Schwerdtner, Hugo; Ps. Mevisteros (1875-1936), Psychiater und Schriftsteller

Schwerdtner Hugo, Ps. Mevisteros, Psychiater und Schriftsteller. Geb. Wien, 7. 8. 1875; gest. ebenda, 29. 5. 1936. Sohn von Johann, Bruder von Carl Maria S. (beide s. d.). Nach Absolv. des Gymn. in Krems 1894 stud. S. Med. an der Univ. Wien, wo er 1900 zum Dr. med. prom. wurde. Ab 1903 als niedergelassener Arzt mit eigener Praxis in Wien tätig, wurde S. in der Folge Facharzt für physikal. Heilmethoden, wobei er sein Hauptinteresse den wechselseitigen Beziehungen zwischen Psychotherapie, Gymnastik und Sport zuwandte. Auf diese Weise wurde er 1906 auch Mitarbeiter des auf gymnast. Übungen spezialisierten „Zander Instituts“ in Wien 1, dessen Leitung er 1909 übernahm. S., mit E. Mach (s. d.), der S.s Interesse für psycho-phys. Zusammenhänge weckte, und V. Adler (s. d.), der ihn mit Fragestellungen der Sozialhygiene vertraut machte, bekannt, stand auch in engem Kontakt mit S. Freud (s. d.), der ihm neue Wege in die Psychotherapie wies. So zählte er ab 1907 zu den Mitgl. der von Freud 1902 mitbegründeten „Psychologischen Mittwochsgesellschaft“, der späteren „Wiener Psychoanalytischen Vereinigung“, und war 1908 einer der Teilnehmer am ersten Kongreß der Psychoanalytiker in Salzburg. Neben seiner med. Arbeit betätigte sich S., der bei A. Bruckner (s. d.) musikal. Stud. betrieb, auch als Autor von Opernlibretti und Lustspielen.

W.: Die stumme Seele. Märchen aus der Innenwelt, 1901; Abbazia als Kurort, 1906; Kunst als Psychotherapie, in: N. Fr. Pr., 10. 3. 1922 (Abendausg.), auch in: Schweizer. Med. WS 15, 1922; Die Ausdrucksbewegungen im Dienste der Psychotherapie, in: Wr. Med. WS 76, 1926, und in: Z. für die gesamte Neurol. und Psychiatrie 102, 1926, auch in: Schweizer. Med. WS 56, 1926; Evas Seelenwanderung, 1927; Die unsterbl. Eva. Mimus mit Musik für Bühne, Film und Radio, 1928; Evalieder des Mevisteros, 1928; usw.
L.: NWT, 2., N. Fr. Pr., 3. 6. 1936; Jb. der Wr. Ges.; E. Jones, Das Leben und Werk von S. Freud 2, 1962, S. 59; E. Mühlleitner, Biograph. Lex. der Psychoanalyse, 1992, S. 297f.; UA Wien.
(G. Gatscher-Riedl)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 12 (Lfg. 55, 2001), S. 52
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