Schweitzer, Leopold Albrecht (1815-1896), Journalist und Schriftsteller

Schweitzer Leopold Albrecht, Journalist und Schriftsteller. Geb. Neiße, Preußen (Nysa, Polen), 1. 2. 1815; gest. Klosterneuburg (NÖ), 9. 7. 1896. Vater von Josef S. (s. u.). Nach Besuch des Gymn. in Neiße stud. S. 1834–36 in Breslau (Wrocław) und 1836–37 in Berlin Jus (Doktorat nicht nach weisbar). 1837 wurde er Oberlandesgerichtsauskultator in Neiße, 1839 in Breslau und dort im selben Jahr Referendar. S. war befreundet mit den schles. Dichtern Joseph v. Eichendorff und Friedrich v. Sallet und bereits 1836 in Berlin Mitgl. des Literatenver. „Der Tunnel über der Spree“ und des jüngeren Berliner Dichterver. Er betätigte sich journalist. vorwiegend als Theaterkritiker („Theater-Figaro“, „Breslauer Zeitung“ 1840ff.), war nach seiner Rückkehr nach Breslau 1840–48 ausschließl. für die Presse tätig und wurde Mitarbeiter auch auswärtiger Z. (u. a. „Berliner Figaro“, „Berliner Modenspiegel“, „Der Gesellschafter“, „Der Pilot“). Ab 1845 war er Hrsg. bzw. Mithrsg. von mehreren Jgg. des „Breslauer Volks-Kalenders“ (bzw. „Deutscher Volkskalender“). In seinen Ged. bevorzugte S. Stoffe aus schles. Sagen. Pressegeschichtl. wichtig war seine Smlg. „Bestrebungen und Leistungen Breslauer Publizisten in den Jahren 1842, 1843 und 1844“ (60 Aufsätze, 1844), in der er die Möglichkeiten journalist. Arbeit nach Maßgabe der neuen Pressegesetzgebung absteckte und selbst mit einem bis hart an die Grenze gehenden Beitr. vertreten war. Das Buch wies ihn offenbar als für österr. Verhältnisse bes. geeigneten Ztg.Red. aus, der geschickt zwischen den Anliegen der Autoren und der Forderungen der Zensur im Sinne Sedlnitzkys v. Choltitz (s. d.) zu vermitteln verstand. Nach Wien geholt, übernahm S., der von Hebbel (s. d.) und Stifter geschätzt, von Hanslick (s. d.) hingegen sehr krit. gewertet wurde, nach kurzer Tätigkeit in der Red. der „Presse“, 1849, ab 1850 als verantwortl. Red. die „Wiener Zeitung“, die in der Zeit seiner Tätigkeit um die zusätzl. Organe „Abendblatt“ (1852–57), „Österreichische Blätter für Literatur und Kunst“ (1852–57) und die „Österreichische Wochenschrift für Wissenschaft, Kunst und öffentliches Leben“ (1863–65) erweitert wurde. S. war Reg.Rat im bes. Dienst des Min. des Inneren und wurde durch mehrere ausländ. Ordensverleihungen ausgez. 1865 i. R., gab er eine Zeitlang eine Korrespondenz heraus, die wegen ihrer Verläßlichkeit geschätzt war. Zuletzt lebte er völlig erblindet und zurückgezogen in Klosterneuburg. Sein Sohn Josef S. (geb. Wien, 8. 5. 1853; gest. ebenda, 11. 2. 1935), anfängl. Bankbeamter, trat ebenfalls als Journalist hervor, später als Autor einiger Lustspiele und Schwänke („Der Heiratsvermittler“, 1886, „Schönheitspreis und Liebespreis“, 1893, usw.).

W.: Ged., 1839; Beitrr. in Norddt. Frühlingsalmanach, 1836–37, U. Kern, Schles. Sagen-Chronik, 1840; usw.
L.: Wr. Ztg., 9. (Abendausg.), NWT, 10. 7. 1896; Brümmer; Giebisch–Gugitz; Kosch, 3. Aufl.; E. Hanslick, Aus meinem Leben 1, 1894, S. 194ff. (Dr. Leopold); J. Stern – S. Ehrlich, Journalisten- und Schriftsteller-Ver. „Concordia“. 1859–1909, 1909, S. 180; W. Klawitter, Geschichte der Zensur in Schlesien, 1934, S. 232f.; K.-H. Kossdorf, Die Wr. Lokalpresse im 19. Jh. ... (1850–1900), phil. Diss. Wien, 1969, S. 179f.; F. Stamprech, Die älteste Tagesztg. der Welt, 2. Aufl. (1977), s. Reg. – Josef S.: Brümmer; Giebisch–Gugitz; Kosch, 3. Aufl.
(H. Jacob)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 12 (Lfg. 55, 2001), S. 44f.
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