Schwechler, Karl (1869-1927), Journalist, Schriftsteller, Politiker und Theologe

Schwechler Karl, Journalist, Schriftsteller, Politiker und Theologe. Geb. Pola, Istrien (Pula, Kroatien), 20. 6. 1869; gest. Graz (Stmk.), 25. 4. 1927. Sohn eines Schneidermeisters. Nach Gymn.Besuch und Theol.Stud. in Graz sowie Priesterweihe (1892) war S. 1893 Kaplan in Murau, dann in Kindberg, wo er den Arbeiterver. gründete und an der Bildung des 1895 gegründeten Verbands der christl. Arbeiterver. beteiligt war. 1895 trat er in die Red. der „Reichspost“ in Wien ein, machte im Sommer 1899 eine Stud.Reise durch Dtld. und war bei der niederrhein. „Volkszeitung“ in Krefeld tätig. Von 1900 bis zu seinem Tod wirkte S. als Chefred. der 1868 gegründeten Tagesztg. „Grazer Volksblatt“, des Hauptorgans der steir. Katholiken, das er in den folgenden Jahren einerseits durch organisator. und techn. Maßnahmen, anderseits durch seine klaren, wegweisenden Artikel zu einem sehr geachteten Bl. machte, wobei er auch die Abonnentenzahl erhebl. steigern konnte. Vehement nicht nur die liberale, sondern auch die sozialdemokrat. Presse bekämpfend, dabei aber auch vom polit. Andersdenkenden als fairer Gegner geachtet, wollte S. die Grundsätze des Christentums auch für das öff. Leben zum Leitbild machen. Er versuchte, mit seinen Artikeln im „Grazer Volksblatt“ die kath. Ideale v. a. in Fragen der sozialen Wohlfahrt und der Gerechtigkeit zu propagieren. S., päpstl. Geheimkämmerer, der sich auch im kath. Ver.Wesen führend engagierte, war Mitbegründer der christlichsozialen Partei und des Jungsteirerbundes sowie Obmann des 1914 gegründeten Kath. Volksbundes, der 1924 ein Glied der Katholikenorganisation Österr. wurde. Als solcher war S. 1922 einer der Hauptinitiatoren des 3. Steir. Katholikentages. Neben seiner journalist. und organisator. Tätigkeit verf. S., der 1900–03 Volkswirtschaft und Statistik stud. hatte, eine Reihe von Abhh. über Kultur-, Partei- und Wirtschaftsfragen. Bes. sein Buch „60 Jahre Grazer Volksblatt“, 1926, gewährt über die Geschichte dieser Ztg. und ihrer Proponenten hinaus Einblick in die Kultur- und Geistesgeschichte der Stmk.

W.: Die städt. Hausdienstboten in Graz (= Veröff. des Statist. Seminars der Univ. Graz 1), 1903; Die österr. Sozialdemokratie. Eine Darstellung ihrer geschichtl. Entwicklung und Tätigkeit, 1907, 3. Aufl. 1908; Dt.Österr. und die christlichsoziale Partei, 1919; Die christlichsoziale Partei und unsere Zeit, 1921; usw.
L.: Grazer Volksbl., 1. 1. (Festbeilage, mit Bild), 25., 27. (beide Abendausg.), 28. 4. 1927, 1. 1. 1937 (Festbeilage, mit Bildern); Neues Grazer Tagbl., Tagespost (Graz), RP, 25., Arbeiterwille, 27. 4. 1927; R. Kohlbach, Kreuz und Feder, 1933, S. 240; K. M. Stepan, Stueckwerk im Spiegel, (1949), s. Reg.; F. Funder, Vom Gestern ins Heute, (1952), s. Reg.; A. Adler, Die christlichsoziale Bewegung in der Stmk. von den ständ. Anfängen bis zur Volkspartei, phil. Diss. Graz, (1956), s. Reg.; W. Sommer, Das „Grazer Volksblatt“ von 1880–1907, phil.Diss. Graz, 1972, s. Reg.; E. Walter, Österr. Tagesztg.der Jh.Wende, 1994, S. 80.
(N. Müller)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 12 (Lfg. 55, 2001), S. 36f.
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