Schwarz, Eduard (Ede) (1831-1862), Anthropologe und Forschungsreisender

Schwarz — Eduard (Ede), Anthropologe und Forschungsreisender. Geb. Miskolcz (Miskolc, Ungarn), 13. 9. 1831; gest. Wien, 22. 9. 1862. Sohn eines verarmten Kaufmanns; mos. Bereits als Einjähriger mit seiner Familie nach Pest (Budapest) gekommen, besuchte S. ab 1845 das dortige Piaristengymn., wobei er gezwungen war, durch Privatunterricht zum Lebensunterhalt seiner Eltern beizutragen. Während der revolutionären Ereignisse von 1848 soll er auf seiten der Aufständ. gekämpft haben. S. übersiedelte jedenfalls noch im gleichen Jahr zu seinem Onkel nach Prag, wo er das Gymn. abschloß. Nach Pest zurückgekehrt, begann er dort sein Med.Stud., das er ab 1851 an der Univ. Wien fortsetzte, wo er u. a. Hyrtl (s. d.) zu seinen Lehrern zählte. 1856 Dr. med. und Dr. chir., wurde er im selben Jahr am Wr. Allg. Krankenhaus als Ass.Arzt angestellt. Als man 1857 einen Schiffsarzt für die erste österr. Weltumsegelung mit der Fregatte Novara suchte, wurde S. auf Fürsprache des Ethnographen K. v. Scherzer (s. d.) ausgewählt. Während dieser Forschungsfahrt (1857–59) tätigte er v. a. anthropolog. Stud., indem er nach einem ausgeklügelten System zahlreicher Parameter eine große Anzahl von Eingeborenen vermaß, um daraus „rassenkundliche“ Schlüsse zu ziehen. Mit den zu diesem Zweck von ihm konstruierten Meßinstrumenten hat S. später die Londoner Weltausst. (1862) beschickt. Zudem tat er sich auf dieser Forschungsfahrt als Sammler von naturwiss. Materialien hervor. Nicht weniger als 56 der insgesamt 110 in Wien einlangenden, für die k. Mus. bestimmten Kisten stammten von ihm. Die während der Forschungsfahrt gewonnenen Ergebnisse fanden in mehreren wiss. Werken ihren Niederschlag. 1861 unternahm S. mit Genehmigung von Erzhg. Ferdinand Maximilian (s. d.) eine wiss. Expedition nach Oberägypten, von wo er ebenfalls Materialien nach Wien sandte. Die Reise diente wohl auch dazu, seine Tuberkulosekrankheit auszuheilen, der er jedoch, ohne seine Materialien gänzl. ausgewertet zu haben, im 32. Lebensjahr zum Opfer fiel. Sein Hauptwerk, die wiss. Auswertung der Novara-Expedition, blieb Stückwerk, da der angekündigte 2. Bd. „Anthropologie“ nie erschien. Die Rezensionen zum 1. Bd. „Medicinischer Theil“ spalteten die Kritiker jedenfalls in zwei gegensätzl., stark polemisierende Parteien.

W.: Correspondenz von Sr. Maj. Fregatte „Novara“, in: Z. der k. k. Ges. der Ärzte zu Wien 14, 1858, n. 28–29; Über den Guinea-Wurm (Filaria medinensis), ebenda, 14, 1858, n. 31–32; Medicin. Bemerkungen über die allg. sanitären Verhältnisse der Cap-Halbinsel und der Capstadt, ebenda, 14, 1858, n. 40–44; Mitth. über Aerzte, Krankheiten und Medicamente der Tahitier, ebenda, 15, 1859, n. 34; Die Nahrungsmittel der Tahitier, ebenda, 15, 1859, n. 36; Chines. Aerzte und Medicamente, ebenda, 15, 1859, n. 38–43; Ueber Körpermessungen, als Behelf zur Diagnostik der Menschenracen, gem. mit K. Scherzer, in: Mitth. der k. k. Geograph. Ges. 3, 1859 (auch selbständig); Reise der österr. Fregatte Novara um die Erde in den Jahren 1857, 1858, 1859 unter den Befehlen des Commodore B. v. Wüllerstorff-Urbair 1, 1861; Novara expedition. Anthropology. A system of anthropometrical investigations as a means for the differential diagnosis of human races …, 1862; usw.
L.: N. Fr. Pr., 23. 9. 1909; Hirsch; Pallas; Szinnyei; Universal Jew. Enc.; Wininger; Wurzbach; Wr. Med. Ws. 12, 1862, Sp. 651f.; Allg. Illustrirte Judenztg. 3, 1862, S. 330ff. (mit Bild); I. Reich, Beth-El. Ehrentempel verdienter ung. Israeliten, 2. Aufl. 1868, Bd. 2, S. 382ff. (mit Bild).
(G. Winter)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 11 (Lfg. 54, 1999), S. 430
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