Schwab, Johann von (1846-1920), Offizier

Schwab Johann von, Offizier. Geb. Tattenitz, Mähren (Tatenice, Tschechien), 2. 3. 1846; gest. Wien, 28. 3. 1920. Sohn eines Invalidenkorporals. Nach Besuch verschiedener Erziehungshäuser, zuletzt in Kaschau/Kossice (Košice), absolv. S. 1861–63 die Art.Schulkomp. in Olmütz (Olomouc) und 1863–67 die Art.Akad. 1866 trat er als Lt. beim Feldart.Rgt. 9 ins Heer ein, besuchte 1869–71 den höheren Art.Kurs und stud. 1871–73 Chemie und chem. Technol. am Polytechn. Inst. (Techn. Hochschule) in Wien. Bis 1875 versah S. Komp.Dienst und betreute danach die Agenden Chemie und Pulverwesen im techn. und administrativen Militärkomitee. 1877–78 lehrte er auch als Prof. chem. Technol. am höheren Art.Kurs, 1878–83 Chemie und chem. Technol. am Intendanzkurs und war überdies seit 1875 Mitgl. der ständigen Sprengmitteluntersuchungskomm. Seit 1878 Hptm., wurde S. 1883 zur Pulverfabrik Stein (Kamnik) bei Laibach versetzt, wo er zunächst als Adlatus des Kmdt. das chem.-techn. Laboratorium führte, ehe er 1886 die Leitung der Fabrik übernahm, deren Produktionsniveau er merkbar steigern konnte. Bes. Verdienste erwarb sich S. um die Einführung und Entwicklung des rauchlosen Schießpulvers in Österr. Schon 1885 hatte er mit ersten Versuchen begonnen, die dann ab 1888 in der Preßburger Schieß- und Sprengmittelfabrik der Dynamit Nobel AG im Hinblick auf fabriksmäßige Produktion fortgeführt wurden. 1888 Mjr.; 1889 unternahm er mehrere Forschungsreisen, die ihn u. a. nach Paris führten, wurde im selben Jahr seines Kmdo. in Stein enthoben und zum techn. und administrativen Militärkomitee transferiert, um die Entwicklung des Schießpulvers weiter voranzutreiben. Nach seinen Vorgaben wurde 1889–90 in der Preßburger Fabrik von Dynamit Nobel dieses rauchlose Schießpulver produziert, das 1890 als „Gewehrpulver M 90“ in Österr. eingeführt und permanent weiter verbessert wurde und schließl. auch ausschlaggebend für den Bau der Pulverfabrik Blumau war, deren Errichtung unter S.s Führung bewerkstelligt wurde und deren Leitung er als Kmdt. ab 1891 innehatte. 1891 Obstl., wurde er 1895 als Obst. zum Dir. dieser Fabrik ernannt, die er durch die Übernahme einer Nitrozellulosefabrik (1894) sowie den Bau einer Nitroglycerin- und einer Salpetersäure- und Dynamitfabrik (1895–97) allen Anforderungen der Heeresverwaltung entsprechend erweitern konnte. Ferner war er als Mitgl. der 1896 gebildeten Feldgeschützkomm. in den folgenden Jahren maßgebl. an der Modernisierung der Art. beteiligt. 1900 rückte S. zum GM und 1905 zum FML auf und wurde 1906 zum Dir. des Art.- Arsenals in Wien ernannt. Daneben gehörte er auch dem Kuratorium des Heeresgeschichtl. Mus. an. 1910 trat S. i. R., 1911 wurde er, nachdem er zuvor bereits mehrfach dekoriert worden war, nob.

L.: Oesterr. Wehrztg., 31. 3. 1920; AVA, KA, Archiv der Techn. Univ. Wien, alle Wien.
(Ch. Mentschl – J. Mötz)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 11 (Lfg. 54, 1999), S. 404f.
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