Schwarz, Wenzel (1830-1892), Musikpädagoge und Komponist

Schwarz — Wenzel, Musikpädagoge und Komponist. Geb. Brunnersdorf, Böhmen (Prunéřov, Tschechien), 3. 2. 1830; gest. Wien, 7. 9. 1892. S. stud. ab 1851 Klavier bei Josef Jiránek, Franz Frömter und Josef Proksch (s. d.) an dessen Prager Musikbildungsanstalt, 1853 Orgel bei Pitsch (s.d.) an der Prager Orgelschule. 1864 eröffnete er in Wien 5 ein Musikinst. für Klavierspiel, das er bis 1888 nach dem Vorbild des Prager Unterrichtssystems führte. In seiner 1879 erschienenen Schrift über „Die Misère des Wiener Klavierunterrichts ...“, die unter dem Motto „Für den Fortschritt und das Können, gegen den Schwindel und das Nichtkönnen“ stand, prangerte S. die damalige Lage an. Er kämpfte v. a. gegen die Klavierlehrer-Schwemme und die aus ihr resultierende Oberflächlichkeit des Klavierspiels. Dieses müßte zusammen mit Harmonie- und Musiklehre jeweils von einem einzigen Lehrer unterrichtet werden, für jede Stufe sollte es einen eigenen Unterricht geben. S. war ein heftiger Gegner der „Reklamewirtschaft“ seines Konkurrenten E. Horak (s. d.) und wandte sich auch gegen die von Paul v. Janko (s. d.) erfundene und von der Fachwelt tw. mit Beifall aufgenommene Klaviatur. Zeitgenossen wie der dt. Klavierpädagoge Louis Köhler und der prominente Wr. Komponist, Chorleiter und Klavierpädagoge Rudolf Weinwurm schätzten seine tw. in mehreren Aufl. und in tschech. und ung. Ausg. erschienenen, „für Klavierlehrer, Schüler und solche, die Klavierlehrer werden wollen“ bestimmten theoret. Werke, die auch die theoret. Grundlagen der Klavier- und Musikausbildung mit einbezogen.

W.: Die Reform des Klavier-Unterrichts in Wort und Schrift, 1872; Die Musik- und Harmonielehre, progressiv geordnet, speciell für den sistemat. Klavierunterricht ..., 1872, 8. Aufl.: Allg. Musik- und Harmonielehre, bearb. von H. Protiwinsky, 1912; Die allg. und specielle Klavierunterrichts-Methode, 1873, mehrere Aufl. und Neubearb.; Die Misère des Wr. Klavierunterrichts, ihre Ursachen, Folgen und deren mögl. Abhilfe, 1879; Pädagog. Beweisgründe über die Nachtheile der P. v. Janko’schen Neuklaviatur, 1886; Kinder-Clavierschule, 2 He., (1886), 2. Aufl. 1888, auch ung.: Gyermek-zongora-iskola, o. J.; Große theoret.-prakt., systemat. geordnete Klavierschule (Hochschule), 3 Bde., o. J., mehrere Aufl., auch tschech.: Klavírní škola (Vysoka škola), o. J.; Hilfsliteratur zur Klavierschule mit Berücksichtigung des Volksliedes, 6 He., o. J. – Kompositionen: Lieder; Klavierstücke; usw.; s. auch: Universal-Hdb. der Musikliteratur, hrsg.von F. Pazdírek, 1904.
L.: Frank–Altmann, 15. Aufl.; Riemann, 11. Aufl.; Wurzbach 32, S. 323; J. Branberger, Das Konservatorium für Musik in Prag, 1911, S. 353; 150 let Pražské konservatoře, 1961, S. 51; M. Schneider, Stud. zu den Klavierschulen im dt.sprachigen Raum von 1885 bis 1900, phil. Diss. Wien, 1980, bes. S. 133ff.; H. Fleischmann, Das Musikschulwesen in der Stadt Wien in der ersten Hälfte des 19. Jh., phil. Diss. Wien, 1989, S. 117; B. Doblhamer, E. Horak 1838–92, DA Hochschule für Musik und darstellende Kunst Wien, 1990, s. Reg.; E. W. Partsch, in: Wr. Geschichtsbll. 47, 1992, S. 238.
(A. Harrandt)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 12 (Lfg. 55, 2001), S. 7f.
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