Schwarz, (Karl Leonhard) Heinrich (1824-1890), Chemiker

Schwarz — (Karl Leonhard) Heinrich, Chemiker. Geb. Eisleben, Preußen (Dtld.), 27. 1. 1824; gest. Eberswalde, Preußen (Dtld.), 15. 9. 1890. Evang. AB. Nach dem Besuch des Gymn. in Eisleben und später in Merseburg stud. S. 1843 zunächst an der Univ. Halle, wo er überwiegend naturwiss. Kollegien besuchte und im Laboratorium von Richard Felix Marchand analyt. Chemie betrieb. 1844 ging er an die Univ. Gießen, wo er unter der Leitung Justus v. Liebigs stud. Von dort begab sich S. an die Univ. Berlin, an der er im Laboratorium von Wilhelm Heinrich Heintz eine größere Arbeit über Fettsäuren ausführte, mit der er 1846 an der Univ. Halle zum Dr. phil. prom. wurde. Zur weiteren Ausbildung begab sich S. 1848 nach Paris, arbeitete im Laboratorium von Théophile Jules Pelouze und besuchte die Vorlesungen von Anselme Payen, Jean Baptiste Dumas u. a. 1849 habil. er sich für Gewerbechemie an der Univ. Breslau; dort hatte er auch ein Privatlaboratorium. Während der Ferien unternahm er Exkursionen nach England, Schottland, Belgien, Westfalen, Österr. und ins Elsaß. Ab 1855 bekleidete S. hervorragende Stellungen bei verschiedenen Unternehmungen. So war er Dir. von Glashütten in England, leitete eine Glashütte und eine Schamotte- und Tonwarenfabrik in Saarau (Żarów) sowie den Bau und Betrieb einer großen Photogenfabrik in Sachsen, womit er dort zum Begründer der Photogen-Paraffin-Ind. wurde. 1857 begründete S. ein polytechn. Büro in Breslau (Wrocław), durch das er mit zahlreichen industriellen Kohlebetrieben in Kontakt trat. Nachdem er 1857 wieder als Priv.Doz. an die Univ. Breslau zurückgekehrt war, wurde S. dort 1863 eine ao. Professur für Gewerbekde. verliehen. 1865 erfolgte seine Berufung als o. Prof. für chem. Technol. an die landschaftl. Techn. Hochschule in Graz. In dieser Funktion verblieb er bis wenige Monate vor seinem Tod. Während seiner Grazer Zeit fungierte S. ab 1886 als Präses der 2. Staatsprüfungskomm. für das chem.-techn. Fach und war im Stud.Jahr 1876/77 Rektor. S., dessen wiss. Arbeitstätigkeit sich auf alle Bereiche der chem. Technol. erstreckte, war auch Erfinder der Schwefelung der Bleiröhren. Zudem trat er als Red. verschiedener chem. und techn. Z. hervor, veröff. zahlreiche Beitrr. in naturwiss., aber auch populärwiss. Publ.Organen und hielt zahlreiche Vorträge im naturwiss. Ver. für Stmk. 1885 erhielt S. für chem. Arbeiten über venetian. Mosaikgläser einen vom Ver. zur Beförderung des Gewerbefleißes in Preußen ausgeschriebenen Preis und die große silberne Anerkennungsmedaille. S. war Ehrenmitgl. des Breslauer Gewerbever. und der landwirtschaftl. Ges. zu Breslau, korr. Mitgl. der schles. Ges. und der russ. Ges. der Naturforscher in Moskau, Mitgl. der dt. chem. Ges., Vorstand des Polytechn. Clubs und der Stmk. naturwiss. Ges. in Graz.

W. (s. u. in Poggendorff): Ueber Palmitonsäure und Palmitinsäure, in: Annalen der Chemie und Pharmacie 60, 1846; Ueber die Maass-Analysen, 1849; Prakt. Anleitung zu Maaßanalysen (Titrier-Methode) bes. in ihrer Anwendung auf die Bestimmung des techn. Werthes der chem. Handelsproducte …, 1849, 2. Aufl. 1853; Die Chemie und Ind. unserer Zeit oder die wichtigsten Fabrikationszweige nach dem Standpunkte der heutigen Wiss., 3 Bde., 1857–65; Die Fettwaaren und die Producte der trockenen Destillation (= Officieller Ausst.-Ber. [der Wr. Weltausst.] 4), 1873; Stoff und Kraft in der menschl. Arbeit oder die Fundamente der Production, 1885; Venetian. Mosaikgläser, Analysen und Synthesen, 1885; Glasstud., 1887; usw.
L.: Tagespost (Graz), 17., Grazer Volksbl., 18. 9. 1890; Poggendorff 2–4; Archiv der Techn. Univ. Graz, Stmk. LA, beide Graz, Stmk.; AVA Wien; UA Gießen, UA Halle, Kreisarchiv Barnim, alle Dtld.
(M. Vesulak)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 11 (Lfg. 54, 1999), S. 437f.
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