Schwarz, Ludwig Franz (1833-1910), Pfarrer

Schwarz — Ludwig Franz, Pfarrer. Geb. Melk (NÖ), 31. 7. 1833; gest. Gallneukirchen (OÖ), 14. 5. 1910. Bruder des Ernst Matthias S. (s. d.); evang. AB. S. besuchte das Stiftsgymn. in Melk und danach das Gymn. des Theresianums in Wien und stud. 1853–55 evang. Theol. in Wien, dann in Leipzig und Jena. Er arbeitete als Hauslehrer in Ungarn und wurde nach dem Examen 1861 erster Pfarrer in Naßwald (NÖ), 1863 Pfarrer in Görz (Gorizia), wo er 1867 Cécile Escher (geb. Triest/Trieste, Italien, 1840; gest. Gallneukirchen, 9. 8. 1905) heiratete. In Görz wurde er durch die Lektüre der Biographie des Urhebers der sog. Allgäuer Erweckungsbewegung, Martin Boos, auf die kleine evang. Gmd. in Gallneukirchen (wo Boos 1806–15 kath. Pfarrer gewesen war) aufmerksam und nahm 1871 den Ruf als „ständiger Vikar“ der Linzer Filialgmd. Gallneukirchen-Weikersdorf an. Nach der Verselbständigung der Gmd. 1872 wurde S. 1873 als ihr erster Pfarrer installiert. Im selben Jahr noch gründete er die „Waisen- und Rettungsanstalt Weikersdorf“ und legte damit den Grund für die weitere diakon. Arbeit. 1874 wurde auf seine Initiative der Oö. Ver. für Innere Mission gegründet, der sich für die weibl. Diakonie nach der Art der Theodor Fliedner’schen Mutterhausdiakonie in Kaiserswerth (Düsseldorf) einsetzte. Die ersten österr. Diakonissen, in Stuttgart ausgebildet, wurden 1877 eingesegnet, traten ihren Dienst in Gallneukirchen an und begründeten in der Folge das erste Diakonissenmutterhaus in Österr., das von S. geleitet wurde. Seine Frau, „die geistliche Mutter“ der Diakonissen, denen ab 1886 Elise Lehner (s. d.) vorstand, war ihm in allen seinen Aktivitäten wesentl. Helferin. 1880 zum Senior gewählt, erbaute er in den Jahren 1904–06 die evang. Kirche in Gallneukirchen. 1898 gab er die Leitung der Anstalten an Rektor Carl Julius Bauer ab, blieb aber Pfarrer bis 1908. S. kann mit Recht der Vater der evang. Anstaltsdiakonie in Österr. genannt werden, die er zusammen mit seinem Bruder Ernst Matthias, Theodor Zöckler in Stanislau (Stanisławów) u. a. zu einer wirkungsvollen Einrichtung gegen vielfältige soziale und geistl. Not im Bereich der Monarchie und in deren Nachfolgestaaten machte. 1898 wurde er Ritter des Franz-Joseph-Ordens, 1908 Dr. theol. h. c. der Evang.theol. Fak. in Wien.

L.: Tages-Post (Linz), 15. 5. 1910; Evang. Kirchen-Ztg.für Oesterr. 27, 1910, S. 174f.; Evang. Ver.Bl. aus OÖ 35, 1910, S. 47ff.; Illustriertes Österr.-Ung. Ehrenbuch. Almanach der Mitgl. des K.-Österr. Franz-Joseph-Ordens, (1909) (auch für Cécile S.); H. Jaquemar, Innere Mission, 1915, passim, bes. S. 26ff.; F. Saul, Gallneukirchen und Weikersdorf, 1933, S. 7, 16f., nach S. 56 (Bild); A. Katterfeld, Die erfüllte Prophezeiung, 1959, S. 11ff.; Auf dein Wort hin. 100 Jahre evang. Gmd./diakon. Arbeit Gallneukirchen, 1973; G. Traar, in: Eine Wolke von Zeugen, 2. Aufl. 1974, S. 195ff.; L. Temmel, Evang. in OÖ, 1982, S. 139ff.; W. Stritar, Auf Evang. Spuren im Ostarrichiland, 1996, S. 8f.; G. Wagner, 125 Jahre evang. Pfarrgmd. A. B. Gallneukirchen, 1997, S. 6ff.; UA Wien; Mitt. Evang. Diakonissen-Anstalt, Gallneukirchen, OÖ. – Cécile S.: Tages-Post (Linz), 15. und 17. 8. 1905; Evang. Ver.Bl. aus OÖ 30, 1905, S. 67ff.
(E. Hofhansl)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 11 (Lfg. 54, 1999), S. 447f.
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