Schwippel, Karl (Carl) (1821-1911), Geologe und Lehrer

Schwippel Karl (Carl), Geologe und Gymnasiallehrer. Geb. Prag, Böhmen (Praha, Tschechien), 4. 6. 1821; gest. Wien, 19. 7. 1911. Sohn eines Wirtschaftsbeamten. S. stud. zunächst am Kleinseitner Gymn. in Prag, um sodann von 1838–39 die phil. Jgg. an der dortigen Univ., wo u. a. W. F. Exner (s. d.) zu seinen Lehren zählte, zu absolv. Danach besuchte er zwei Jahre das Prager Polytechnikum. Aufgrund seiner großen Vorliebe für die Naturwiss. brach er sein Technikstud. ab und belegte an der Univ. Prag die Fächer Mineralogie, Botanik und später auch Geologie. 1849 Dr. phil., wurde er 1851 suppl. Prof. am Gymn. in Brünn (Brno) und ging 1852 in gleicher Funktion an die Theresian. Akad. nach Wien. Nachdem er im selben Jahr an der Univ. Wien die Lehramtsprüfung für Physik und Naturgeschichte abgelegt hatte, wurde er am Gymn. in Olmütz (Olomouc) zum Prof. für diese Fächer ernannt. 1856 nach Brünn versetzt, wirkte er am dortigen Gymn. 13 Jahre lang und war in jener Zeit auch in Brünner naturwiss. Ver. tätig. So fungierte er als Sekr. des „Naturforschenden Vereins in Brünn“ und später als mehrfach gewählter Vizepräs. der „Werner Gesellschaft“. In diese Zeit fielen auch seine ersten wiss. Abhh., die v. a. der Geologie Mährens gewidmet waren und mit denen er bald das Interesse der wiss. Fachwelt erweckte. So wurde er 1865 korr. Mitgl. der Geol. Reichsanstalt; 1869 Gymn.Dir. in Znaim (Znojmo), 1871 in Brünn; 1872 Schulrat. Nach seiner Pensionierung 1882 übersiedelte er nach Wien, wo er nun zahlreiche wiss. Publ. zu allg. geowiss. Fragestellungen ebenso wie zur Geschichte von Geol. und Paläontol. verf., wobei ihm seine Tätigkeit als Volontär am Naturhist. Mus. sehr zustatten kam.

W.: Die geognost. Verhältnisse von Lettowitz, in: Verhh.des naturforschenden Ver. in Brünn 3, 1864; Das Rossitz-Oslawaner Steinkohlengebiet, ebenda, 3, 1864; Die Geognosie und ihre prakt. Bedeutung, 1870; Die geolog. Verhältnisse der Umgebungen der k. k. Residenzstadt Wien, 1883; Die Ost-Alpen mit ihren anliegenden Gebirgsmassen, 1884; Die Paläontol. als selbständige Wiss., in: Gaea 25, 1889; Die ersten Anfänge geolog. Untersuchungen bis zum 18. Jh., ebenda, 26, 1890; Geologen und Paläontologen im 18. Jh., ebenda, 26, 1890; Geologen und Paläontologen in der ersten Hälfte des 19. Jh. bis zum Jahre 1890, ebenda, 27, 1891; Die Torfmoore in Oesterr.-Ungarn, in: Mitth. der Section für Naturkde. des Österr. Touristen-Club 8, 1896; Die Erdrinde, 1897; Verbreitung der Pflanzen und Thiere, 1900; Der Boden von Wien, in: Mitth. der Section für Naturkde. des Österr. Touristen-Club 14, 1902; usw.
L.: N. Fr. Pr., 20. 9. 1911; Eisenberg, 1893, Bd. 2; H. Heller, Mährens Männer der Gegenwart 3, 1889; M. Vacek, in: Verhh. der geolog. Reichsanstalt, 1911, S. 250ff.; Petermanns Mitt. 58, 1912, H. 2, S. 90; F. E. Sueß, in: Mitt. der Geolog. Ges. in Wien 4, 1912, S. 638; K. Lambrecht u. a., Palaeontologi. Cat. bio-bibliographicus (= Fossilium Cat. 1: Animalia 72), 1938, S. 391; H. Zapfe, Index Palaeontologicorum Austriae (= Cat. Fossilium Austriae 15), 1971, S. 105; Biograph. Lex. zur Geschichte der böhm. Länder 3, hrsg. von F. Seibt u. a., 1999.
(T. Cernajsek – J. Seidl)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 12 (Lfg. 55, 2001), S. 65
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