Sedej, Frančišek Borgia (1854-1931), Erzbischof

Sedej Frančišek Borgia, Erzbischof. Geb. Kirchheim, Küstenland (Cerkno, Slowenien), 10. 10. 1854; gest. Görz, Küstenland (Gorizia, Italien), 28. 11. 1931. Bauernsohn, der ab 1866 das staatl. Gymn. in Görz und zugleich das Priesterseminar besuchte; 1877 Priesterweihe und Anstellung als Kaplan. 1878–82 stud. er am höheren Priesterbildungsinst. in Wien („Frintaneum“) und konnte sich in der Folge als Stipendiat in Palästina in Orientalistik weiter ausbilden. Nach Görz zurückgekehrt, wirkte er wieder als Kaplan, Katechet an der Mädchenschule der Ursulinerinnen (1883) sowie als Präfekt an der theol. Zentrallehranstalt. 1883 habil., wurde S. Prof. für bibl. Wiss. des Alten Testamentes und für semit. Sprachen im Priesterseminar in Görz, zugleich Kirchengesangslehrer in den unteren Klassen des Seminars; 1884 in Wien Dr. theol. 1889–98 hielt sich S. wieder in Wien auf, wo er Hofkaplan (1889–1898), Stud.Dir., Bibliothekar und Ökonom im Frintaneum (als Nachfolger von Napotnik, s. d.) war. In dieser Zeit ist S. viel gereist (Balkan, Italien, Frankreich, Dtld.) und hat sich auch publizist. betätigt. 1898 zum Domherrn in Görz ernannt, bekleidete er zahlreiche kirchl. Ämter (Dompfarrer, Dechant, Prosynodal-Examinator, bischöfl. Insp. der slowen. und der dt. Schulen) und war Mitgl. des Landesschulrates. 1906 wurde S. zum Erzbischof und illyr. Metropoliten von Görz ernannt. Infolge der Kriegsereignisse im Juli 1915 vertrieben, gelang es ihm, die Leitung des Priesterseminars zusammen mit den Studenten und der Bibl. in das Zisterzienserkloster von Sittich (Stična) zu verlegen, um dann im März 1918 wieder nach Görz zurückzukehren. 1931 trat er, von den diktator. Verhältnissen unter dem faschist. Regime genötigt, von seinem Amt zurück und wurde zum Tit. Bischof von Aegina ernannt. In der Pastoral widmete sich S. der Katechese, der Liturgik, der Jugenderziehung, v. a. aber dem spirituellen Leben der Priesterschaft, was u. a. auch seine Hirtenbriefe (an die 40) zeigen. Zur Förderung dieser Anliegen gründete er 1908 die Sodalität des Allerheiligsten Herzen Jesu, 1911 führte er die ganztägige Anbetung des Altarsakramentes ein und unterstützte Gründungen von Marian. Ver. In einem Hirtenbrief (1929) unterstrich er die Wichtigkeit der Muttersprache im Religionsunterricht, durch Gründung von Pfarrschulen ermöglichte er den Priestern (als in den Volksschulen der slowen. Unterricht verboten wurde) den Unterricht im slowen. Lesen und Schreiben. 1931 gab S. (mit den Bischöfen Alojzij Fogar und Trifone Pederzolli) das Zirkular „Normae“ heraus, in dem er den slowen. Sprachgebrauch im Religionsunterricht und bei der Messe festlegte. Ethnograph. interessiert, sammelte S. auch Volkslieder und Erz. seiner engeren Heimat. Seine bibelwiss. Beitrr. zeigen ein breites Wissen und gründl. Sprachkenntnisse (er beherrschte zehn Sprachen). Als guter Kenner der Musik war S. um ihre Reform im Kirchenbereich publizist. und durch die Einführung von Fachkursen für Priester und Regentes chori auch prakt. bemüht. 1883 setzte er sich für die Gründung eines Cäcilien-Ver. für das Görzer Erzbistum ein, war dessen Sekr., ab 1901 Präs. S. beeinflußte auch die sakrale Kunst. Er fungierte als Präses der neugegründeten Ges. zur Erhaltung der Basilika von Aquileia (1906) und gewann die Kunsthistoriker K. Drexler und Mantuani (beide s. d.) für Vorträge im Priesterseminar von Görz. 1908 und 1911 organisierte er Kurse über sakrale Kunst und war um die Gründung eines bischöfl. Museums (1912) bemüht. Als Initiator des Amtes für Renovierung der im Krieg beschädigten oder zerstörten Kirchen sorgte S. 1920–31 für die Renovierung oder Neuerbauung von 62 Kirchen, die er dem Architekten Max Fabiani und dem Maler Clemens Costantino Del Neri anvertraute. Die Zeit seines Bischofsamtes war von den Gegensätzen zwischen Katholiken und Liberalen wie auch von nationalist. Intoleranz gekennzeichnet. Für S. standen die Glaubens- und Moralfragen der kath. Religion im Vordergrund, da sie imstande wären, die sozialen, kulturellen und polit. Probleme zufriedenstellend zu lösen. Konservativ eingestellt, sah er Vorbild und Garantie für die Bewahrung eines Gleichgewichts in Mitteleuropa v. a. in der Politik der konservativen Kreise der damaligen österr. Kirche, da es der Habsburgermonarchie gelungen sei, durch scharfe Ablehnung der Bestrebungen des Reformkatholizismus dieses Gleichgewicht aufrecht zu erhalten. Heimatliebend und nationalbewußt, war er um ein Zusammenleben der Slowenen, Friulaner und Italiener bemüht und trachtete die nationalist. Leidenschaften zu mildern. Obwohl S. ein Gegner von Interventionen der Kirche in den nationalen Fragen war (z. B. kirchenslaw. Gottesdienst, Memorandum des jugoslaw. Klerus an den Hl. Stuhl vom Jahre 1920), er wirkte er dennoch 1921 ein päpstl. Rundschreiben gegen Gewaltmaßnahmen im slowen. Istrien und Küstenland gegenüber dem slowen. Priesterstand. Das nationale Problem der Slowenen wollte S. als Austroslawist im Rahmen der Habsburgermonarchie lösen, weswegen er oft von seinen Landsleuten angegriffen wurde.

W.: ca. 180 Publ., u. a. in Dom in svet, Folium periodicum 1883–85, 1892–94 und Cerkveni glasbenik 1878, 1880–83, 1886, 1895–96, 1898, 1900, 1905.
L.: PSBL; SBL; C. Wolfsgruber, Die k. u. k. Hofburgkapelle und die k. u. k. geistl. Hofkapelle, 1905, s. Reg.; W. Goldenits, Das höhere Priesterbildungsinst. für Weltpriester zum Hl. Augustin in Wien ..., theol. Diss. Wien, 1969, S. 373; J. Sedej, Dr. F. B. S., 1971; B. Braini, Il pensiero e l’azione pastorale dell’ F. B. S., 1978/79; F. Kralj, Primorska duhovščina pod fašizmom, 1979; Sedejev simpozij v Rimu 1986, 1988 (mit Bibliographie); Enc. Slovenije 11, 1997.
(N. Gspan)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 12 (Lfg. 55, 2001), S. 81f.
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