Schwab, Adolf (1833-1897), Großindustrieller und Politiker

Schwab Adolf, Großindustrieller und Politiker. Geb. Prag, Böhmen (Praha, Tschechien), 14. 4. 1833; gest. Wien, 19. 1. 1897. Sohn eines Kaufmanns; mos. Nach Besuch des Gymn. wandte sich S. dem kaufmänn. Beruf zu und arbeitete im Baumwollweberbetrieb seines Onkels mit. 1860 gründete er mit seinem jüngeren Bruder Gottlieb S. in Prag die Fa. „Brüder Schwab“, die sich mit Gewebe- und Garnhandel befaßte. 1867 richteten sie in Johannesberg (Joanov nad Nisou) eine mechan. Kattunweberei ein. Nach dem Ausscheiden Gottliebs 1874 führte S. das Unternehmen unter seinem Namen zuerst allein, dann gem. mit seinen Söhnen Felix S. (geb. Prag, 20. 8. 1858; gest. Wien, 22. 1. 1922) und Dr. Albert S. (geb. Prag, 1. 1. 1863; gest. Wien, 15. 5. 1914) weiter. Nachdem der Betrieb in Johannesberg abgebrannt war, erwarb S. wegen der günstigeren Bahnverbindung 1874 die Fabrik Hammerstein in Machendorf (Machnín) und richtete sie als Baumwollweberei zur Herstellung glatter Kattune für Druckzwecke, später auch roher gemusterter Ware ein. Da die Handweberei nicht mehr konkurrenzfähig war, mußte der Zwischenhandel mit Garnen aufgelassen werden, daher auch 1886 die Niederlassung in Prag. Hingegen wurde Anfang der 80er Jahre eine eigene Spinnerei eingerichtet, vorerst für Ketten-, später auch für Schußgarne. 1892 und 1895 wurde die Fabrik vergrößert, 1898 wurden etwa 600 Arbeiter und Angestellte beschäftigt. 1911 wurde die Hammersteiner Weberei und Spinnerei als AG mit Sitz in Wien registriert, 1936 erfolgte die Fusion mit der Theresienthaler Baumwollspinnerei und Weberei AG. Neben seiner unternehmer. entwickelte S., der u. a. auch im Verband der Baumwollindustriellen Österr. als Obmann-Stellv. agierte, eine umfassende polit. Tätigkeit: Ab 1861 Mitgl. des Vorstands der Prager Kultusgmd. und des Prager Stadtverordneten-Collegiums, wurde er 1865 auch in den Stadtrat gewählt, dem er bis 1871, dem Ausscheiden der Dt. aus der Prager Stadtvertretung, angehörte. 1870 wurde er Mitgl. der Prager Handelskammer, 1873 Beisitzer des Prager Handelsgerichts. 1873–85 vertrat er die Prager Handels- und Gewerbekammer im Reichsrat und gehörte als deren Delegierter auch dem Staatseisenbahnrat an. Als sich auf Grund einer neuen Wahlordnung in der Prager Kammer die tschech. Mehrheit durchgesetzt hatte, wurde ihm 1885–97 ein Mandat von der Reichenberger Kammer übertragen. Im Abg.Haus schloß sich S. dem Dt.-Österr. Club, dann dem Club der Vereinigten Linken an, war dort einer der Führer der Dt.Böhmen und befaßte sich als anerkannter Fachmann bes. mit Fragen der Eisenbahnpolitik, wobei er für die Verstaatlichung der Eisenbahnen eintrat.

W.: Die Stellung und der Wirkungskreis des Staatsrechnungshofes in Oesterr., 1897.
L.: NWT (auch Abendausg.), N. Fr. Pr., Reichenberger Ztg., Wr. Ztg. (Abendausg.), 20. 1. 1897; Großind.Österr. I, Bd. 4, S. 260f.; Hahn, 1873, 1879, 1885, 1891; Das Parlament, hrsg. von A. Eckstein, 8. Lfg., 1881 (mit Bild); Die Ind. 2, 1897, n. 4, S. 7f.; F. Hantschel, Biographien dt. Industrieller aus Böhmen, 1918; Mitt. des Ver. für Heimatkde. des Jeschken-Isergaues 21, 1927, S. 151; WStLA Wien; Mitt. Adolf Gaisbauer, Wien.
(J. Mentschl)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 11 (Lfg. 54, 1999), S. 402
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