Sedlak, Wenzel (1776-1851), Klarinettist und Komponist

Sedlak Wenzel, Klarinettist und Komponist. Geb. Jezbořitz, Böhmen (Jezbořice, Tschechien), 4. 8. 1776; gest. Wien, 20. 11. 1851. Sohn von Franz S. und der Dorothea, geb. Czerník. S. ist erstmals 1806 als 2. Klarinettist in dem ab diesem Jahr aus zwölf Instrumentalisten bestehenden Bläserensemble („Harmonie“) des Fürsten Alois I. v. u. z. Liechtenstein nachweisbar. Diese seit 1794 unter der Leitung von Josef Triebensee stehende Harmonie wurde 1808 durch Fürst Johann I. v. u. z. Liechtenstein aufgelöst. Danach (?) wirkte S. als fürstl. Auerspergischer Kapellmeister und übernahm 1812 die Leitung der von Fürst Johann neu bestellten, nunmehr aus neun Mitgl. bestehenden Harmonie, die 1835 aufgelöst wurde. Sie hatte in erster Linie für die Unterhaltung bei den Abendgesellschaften der fürstl. Familie auf ihren Gütern, bes. Feldsberg (Valtice) und in Wien, aufzukommen. Diese nur fallweise Beschäftigung erlaubte es S., der als Kapellmeister allerdings auch den Musikunterricht in der fürstl. Familie zu besorgen hatte, sich auch außerhalb der aristokrat. Ges. im nunmehr stark ausgeprägten bürgerl. Musikleben als Solist, bes. aber als Komponist zu profilieren. U. a. war er der Klarinettist in dem von dem Flötisten Johann Sedlaczek (geb. Oberglogau, preuß. Schlesien / Głogówek, Polen, 6. 12. 1789; gest. Wien, 11. 4. 1866, der nach einer internationalen Karriere ab 1845 wieder in Wien lebte) geleiteten Ensemble, das im April 1821 drei Konzerte u. a. mit Bläserquintetten von Reicha (s. d.) als Wr. Novitäten gab. S.s zahlreiche Transkriptionen von Opern und Balletten für Harmonie – es sind u. a. in Wien und Brünn (Brno) über 55 erhalten – machten ihn zu einem der in Wien und im südmähr. Gebiet weitest verbreiteten Vertreter dieser seit ca. 1780 sich von Wien aus auf ganz Europa ausdehnenden kompositor. Gattung, durch welche die aktuellen Werke u. a. von Auber, Bellini, Nicolas Dalayrac, Saverio Mercadante, Ferdinando Paër, Rossini und Weber popularisiert und verbreitet wurden. In diesem Zusammenhang ist auch S.s Transkription von elf Nummern aus Beethovens „Fidelio“ für neunstimmige Harmoniemusik zu sehen, die, vom Komponisten selbst autorisiert, innerhalb einer Ser. von weiteren Bearb. der Oper 1814 bei Artaria (s. d.) in Wien erschien.

W.: Fidelio. Eine große Oper in 2 Aufzügen ... für Neun Stimmige Harmonie, 1814; weitere Bearb. für Harmoniemusik (s. Sehnal, Kongreßberr., und Weinmann) in Österr. Nationalbibl., Musiksmlg., Archiv der Ges. der Musikfreunde, alle Wien, und Ústav dějin hudby Moravského musea, Brno; 10 Variations pour 2 Clarinettes, 8 Dt. Tänze und 4 Menuetten samt Trios, 12 Dt. Tänze und 12 Trio samt Coda für das Pianoforte, alle Archiv der Ges. der Musikfreunde, Wien; 12 Ländler für C-Klarinette, Märsche für 13 bzw. 11 Trompeten, Hss., Österr. Nationalbibl., Musiksmlg., Wien; usw.
L.: Conversationsbl. 3, 1821, S. 348, 395; Wr. allg. Theaterztg. ... 14, 1821, S. 156, 190f.; Allg. musikal. Ztg. mit bes. Rücksicht auf den österr. Kaiserstaat 5, 1821, S. 165f., 223; Grove, 1980; A. Weinmann, Beitrr. zur Geschichte des Alt-Wr.-Musikverlages, R. 2, 2, 1952, 10, 1966, 11, 1967, 19, 1979, s. Reg.; G. Kinsky – H. Halm, Das Werk Beethovens, (1955), S. 185; R. Hellyer, in: Music & Letters 53, 1972, S. 242ff.; J. Sehnal, in: Sborník prací fil. fak. Brněnské Univ. 22, R. 8 H, 1973, S. 137ff.; L. van Beethovens Konversationshe. 6, hrsg. von K.-H. Köhler und G. Herre, 1974, S. 119, 261, 9, hrsg. von G. Herre, 1988, S. 253, 416; H. Stekl, in: The Haydn Yearbook/Das Haydn Jb. 10, 1978, S. 168, 171f., 174f.; J. Sehnal, in: Časopis Moravského muz. 48, 1983, S. 117ff., bes. S. 136, 141ff.; B. Höfele, in: Beethoven und die Nachwelt, hrsg. von H. Loos, 1986, S. 32ff.; J. Sehnal, in: Kongreßberr. Oberschützen/Bgld. 1988, Toblach/Südtirol 1990, hrsg. von B. Habla (= Alta Musica 14), 1992, S. 269ff.; Státní oblastní archiv Zámrsk, Zámrsk, Tschechien; WStLA, Wien.
(H. Reitterer)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 12 (Lfg. 55, 2001), S. 90f.
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