Schwathe, Hans (1870-1950), Bildhauer und Medailleur

Schwathe Hans (Taufname Johannes), Bildhauer und Medailleur. Geb. Strachwitzthal, Schlesien (Strachovičky, Tschechien), 28. 5. 1870; gest. Wien, 27. 10. 1950. Stammte aus ärml. Verhältnissen. Nach Besuch der Volksschule absolv. S. bis 1887 in Groß-Kunzendorf (Velké Kunětice) die Steinmetzlehre und besuchte anschließend bis 1890 die Schles. Landesfachschule für Marmorind. in Saubsdorf (Supíkovice). 1890–99 stud. er u. a. bei August Kühne und Otto König an der Wr. Kunstgewerbeschule. Nach einer Stud.Reise nach Italien (1897) ließ er sich in Wien nieder, erhielt aber anfangs nur unbedeutende Aufträge; erst ab 1903 wurde er in der Öffentlichkeit bekannter und sein materialgerechtes, überzeugendes Gestaltungsvermögen verhalf ihm bald zum künstler. Durchbruch. So arbeitete er in der Folge u. a. für die Schriftsteller Adam Trabert und R. Kralik v. Meyrswalden (s. d.) sowie für Lueger (s. d.). S.s Œuvre, bes. seine kunstgewerbl. Arbeiten, ist geprägt vom florealen Jugendstil; später sind auch Einflüsse der mittelalterl. Bildhauerei in seinem Werk bemerkbar.

W.: Franz Joseph, 1898 (Büste, Heeresgeschichtl. Mus., Wien); Schiller-Denkmal, 1905 (Tĕšín); Marienfigur für die Marienbrücke, 1908, Kardinal Gruscha-Denkmal, nach 1911 (Domkirche St. Stephan), Abraham a Sancta Clara-Denkmal, 1919 (Burggarten), Marienaltar, 1936 (Kirche St. Michael), (alle Wien 1); Grabdenkmäler; Porträts; Medaillen; usw.
L.: Die Presse und Wr. Ztg., 3. 11. 1950; Bénézit; Czeike; Groner; Thieme–Becker; Vollmer; J. Folnesics, in: Kunst und Kunsthandwerk 5, 1902, S. 265ff.; Die christl. Kunst 6, (1909–10), S. 96; E. Reichel, Johann II. Fürst v. u. z. Liechtenstein, (1932), S. 75f.; J. Ehrlich, in: Der Altvaterbote 3, 1950, S. 24f.; R. Teichl, Österr. der Gegenwart, 1951, S. 382; (G. Fochler), in: Altvater=Kal. ... 1962 ..., 1961, S. 95f. (mit Bild); H. Partisch, Österr. aus sudetendt. Stamme 1 (= Wissenschaftl. R. 5), 1961, S. 77; M. Pötzl-Malikova, Die Plastik der Ringstrasse. Künstler. Entwicklung 1890–1918 (= Die Wr. Ringstrasse 9/2), 1976, s. Reg.; FS 25 Jahre Mähr. Schles. Heimatmus. Klosterneuburg 1982, 1982, S. 18f.; Maler und Bildhauer aus Böhmen, Mähren, Schlesien und dem Beskidenland, Klosterneuburg 1986, S. 22ff. (Kat.); N. Nemetschke – G. J. Kugler, Lex. der Wr. Kunst und Kultur, (1990), s. Reg. (s. Schwanthe H.); Dt. Biograph. Enz. (DBE) 9, hrsg. von W. Killy und R. Vierhaus, 1998.
(G. Ludwig – M. Pötzl-Malikova)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 12 (Lfg. 55, 2001), S. 35f.
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