Schwerdfeger, Josef Adolf (1867-1931), Historiker

Schwerdfeger Josef Adolf, Historiker.Geb. St. Pölten (NÖ), 19. 12. 1867; gest. Opava/Troppau, Tschechoslowakei (Opava, Tschechien), 20. 7. 1931. Sohn eines Viktualienhändlers, Enkel eines Baumeisters und Großneffe von Engelbert (Leopold) S. (s. d.). Nach dem Besuch des Gymn. in St. Pölten (ab 1878), wo er 1888 maturierte, begann S. noch im selben Jahr an der Univ.Wien das Stud. der Geschichte und Geographie, wobei die Historiker Büdinger (s. d.) und Heinrich v. Zeißberg sowie die Geographen Penck (s. d.) und Wilhelm Tomaschek zu seinen Lehrern zählten. 1892 mit der Arbeit „Papst Johann XXIII. und die Wahl Sigismunds zum römischen König, 1410“ zum Dr. phil. prom., legte er 1893 die Lehramtsprüfung in seinen beiden Stud.Fächern ab. Nachdem S. schon zuvor eine Stelle als Supplent am Gymn. in St. Pölten angetreten hatte, unterrichtete er in gleicher Funktion später in Wien am Elisabethgymn. sowie am Akadem. Gymn., bis er 1897 eine def. Stelle am Gymn. in Troppau erhielt. Obwohl S. diese Versetzung zunächst als Exil empfand, wurde ihm diese Stadt nicht zuletzt aufgrund seiner intensiven Beschäftigung mit ihrer Vergangenheit so heim., daß er nach dem Ende seiner Aktivzeit (1922) nach Troppau übersiedelte. 1903 wurde S. an das Akadem. Gymn. nach Wien versetzt, wo er bis 1922 unterrichtete. Aufgrund des Aufenthalts in Troppau mußte S. seinen Plan, sich mit einer Stud. über die Maria-Theresian. Epoche zu habil., aufgeben, da ein Großteil seiner Wr. Univ.Lehrer mittlerweile verstorben war. S., während seiner Gymn.Zeit Schüler von August Herrmann (s. d.) und Keim (s. d.), verstand es, geschichtl. Ereignisse bei der gebotenen wiss. Präzision anschaul.und stilist. anspruchsvoll darzustellen. Er verf. etwa 150 Arbeiten, wobei sein Interesse neben allg. hist. Darstellungen v. a. der Geschichte der Städte St. Pölten, Troppau und Wien galt. Bes. hervorgehoben sei dasWerk „Vienna gloriosa. Bilder und Studien aus Wiens Vergangenheit“, 1923, das auch international große Anerkennung fand. Auch S.s Lehramtshausarbeit aus Geographie über Bernhard Varenius (1893, gedruckt 1899), einen der Begründer der modernen Geographie, wurde im Ausland viel beachtet. S., der ein kenntnisreicher Numismatiker war – er besaß eine nicht unbedeutende Münzen- und Medaillensmlg. –, erhielt 1930 den Titel Stud.Rat.

W. (auch s. u. bei F. Wais): Papst Johann XXIII. und die Wahl Sigismunds zum röm. Kg., 1410, in: Akadem. Ver.Dt. Historiker in Wien. Ber. über das 5. Ver.Jahr (1893–94), (1895) (auch selbständig); Bernhard Varenius und die morpholog. Capitel seiner „Geographia generalis“,(Amsterdam 1650) Tl. 1, in: Jahres-Ber. des k. k. Staats-Gymn. in Troppau ... 1897–98, 1898, Tl. 2, ebenda, Schuljahr 1898–99, 1899; Der bair.-französ. Einfall in OÖ und NÖ (1741) und die Stände der Erzherzogthümer,Tl. 1: Karl Albrecht und die Franzosen in Ober-Österr., in: AfÖG 87, 1899; Tl. 2: Kurfürst Karl Albrecht in NÖ, ebenda, 91, 1902; Die Salvator-Medaille der Stadt Wien, in: Z. für Münz- und Medaillenkde. 1, 1907; Die hist. Ver. Wiens 1848–1908, 1908; Kongreß-Troppau 1820, 1920; Alt-St. Pölten im Wandel der Jhh., in: Monatsbl.des Ver. für Landeskde. von NÖ 22, 1923 (auch selbständig); Vienna gloriosa, 1923; Jugenderinnerungen eines alten St. Pöltners, 1925; usw.
L.: N. Fr. Pr., 26. 7., St. Pöltner Dt. Volks-Ztg., 3. und 10. 12. 1931; St. Pöltner Ztg., 20. 9. 1934; Giebisch–Gugitz; Kürschner, Gel.Kal., 1925–31; O. Pfeffer, in: Jahresber. über das Akadem. Gymn. in Wien ... 1935–36, 1936, S. 24f.; Troppau und seine Geschichte, 1958, S. 78f.; F. Wais, in: 100 Jahre Bundesgymn. und Realgymn. in St. Pölten. FS und 79. Jahresber. 1961/62/63,1963, S. 29ff.; P. Buhl, in: Troppauer Heimat-Chronik 191, 1965, S. 273ff.; ders., Troppau von A bis Z. Ein Stadtlex., 1973; K. Gutkas, in: Jb. für Landeskde. von NÖ, NF 54/55, 1988/89, S. 160f.; K. M. Kisler, in: NÖ Kulturberr., Februar 1993, S. 17; R. Winter, Das Akadem. Gymn. in Wien, 1996, s. Reg.; UA Wien.
(R. Winter)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 12 (Lfg. 55, 2001), S. 50f.
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