch später selbständig und betrieb einen eigenen Adressenverlag. S.s Unternehmen wurde 1937 in eine GmbH umgewandelt und hatte – unter seinem Namen – noch bis 1942 Bestand, seit 1941 mit dem Zusatz „Vereinigte Büros für Zeitungsausschnitte GmbH“, während die Fa. von Josef S. unter der Leitung eines Richard Scholz bis 1940 existierte. Die Biographie S.s ist die eines für Berliner Verhältnisse typ. jüd. Aufsteigers aus Galizien, eines Kaufmanns im mittelständ. Bereich, der aufgrund seiner Tüchtigkeit weitergekommen war und die wirtschaftl. Gefährdungen der Inflationszeit so umschiffen konnte, daß seine Fa. noch zehn Jahre später florierte. S. spielte auch eine Rolle im jüd. Leben Berlins, so im Vorstand der Synagoge Kottbusser Ufer und als Mitgl. der Misrachi.

L.: Berliner Adreßbuch, 1893–1943; J. Walk, Kurzbiographien zur Geschichte der Juden 1918–45, 1988; Gedenkbuch Berlins der jüd. Opfer des Nationalsozialismus, 1995; Friedhof der Jüd. Gmd., Berlin, Dtld.
(H. Jacob)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 11 (Lfg. 54, 1999), S. 400f.
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